Islamverbände klagen gegen das Land NRW
Bild: dpa
Viele tausend Schulkinder haben islamischen Religionsunterricht. Für die Zukunft des Fachs an NRW-Schulen könnte ein Gerichtsurteil aus Münster von großer Bedeutung sein. Zwei Islam-Verbände klagen gegen das Land.
Bild: dpa

Die Kernfragen: Sind die beiden Kläger Religionsgemeinschaften und kommt ihnen ein Rechtsanspruch zu, bei dem bekenntnisorientierten Unterrichtsfach islamische Religion an NRW-Schulen kräftig mitzugestalten? Die Realität scheint das Klageverfahren eingeholt zu haben - ein bisschen jedenfalls. Denn das Fach islamischer Religionsunterricht (IRU) gibt es inzwischen in NRW seit 2012, andere Bundesländer folgten. Und in Nordrhein-Westfalen wirken die beiden Kläger bereits über einen Beirat bei der Gestaltung des Fachs mit.

Aber: Das Ganze ist nur eine Übergangslösung. Sie läuft Mitte 2019 aus. Was danach kommt, ist ungeklärt. Ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in dem komplexen Fall schon am Donnerstag gilt als wahrscheinlich. "Der Senat beabsichtigt, an dem Tag eine Entscheidung zu treffen", sagt Gerichtssprecherin Gudrun Dahme. Sollten die Kläger gewinnen, könnten die Folgen des Urteils weitreichend sein. "Wenn die Kläger gewinnen, dann käme am Ende ein anderer islamischer Religionsunterricht heraus als der, den wir jetzt haben."

Auswirkungen des Urteils sind noch nicht abzusehen

Dahme geht davon aus, dass der Religionsunterricht "dann nach den Grundsätzen der Kläger" erteilt werden müsste. "Das bedeutet, dass das Land nicht so starke Einfluss- und Mitspracherechte hätte, wie es nach dem derzeitigen Beiratsmodell der Fall ist." Die Auswirkung des Urteils sei noch nicht abzusehen, meint das Düsseldorfer Schulministerium. "Die staatliche Ausbildung der Lehrer für den islamischen Religionsunterricht bleibt in jedem Fall unberührt", sagt ein Sprecher.

Hochspannend könne es dagegen bei den beiden zentralen Feldern religiöse Unterrichtsinhalte und Lehrerlaubnis werden - also welche Lehrkräfte den Schülern welche Inhalte vermitteln. Offen ist, in welche Richtung es ginge, sollten die Kläger als Religionsgemeinschaften aufgewertet und ihre schon jetzt erheblichen Mitwirkungsrechte ausgeweitet werden.

Islamrat fordert langfristige Zusammenarbeit und klare Strukturen

Burhan Kisici, Vorsitzender des Islamrats, rechnet mit einer solchen Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Was will sein Verband? Es müsse festgelegt werden, wie man nach der Übergangsphase "langfristig zusammenarbeitet und dass man dafür die entsprechenden Strukturen schafft", betont Kisici, der selbst Mitglied im Beirat ist.

Die Nachfrage muslimischer Eltern sei riesig. Aktuell erhalten 19.400 muslimische Jungen und Mädchen in NRW an 234 Schulen IRU. Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Fall 2005 an das OVG zurückverwiesen. Kläger und Beklagte hatten zunächst vereinbart, das Verfahren ruhen zu lassen, doch jetzt wollen ZMD und Islamrat lieber eine Klärung.

SOCIAL BOOKMARKS