Pfarrer wirft enttäuscht das Handtuch
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Trotz des Versprechens der Eltern hinsichtlich der Erziehung im Glauben, könnten die meisten Kinder bei der Kommunionvorbereitung weder Kreuzzeichen noch Vater Unser, klagt Pfarrer Thomas Frings. Das Bild zeigt den Geistlichen in der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster zwischen zwei Erstkommunionkindern des vergangenen Jahres, Kilian (l.) und Simon.  
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 „Ich plage mich vor Ort“, sagt Frings und macht seinem Unmut Luft. Er feiere mit Freude die Messe und freue sich über jeden, der dies ebenfalls tue, wenn auch nicht regelmäßig. In seiner Pfarrei kämen kaum noch Menschen sonntags in die Kirche, 70 Prozent der Gemeindemitglieder nicht einmal zu Weihnachten.

 „Eltern lassen ihre Kinder taufen, haben aber Null Interesse daran, sie auch im Glauben zu erziehen“, kritisiert Frings. Kinder überlegten, ein Gebet zu sprechen, und Eltern sagten: So einen Quatsch brauchen wir nicht. Ob bei Taufe, Kommunion oder Hochzeit – die Menschen versprächen öffentlich Dinge, die sie dann nicht hielten. „Am Inhalt wird nicht mitgearbeitet“, klagt der Geistliche. Der Anspruch, dass eine Feier serviceorientiert und fehlerlos geliefert werden solle, und die Ahnungslosigkeit der Menschen seien für ihn schwer auszuhalten.

Mittlerweile ohne Hoffnung

25 Jahre sei er Priester, sagt Frings, aber mittlerweile ohne Hoffnung. Er selbst hat schon mit verschiedenen Aktionen Aufmerksamkeit erregt. So lud er unter dem Motto „Unsere Kanzel für Sie“ Menschen in die Kirche ein, damit sie erzählten, was sie von Kirche halten. Oder er ließ große Hinweise („Ja, ich bin da“) an der Kirchturmspitze anbringen.

Zur Person

Thomas Frings wurde 1960 in Kleve geboren und 1987 zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Warendorf und Pfarrverwalter von St. Agatha in Münster-Angelmodde, bevor er 1997 Pfarrer von St. Ludgerus in Münster-Albachten wurde. 1999 und noch einmal 2005 wurde Frings Dechant des Dekanats Münster-Lamberti. Seit 2009 ist er Pfarrer in Münster Heilig Kreuz und seit 2010 Mitglied des Priesterrates, seit 2014 dessen Moderator.

So lange er lebe, kenne er nur schwindende Zahlen von Aktiven in der Kirche und steigende Zahlen bei den Kirchenaustritten. Die Reaktionen darauf seien bei Kirchen- und Gemeindeleitung ähnlich: Gemeinden, Seminare und Klöster würden geschlossen oder zusammengelegt, um dann wie bisher weiterzumachen, sagt Frings. „Die Glaubenspraxis der Menschen hat sich geändert, aber dass Kirche sich an dieser Stelle nicht verändern darf, da sind sich Fernstehende und Verantwortliche einig wie selten“, meint der Pfarrer.

Eine Lösung für all die Probleme hat Frings nicht: „Ich möchte auch niemanden einen Vorwurf machen.“ Erst einmal geht er in ein niederländisches Kloster, um neue Wege zu suchen – und zu finden. Ab Ostermontag ist er vom Bischof als Pfarrer entpflichtet.

Bistum respektiert Entschluss

Das Bistum Münster respektiert nach eigenen Angaben den Entschluss von Pfarrer Thomas Frings, sich eine Auszeit zu nehmen. „Es hat im Vorfeld Gespräche zwischen ihm und Bischof Felix Genn gegeben, die waren gut und vertrauensvoll“, sagt Bistums-Sprecher Stephan Kronenburg. Die persönliche Entscheidung des Geistlichen habe das Bistum darüber hinaus nicht zu kommentieren.

Der Pfarreirat von Heilig Kreuz achtet den Schritt seines Pfarrers ebenfalls. „Wir sind gleichzeitig zutiefst davon erschüttert, dass er so fühlt“, heißt es auf der Facebook-Seite der Pfarrei. Die Gemeinde werde als ausgesprochen lebendig, konstruktiv-kritisch und im positiven Sinne heterogen erlebt: „Hier ist viel zu gestalten.“ Am Wochenende will der Pfarreirat mit Frings noch einmal ins Gespräch kommen.

Mutig und konsequent

Als schade, aber doch mutig und konsequent bewertet Michaela Arlinghaus das Vorgehen des Geistlichen. „Ich kann das gut nachvollziehen und finde es sehr traurig, dass selbst die engagiertesten unter den Kirchenvertretern hilflos resignieren.“ Und Columban Leathan fragt: „Wenn der Hirte resigniert, was sollen dann die Schafe tun?

„Nach 37 Jahren als Priester der Erzdiözese Paderborn möchte ich mit Respekt die Entscheidung meines Mitbruders teilen“, schreibt Dieter Osthus. „Vielleicht hatte ich nie den Mut, Gleiches zu tun. Jetzt als Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Kapstadt spüre ich sehr deutlich, dass für mich eine Entscheidung ansteht, die in die gleiche Richtung geht.“

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