Schweinehalter vor ungewisser Zukunft
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Schweinehalter schauen mit Sorgen in die Zukunft.
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"Wir haben die Top 3 der Schlachthofkonzerne zu einer Podiumsdiskussion eingeladen", sagte Geschäftsführer der ISN mit Sitz im niedersächsischen Damme, Torsten Staack. Zu Wort kommen damit Vertreter der Schlachtkonzerne Tönnies (Rheda-Wiedenbrück), Vion (Standort in Ahlen) und Westfleisch (Münster).

Gerichtsurteil löst Ratlosigkeit bei Landwirten aus

Sorgen macht den Landwirten unter anderem eine höchstrichterliche Entscheidung, wonach die Sauenhaltung bei den meisten deutschen Ferkelerzeugern gegen das Tierschutzrecht verstößt. Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg urteilte jüngst, dass die Kastenstände, in denen trächtige oder säugende Zuchtsauen eingezwängt sind, zu wenig Platz bieten. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Urteil im November. "Es sagt ihnen aber keiner, wie die Ställe aussehen müssen, dass sie rechtskonform sind", klagt Staack.

Auch die Marktentwicklung bereitet den Landwirten Kopfzerbrechen: Der seit Sommer vergangenen Jahres wieder gestiegene Schweinepreis kommt nicht durch größere Binnennachfrage, sondern durch starke Exporte nach China zustande. Die Exportabhängigkeit werde auch die Konzentration bei den Schlachthöfen verschärfen, weil kleinere Unternehmen nicht mithalten können, befürchtet Staack. Experten schließen nicht aus, dass sich in den nächsten Jahren die Vertragsbeziehungen zwischen Landwirten und ihren Abnehmern, den Schlacht- und Lebensmittelkonzernen, deutlich ändern werden.

Eigenständiger Bauer wird zum Lohnmäster

Zum Beispiel in Spanien kann man laut Josef Efken vom Thünen-Institut in Braunschweig bereits beobachten: In den meisten Fällen gehöre der Hof zwar noch den Landwirten - die Ferkel zum Mästen sowie das Futter werden allerdings vom Futtermittelhersteller gestellt, der dann auch die schlachtreifen Tiere abnehme. "Der Landwirt bekommt ein Entgelt für das gemästete Tier", sagt der Marktexperte. Es gebe auch Fälle, in denen der Landwirt notwendige Investitionen nicht mehr schultern könne. Der Vertragspartner übernehme dann teilweise den gesamten Hof und der Landwirt werde zum Lohnmäster.

Noch vor einigen Jahren sei es undenkbar gewesen, dass Schweinemäster über solche oder ähnliche Strukturen überhaupt nachdachten, sagt Verbandsgeschäftsführer Staack. Die Landwirte wollten Herren auf dem eigenen Hof bleiben. Angesichts der unsicheren Lage stellten inzwischen aber auch viele Schweinehalter solche Gedankenspiele an. Die Branche sei derzeit von einer großen Orientierungslosigkeit geprägt, sagt Agrar-Experte Efken. Der Strukturwandel gehe weiter: Jedes Jahr würden vier bis fünf Prozent der Schweinemäster aufgeben. Laut Statistischem Bundesamt gibt es derzeit noch rund 24.400 Schweinehalter in Deutschland. In NRW waren es nach Zahlen des Statistischen Landesamtes Ende Mai 2016 noch rund 7460 mit 7,2 Millionen Tieren.

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