Münster treibt Cannabis-Projekt voran
Bild: dpa
„Das Strafrecht in Sachen Cannabis hat keinerlei positive Wirkung. Im Gegenteil“, sagte der Kriminologe Prof. Lorenz Böllinger auf einer Fachtagung in Münster. Die Stadt will einen Antrag auf eine legalisierte Cannabis-Abgabe stellen.
Bild: dpa

Darüber wird in Münster debattiert, denn die Kommune kann sich vorstellen, Cannabis freizugeben. Alle Parteien außer der CDU unterstützten im Herbst 2015 einen Ratsantrag, mit dem in der Stadt ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt für den legalen Cannabis-Konsum realisiert werden soll. Die Kommune will den offiziellen Antrag an die Bund stellen, um ihr Vorhaben durchzusetzen.

Ganz einfach wird das allerdings nicht, weil nicht die Kommune, sondern das Bundesinstitut für Arzneimittel im Einzelfall darüber entscheidet. „Ein Antrag an den Bund ist der einzige Weg, aber die Erfolgsaussichten sind gering“, sagte Sozialdezernentin Cornelia Wilkens, die am Dienstag eine Expertentagung eröffnete. Denn Wissen rund um die aus Hanf gewonnene Droge zu sammeln, ist ein Schritt auf dem Weg zu einem Antrag, für den es eventuell doch grünes Licht gibt.

„Das Strafrecht in Sachen Cannabis hat keinerlei positive Wirkung. Im Gegenteil: Die Delikte nehmen zu, der Schwarzmarkt macht Profite, der Jugendschutz greift nicht, weil es keine Aufklärung gibt“: Der Kriminologe Prof. Lorenz Böllinger macht keinen Hehl daraus, dass er für die Legalisierung des Konsums eintritt. „Zurzeit existiert eine Ausnahme vom Freiheitsgrundsatz. Das ist verfassungswidrig, und dafür gibt es keine sachlichen Argumente.“

Auch Dr. Raphael Gaßmann von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sieht das größte Problem darin, dass mit der Illegalität auch der Schutz wegfalle. „Alkohol, Zigaretten und auch Glücksspiel sind freigegeben, es gibt offene Informationen und funktionierende Präventionsangebote. Warum sollte das nicht für Cannabis funktionieren?“

Münsters wohl prominentester Befürworter der Cannabis-Freigabe ist Hubert Wimber, bis 2015 Polizeipräsident der Stadt. Er weiß, wie die Legalisierung im Ausland fortschreitet und welche Folgen sie hat. „Ausgerechnet die USA, einst Vorreiter der Prohibition, ist jetzt Trendsetter in die andere Richtung. In acht Staaten ist die Droge legal, da gibt es schöne Läden, in denen eine breite Auswahl verkauft wird.“ In Colorado steht nach vier Jahren fest, dass sich die Zahl der Konsumenten dadurch nicht erhöht hat. Wohl aber die Steuereinnahmen: 140 Millionen Dollar zusätzlich nahm der Staat bereits ein. In Uruguay könnte es bald ähnlich aussehen: Das Land will nach der kompletten Freigabe 2013 auch an der Wertschöpfungskette vom Anbau bis zum Verkauf teilhaben.

SOCIAL BOOKMARKS