Salafisten verteilen kostenlos Koran
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Islamisten haben am Samstag in mehreren deutschen Städten wie hier in Wuppertal kostenlose Koran-Exemplare an Passanten verteilt.
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Für heftige Diskussionen zwischen Passanten und den Islamisten, aber auch unter Passanten sorgte die Aktion beispielsweise in Berlin. Viele nahmen Koran-Exemplare mit. Eine 65 Jahre alte Frau sagte: „Ich will mir selber ein Bild machen.“ Die Polizei verfolgte die Aktionen aufmerksam. Zunächst wurden keine Zwischenfälle bekannt.

Der Verfassungsschutz wertet die Aktion der Salafisten als Versuch, Propaganda zu betreiben und Anhänger zu rekrutieren. Die rechtspopulistische Splitterpartei Pro NRW hat zur Landtagswahl im Mai zu einem „islamkritischen Karikaturenwettbewerb“ aufgerufen. Die Ergebnisse sollen vor Moscheen ausgestellt werden. In sozialen Netzwerken rufen inzwischen Rechtsextremisten zu Protestaktionen gegen die kostenlose Verteilung der Koran-Exemplare auf. Die geplanten rund 25 Millionen Bücher sollen nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz und Österreich sowie über das Internet verschenkt werden.

„Wir beobachten sie“, bekräftigte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Freitag. Nicht der Koran sei das Problem, sondern die Absicht, mit der Verteilung extremistische Ideologien zu verbreiten. Salafisten zeigen seit etwa einem halben Jahr mit Infoständen in Innenstädten Präsenz.

Seit Monaten in Münster und Bielefeld präsent

In Münster stehen sie regelmäßig freitags und samstags in der Fußgängerzone verteilen Koran-Exemplare. „Sie gehen aber nicht aktiv auf die Passanten zu“, hieß es von der Stadt. In Bielefeld standen die Salafisten seit Mitte vergangenen Jahres bisher zehn Mal mit einem Stand in der Fußgängerzone. Zwei weitere Termine wurden für Samstag, 14. April, und den 12. Mai angemeldet. In Hamm ist ein Antrag zu einer Aktion eines Privatmannes bisher ohne weitere Details angekündigt. Die Stadt Dortmund verzeichnet bisher keine vergleichbaren Aktivitäten.

Die islamistische Gruppe der Salafisten hat etwa 500 Anhänger in NRW und wird hier seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Sicherheitsbehörden weisen darauf hin, dass etwa über das Internet gezielt junge Leute angesprochen werden und die Möglichkeit der Radikalisierung gegeben ist. Etwa die Attentäter vom 11. September 2001 und die islamistische Sauerland-Gruppe waren Salafisten.

Aufrufe zur Gewalt rechtfertigen Verbote

Der NRW-Innenminister sagte, jede Gemeinde habe das Recht, einen Informationsstand der Salafisten zu untersagen, wenn Teilnehmer dort zur Gewalt aufriefen. „Da endet diese Religionsfreiheit, da ist der Staat gefragt, mit allen Mitteln der Strafverfolgung hier auch entgegenzuwirken. Das tun wir auch“, sagte Jäger. Sollten Verbote möglich sein, würden sie auch angewandt.

Missionierende Bewegung spielt eine Sonderrrolle

Die Salafisten nehmen nach den Worten des Arabistik-Professors Thomas Bauer mit ihrem Missionierungsversuchen im Islam eine Sonderrolle ein. „Der Salafi ist eine missionierende Bewegung“, sagte der Wissenschaftler vom Forschungsverbund Religion und Politik an der Universität Münster. „In erster Linie richten sich Salafisten an Muslime - gegen den traditionellen, komplizierten, abwägenden, intellektuellen, gelehrten Islam.“ Die Bewegung habe aber auch eine starke Mission in Richtung Nicht-Muslime entwickelt. Damit stehe sie im Islam weitgehend allein. „Die Missionierung spielt im Islam eine sehr untergeordnete Rolle. Die Ausbreitung des Islam verdankt sich kaum der aktiven Missionierung wie beim Christentum“, sagte Bauer.

Experte rechnet nicht mit Überzeugung Deutscher

Bauer rechnet nicht damit, dass ein durch Salafisten übersetzter Koran viele deutschsprachige Leser überzeugen wird. „Es gibt sehr schöne Übersetzungen. Aber die schönen sind in der Regel nicht die salafistischen. Und wenn es eine ästhetisch schlechte Übersetzung ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass damit irgendeine Seele gewonnen wird.“

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