Smartphone-Auszeit für besseren Schlaf
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Das Smartphone im Bett führt bei Vielen zu Schlafproblemen. Ob berufliche Verpflichtung oder der Wunsch, in sozialen Netzwerken immer online zu sein – Schlafforscher empfehlen, sich den Luxus von Medienauszeiten zu gönnen.
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 „Wir schlafen heute im Schnitt anderthalb Stunden weniger als noch vor 100 Jahren“, sagte Kongresspräsidentin Prof. Dr. Svenja Happe, Chefärztin der Klinik Maria Frieden (Telgte), gestern in Münster. Damals verbrachten die Menschen im Schnitt 9 Stunden schlafend im Bett, heute sind es nur 7,5 Stunden. Das Abnehmen der Schlafdauer hat laut Happe unmittelbar mit technologischen Veränderungen zu tun. Mit Einzug des elektrischen Lichts in den Alltag sei die Schlafdauer im Schnitt um eine Stunde gesunken. Bis zu einer weiteren Stunde Schlaf ginge den Menschen mit der Nutzung von Smartphone, Tablet-Computer und Fernseher auch im Schlafzimmer verloren.

Medienhygiene einhalten

„Wir brauchen eine bessere Schlafkultur“, fordert Happe deswegen und empfiehlt dringend, eine konsequente Medienhygiene einzuhalten und sich den Luxus regelmäßiger Medienauszeiten zu gönnen. Viele Menschen führten heute ein Leben gegen die innere Uhr. Das betrifft schon junge Menschen: Laut einer Studie ist jeder zweite Jugendliche in Großbritannien zwischen 10 und 17 Jahren nachts mehr als eine Stunde in sozialen Netzwerken unterwegs. „Das sind alarmierende Zahlen“, sagt Happe.

„Schlafstörungen hinterlassen Spuren“

Die Konsequenzen sind laut den führenden deutschen Schlafexperten dramatisch. Dabei geht es nicht nur um Befindlichkeitsstörungen durch häufiges Gähnen. „Schlafstörungen hinterlassen Spuren“, warnt Dr. Helmut Frohnhofen, Leitender Arzt im Bereich Altersmedizin im Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen. So gebe es einen Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf und dem Auftreten von Demenzerkrankungen. Schlafstörungen führten zudem zu Folgeerkrankungen, die das Herz-Kreislaufsystem betreffen, zu Stoffwechselstörungen und sogar Krebserkrankungen. Frohnhofens Fazit: „Wer gut schläft, bleibt länger fit.“

Schlafprobleme sind nach Auskunft von Dr. Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, weit verbreitet. In Deutschland leiden 9,6 Prozent der Bevölkerung an schwerwiegenden Schlafstörungen. Studien zufolge ist der Grund für jeden dritten Hausarztbesuch ein Problem mit dem Schlaf oder eine Krankheit, die durch eine Schlafstörung entstanden ist.

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