Segg’t äs up Platt
platt

Hiättlick willkummen beim Plattdeutsch-Kursus der „Glocke“. Gemeinsam mit dem Medienzentrum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens des LWL, sowie dem Ehepaar Rita und Rudolf Averbeck hat unsere Zeitung die Serie mit dem Titel „Segg’t äs up Platt“ ins Leben gerufen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es üblich, dass man sich im Münsterland und in Ostwestfalen-Lippe nicht nur auf Hochdeutsch unterhielt. Im Alltag war Plattdeutsch als Mundart allgegenwärtig. Das ist heute anders. Immer weniger Menschen sprechen und verstehen Plattdeutsch. Genau da setzt die Serie der „Glocke“ an. Mit kleinen Lektionen zu unterschiedlichen Themen des Alltagslebens soll die Mundart aufleben und in die Gegenwart transportiert werden. Denn: Plattdeutsch ist keineswegs nur etwas für die ältere Generation! Da es viele Variationen des Plattdeutschen gibt, konzentriert sich die Serie auf die Mundart, die der Pfarrer und Dichter Augustin Wibbelt, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt, gesprochen hat: das Vorhelmer Platt.

Monatlich werden in der „Glocke am Wochenende“ verschiedene Situationen erläutert und mit Grammatik, plattdeutschen Sprichwörtern und Redensarten sowie sprachkundlichen Texten ergänzt. Ziel ist es nicht, nach einem Jahr perfekt Plattdeutsch zu können. Vielmehr soll der Spaß, die Mundart wieder aufleben zu lassen, im Vordergrund stehen.

Lektion 1

Karikatur: Gehrmann

In’t Hauchdütske is de höflicke Anrede för ene of mährere Personen de 3. Person Plural: „Sie“. Up Platt is dat de 2. Person Plural: „Ji“: „Wu heet’t Ji?“

Karikatur: Gehrmann
Dat füörmlicke Gespräök

Tüsken Frümde

 

A: Gutten Dag. Ick heet Kalli Brügge.
B: Angeneihm, Herr Brügge. Min Name is Mia Brink.
A: Gutten Aobend. Draff ick mi vörstellen, min Name is Jan Kamp.
B: Schön, Ju kennentelähren. Ick sin Rita Voss.
A: Angeneihm, Frau Voss. Kummt Ji ut Üöle?
B: Nee, ick sin ut Beilen.
A: Ick häff kinne Tied mähr, ick mott wieder. Schönen Aobend noch.
B: Auk so. 

A: Gutten Muorgen.
B+C: Gutten Muorgen.
A: Draff ick nao Jue Namens fraogen?
B: Jau, wisse doch. Wi heet’t beide Köster. Kai un Anja Köster. Un wu heet’t Ji?
A: Ick heet Lüns.
C: Un de Vörname?
A: Oh, ick heet met Vörnamen Uwe.
B: Wi häfft kine Tied mähr. Gutt gaohen, Herr Lüns.
A: Jau, doht Ju wat he

 

Tüsken Bekannte

 

A: Gutten Dag, Frau Brügge.
B: Gutten Dag, Herr Lenz. Wu geiht et Ju, Herr Lenz?
A: Danke de Naofraoge, gutt, un Ju?
B: Mi geiht et auk gutt, danke.
A: Kick an, Frau Bolte.
B: Herr Naumann, schön Ju äs maol wier te seihen!
A: Jau, dat mein ick auk. Wu geiht et Ju?
B: Bestens, ick kann nich klagen - un wu häbbt Ji dat?
A: Auk bestens. Ji wiett’t jä, schlechte Lüde geiht et ümmer gutt.
B: Wo ick Ju jüst hier seih, wu geiht et egentlick Kösters Martin? De is doch so krank.
A: Em geiht et all wier heel gutt. He fänk naichste Wiäcke wier an te arbeiden.

Lektion 2

Karikatur: Gehrmann
De Chef besucht Frau Bült in‘t Büro.
Karikatur: Gehrmann
In dat Büro

Herr Althoff (A) un Frau Bült (B) sitt’t in en Büro un arbeid’t an iähre Computers. De Bürodüör geiht laoß, de Chef (C) kümp met en jungen Mann (L) harin.

C: Gutten Muorgen, Frau Bült un Herr Althoff.
A und B: Gutten Muorgen, Herr Creimer.
C: Düt is Herr Lüning, he fänk vandage bi us ene Utbildung up’t Büro an.
L: Gutten Muorgen, Frau Bült un Herr Althoff. B: Bi us is dat nich so füörmlick. Wi küert us met „du“ an.
A: Willt wi us nich auk duzen?
L: Jau, gähn. Ick sin Leon. Un wu heit’t ji met Vörnamen?
A: Ick heit Alex. Dat hier is Beate.
B: Wat för ene Utbildung mäcks du dann bi us, Leon?
L: Ick lähr up Bürokaupmann.
Beate: Segg äs maol, Leon, wo kümms du wäg? Wuens du hier in Warenduorp?
Alex: Jau, vertell doch äs wat von di! Leon: Ick sin Leon Lüning un wuene in Warenduorp. Gebuorn sin ick in Füchtrup. Ick häff enen jüngeren Broer un en äölleret Süster. Min Süster is verhieraot’t. Mine Öllern heit’t Franz un Marie Lüning. Min Vader is Schreinermester, he hät ene egene Schreinerie met nieggen Angestellte. Mine Moer mäck bi minen Vader up dat Büro denn Papierkraom. Min Broer geiht noch up de Schole, he will Abitur maken un up Dokter studeeren. In min Öllernhus küert wi alle Plattdütsk metenanner. Wi Kinner könnt auk alle Engelsk küern. Min Broer lährt auk noch Latinsk; dat kann he gutt bruken, wenn he studeert. Ick söwst will nu ene kaupmänniske Utbildung maken un dann äs wieder seihen.

Lektion 3

 Inkaupen for Plätzkes
Karikatur: Gehrmann

Gehört zum Alltag: Einkaufen muss man. Egal, ob man einen Obstsalat zubereiten oder Plätzchen backen möchte.

Karikatur: Gehrmann
 

Klingeling, klingeling.

W: Firma Franz Kampwerth, Ji küert met Werner Schnieder.

M: Hier is Marie Möller. Wi kennt us doch. Du bis doch Schnieder’s Werner ut Üöle, nich?

W: Jau, dat sin ick. Ji willt doch wisse met Juen Suohn Robin küern? Ick stell äs gau dör. Schönen Dag noch, Frau Möller.

M: Jau, schönen Dag noch, Herr Schnieder.

R: Robin Möller.

M: Jau, Robin, ick sin’t.

R: Ach, du bis dat, Mama. Wat giff’t, dat du mi up’e Arbeit anröpps?

M: Nicks leiget. Kanns du för mi nao de Arbeit inkaupen gaohen?

R: Inkaupen, ick? Nich gähne. Kanns du dat nich söwst dohen?

M: Stell di nich so an! Ick will muo’n Wiehnachtsplätzkes backen, un ick häff nicks to’t Backen in’n Huse. Schrief di dat up, dat dat auk alles richtig wät. Häss du wat to’t Schrieben?

R: Dann legg män laoß. M: Ick bruk: een Pund witt Miäll, 200 Gramm Margarine, hunnertfiftig Gramm Zucker, twee Eier, een Päcksken Backpulver, een Päcksken Vanillezucker, en half Pund ganze Haselnütt, owwer aohne Schellen. Dat is’t iärst äs.

R: Dat häff ick. Ick breng dat met. Dann kanns du muo’n dine Plätzkes backen.

M: Jau, den Deeg mak ick vanaobent all ferdig un stell em üöwer Nacht kaolt. Dann lött’e sick nämlick muo’n biätter utrullen.

R: Gutt.

M: Dat hett – waochte äs! Breng von allem dat Dubbelte met. Dat us dat nich so geiht, äs verliedden Jaohr Wiehnachten. Dat wi düt Jaohr up alle Fälle nog Plätzkes häbbt.

R: Dann mock jä noch riäcken! Ick breng di alles met. Bes naohiär.

M: Bes naohiär.

Lektion 4

Tweder Wiehnachtsdag
Karikatur: Uwe Gehrmann
Alle Jahre wieder weihnachtet es. Zum Fest der Liebe trifft sich die Familie neben dem geschmückten Tannenbaum und zum festlichen Essen. Endlich ist Zeit, die Seele baumeln zu lassen und zu entspannen.
Karikatur: Uwe Gehrmann

Midden in’t Mönsterland ligg de jaohrhunnerte aolle Buernhoff Wiedkamp. Et is kinen Schultenhoff, owwer doch’n stolten, stäödigen Fachwiärkhoff met vielle graute Eikenbaim ümto un ’ne graute Niendüör an’n Giewwel. Up de Diälle giff’t ümmer noch dat uraolle Hädfüer, met gussiserne Platten.

Düsse aolle Buernhoff is siet jehiär de Familgenstammsitz von Familge Wiedkamp. Alljäöhrlick dräpp sick an’n tweden Wiehnachtsdag üm teihn Uhr muorgens de ganze Familge Wiedkamp up’n Hoff. Üm half elwen gaoht alle tosammen in de Duorpkiärk in’t Hauchamt. Anschließend bekiekt sick de Kinner de graute Wiehnachtskrippe. Donao giff’t ’n graut Middagiätten tieggen een Uhr up Wiedkamps graute Diälle. Lisa Wiedkamp kann heel gutt kuocken. Se is würklick ’ne gutte Küöckske.

Düt Jaohr sitt’t teihn Personen an’n Disk to’t Wiehnachtsiätten: von de Großtöllern is bloß noch Opa Hinnik dobi. De Öllern Henrik un Lisa Wiedkamp bewirtschaftet ümmer noch den Hoff. Iähr Suohn Frank un sine Frau Karin sind drüm un dran, den Hoff te üöwerniehmen un wieder te föhren. De beiden häfft twee Kinner, Mara un Henrik. Franks Süster Marlies hett vandage met Husnamen Kortevoss un kümp met iähren Mann Robin un iähren Suohn Oliver.

Bi düsse Wiehnachtsfier kummt domet veer Generationen von Wiedkamps tosammen: Großöllern, Öllern, Kinner un Enkel. Nao’t Middagiätten sitt m’ gemötlick an’t Hädfüer, et giff ümmer viell te vertellen.

De Lüttken könnt et nich afwaochten, dat naomdags dat Christkind kümp. Owwer dat Christkind kümp erst, wenn’t buten düster is un wenn de Kärssen an’n grauten Wiehnachtsbaum löchtet.

För de Wiedkamps is de twede Wiehnachtsdag ümmer een von de schönsten Dage in’t Jaohr. Se beduert ümmer, dat’t kinen diädden Wiehnachtsdag giff.

Lektion 5

Wat kost de Kaffee?
Karikatur: Gehrmann
Im Supermarkt um die Ecke kauft man nicht nur Milch, Kaffee und Brot. Meistens trifft man auch Bekannte, mit denen man einen kleinen Plausch hält.
Karikatur: Gehrmann

Marion un Georg staoht in’n Supermarkt vör dat Kaffeeregal un vergliekt de Priese. Marion häöllt ’n Pund Kaffee in’e Hand: „De hier is de billigste. Dat Pund kost drei Euro nieggenvettig. Söllt wi den niehmen?“

Georg nimp iähr dat Kaffeepaket ut de Hänne un bekick sick dat. „Bis du unwies? De is jä koffeeinfrie! Do kann ick jä jüst so gutt Water supen! Nee, nee, do giff ick leiwer ’n lück mähr Geld ut för ’n gutten Kaffee!“

„Ja, ja, ick weet, ick weet!“, unnerbräck em Marion. „Du brückst up’t Büro ’n Kaffee, wo üörndlick wat drächter sitt.“ Se will jüst den Kaffee in’t Regal trüggstellen, do häört se ächter sick de Stemme von iähre Fröndin Christa: „Hallo, Marion un Georg. Könnt ji den rechten Kaffee nich finnen? Do ächten an’n Sietengang steiht ’n Sonderangebott för twee Euro nieggenunnieggenzig.“ Marion un Georg dreiht sick üm. Vör iähr staoht Christa un Ludger. „Kick an, ji beiden!“, begrüßt Georg se. „Sind ji auk wier in’e Stadt to’t Inkaupen?“ „Jau, leige nog“, beduert Ludger sick söwst. „Dat is jedes Maol ’n düeren Spass.“ „Dat is wull waohr, owwer aohne Kaffee geiht et schließlick auk nich“, fällt em Marion in’t Waort. „Un so’n bittken de Vörräöte upfrisken, dat mott af un an sien! Owwer nu äs wat anners, Christa: Wat giff et bi ju Niees?“ „Och“, meint Christa, „bi us döht sick nicks. Wi sind jüst an’t Üöwerleggen, wat wi naichsten Sunndag maken willt. Wi willt’n bittken rut an’e friske Luft.”

Marion frögg: „Wu wät dann dat Wiädder?“ „In’t Radio hett et, dat dat Wiädder gutt wät, ’n lück plüsterig, owwer süss fien Wiädder“, smitt Ludger dotüsken. „Ja“, stimmt Georg to, „so steiht’t auk in’e Zeitung. Marion un icke willt’n Utflug maken. Use Suohn Tobias mott Sunndag nao Mönster und nimp us dann enfach ’n Stück met. Wi stiegt unnerwäggens ut un laupt dann tefot trügg. Met Ümwiäge sind dat dann so fiefuntwintig Kilometers – “ „– un wi häfft dobi den ganzen Wäg Rüggenwind“, fällt Marion em in’t Waort, „et löpp sick biätter, wenn en de Wind nich ständig in’t Gesicht blöss. Rüggenwind is biätter äs Tieggenwind.“

Ludger stött sine Christa in’e Siet: „Häör di dat an, Christa! Spazeerngaohen met Rüggenwind! Up so ’ne Idee mott m’ iärst äs kummen!“ „Dat brückst du gar nich in’t Lächerlicke trecken“, segg Marion, „’n bittken kommodig kann’t bi’t Laupen ruhig sien. Man mott’t sick jä nich unnütz swaor maken! Üöwrigens! Tobias hät noch ’n paar Plätze frie in’t Auto. Wenn ji willt, könnt ji gähn met us laupen.“ Christa un Ludger kiekt sick an. „Worüm egentlick nich?“, üöwerlegg Ludger. „Jau, dat makt wi gähn met“, freit sick Christa. „Gutt!“, beslütt Georg dat Gespräök, „wi halt ju üm half nieggen af“. „Is gutt! Bes düsse Dage!“ „Jau, bes Sunndag!“

Lektion 6

Rumskedi-Helau
Karikatur: Gehrmann
Ausgelassene Stimmung und jedermann ist in Feierlaune: Die Fünfte Jahreszeit und vor allem die Umzüge am Rosenmontag haben ihr ganz eigenes Flair.
Karikatur: Gehrmann

De Karnevalszug schüff sick dör de Straoten von Biäckem. Dicht gedrängt steiht dat Volk un röpp ümmer un ümmer wier: „Rumskedi-Helau!“ Blaoskapellen un Spiellmannszüge in bunte Kostüme spiellt Karnevalslieder.

Mittendrin staoht auk twee Sunnenblomen met brune Gesichter, löchtend giälle Blütenblade rund üm de Köppe un graute, gröne Blade von buoben bes baoll an den Grund. De Kostüme sind heel eng naihet, un dorüm könnt de beiden Sunnenblomen sick auk nich rächt weggen. Se heet’t üöwrigens Sarah un Julia, se sind Twiessen. Üöwer iähre Köppe haollt se en graut, ümgedreiht Pamplü, üm müglickst vielle Bömskes von de Karnevalswagens upfangen te können.

Ächter de beiden driäppt sick jüst twee junge Käls: en Buer met löchtend raude Bäckskes un graute Holsken un en Gliekäöllerigen, well nich verkleedet is. „Worüm bis du düt Jaohr nich verkleedet, Thomas?“, will de Buer wietten. „Wat sa’ck seggen“, segg Thomas. „Dat is nich, dat ick kine Ideen häff...“ „Von dine Ideen is owwer nich viell te seihen“, unnerbräck em de Buer. „Lao doch äs wat von dine Ideen häören, domet ick weinigstens weet, wat för ’ne Verkleedung ick bi di nu nich seih.“ „Ene Idee is tom Bispiell: äs Badewanne te gaohen! Dann kann ick enfach ’ne Pulle Schluck metniehmen un mi ganz sachte vull laupen laoten! Dat Dumme is bloß, wu verkleedet man sick äs Badewanne? Doto mott m’ iärst äs ’ne gutte Idee häbben“, meint Thomas. De beiden Sunnenblomen kiekt sick an un verdreihet dobi de Augen in’n Kopp.

In düssen Moment flügg Sarah en ziemlick graut un hatt Bömsken an’n Kopp, knapp üöwer iähr linket Auge. Vör Schreck un Pien schreit se lut up, lött dat Pamplü üöwer iähren Kopp loss, un krigg et in iähr enget Kostüm an’t Strumpeln. Dat Pamplü fällt nao de Siet wäg, un Julia häff Naut nog, et noch jüst fast te haollen, aohne dat et ganz ümkippet. Sarah kümp dodör endgültig ut’t Gliekgewicht un slött ächtenüöwer in de „Badewanne“ rin.

Ene halwe Stunne later is de Zug vörbi, un twee Sunnenblomen, en Buer un ene Badewanne aohne Badewannenkostüm sitt’t an enen Disk in ene Kneipe. In de Tüskentiet weet man, wu man hett un regt sick mächtig up: „Wu kann man bloß met so graute Bömskes smieten!“, schimpt Sarah un riff sick de Büll an iähren Kopp. „Dat kann man nich anners seggen!“, stimmt Thomas to. „Dat Karnevalsvolk is sowieso nich ganz wies, owwer ick mein, de wäert von Jaohr to Jaohr unwieser. Viell gröttere Bömskes giff et baoll gar nich!“ „Bi us mött’t et ümmer de gröttsten Bömskes sien“, segg Julia un kick besuorgt up de raude Büll an Sarahs Bleß. „Moment!“, röpp Lars un springt up, dat sin Stohl ümfällt. „Wi häbbt bi us in’e Familge en uraollt Husmiddelken, wat ümmer helpt: sträöksken un pußen!“ Äher äs Sarah wat seggen kann, strick Lars met sine Finger üöwer iähre Büll un pußt ganz sachte. Nu springt Sarah auk up un schennt: „Du wuss mi wull verhohnepiepeln? Ick sin doch kine kleine Blage mähr!“ „Nu beruhigt ju doch“, smitt Thomas dotüsken. „Mine Moer segg ümmer: Wenn’t leige is, dann pußt wi. Un wenn’t ganz leige wät, dann doht wi en Döksken drüöwer.“ Alle lacht. „Richtig nett hier“, segg Julia. „Jau, kann m’ nich anners seggen“, meint Lars. De Veer staut’t met de Gliäser an un drinkt up den Karneval un wat süß noch gefäöhrlick is. Et kümp de Veer so vör, äs wenn de Musik ’n lück smöher wät un dat Lecht ’n bittken weeker. Jedenfalls, Thomas segg up’n Maol: „Bi us in’t Duorp giff et en Pättken, dat hett ‚Friggepättken’.“ Et wät daudenstill, un alle kiekt sick an un Lars segg: „Thomas, du Däöskopp, sowat, dat nennt man: met de Düör in’t Hus fallen!“ Un domet häff Lars wisse rächt, owwer dat Pättken, dat giff et würklick.

Lektion 7

Pielewüormpannkoken
Karikatur: Gehrmann
Politische Veranstaltungen sind nicht immer interessant: Manchmal ist es besser, sich währenddessen über Rezepte zu unterhalten – zum Beispiel für Pfannkuchen mit Schinkenstreifen.
Karikatur: Gehrmann

Leste Wiäcke göngen Marianne un Helmut üöwer’n Wiäckenmarkt. Marianne draug ’ne Inkaupstaske in’e Hand, un Helmut trock sinen Rüen Bella an’e kuotte Liene. All von wieden säögen se iähren Naohber Georg staohen. „Kick, Georg. Schön, dat m’ di auk äs wier süht!“ saggen Marianne un Helmut. „Hallo, ji beiden.“ Georg wees in Richtung Kiärk, wao ’n Käl stonn un ’ne Rede holl. „Ick häff jüst minen Spass an düssen Politiker dao ächten.“ „Jau“, sagg Marianne, „de naichsten Wahlen kummt jä auk naiger.“ „Viell Tohäörers hät he owwer nich“, smeet Helmut dotüsken. „Dat wull, owwer taoh is he. Äs ick hier vör ’ne Veerdelstunn kamm, was he auk all an’t sabbeln, un nu is he ümmer noch an Toch.“ „Wiett’t ji wat? Dat kiek ick mi äs ut de Naichte an“, sagg Helmut un sluffkede Richtung Politiker af, äher äs Marianne em uphaollen konn. „Egentlick häfft wi för sowat kine Tied“, meinde Marianne. „De Blagen kummt wanners ut’e Schole, un ick häff noch kin Middagiätten ferdig!“ „Ick will jä nich niesgierig sien, owwer ... wat giff et dann bi ju vandage“, frogg Georg so ganz bilöpig. „Pannkoken.“ Marianne winkede iähren Käl to, dat he kummen sall, dreihede sick dann wier Georg to un sagg liese un ganz langsam un met Betonung up jede enzelne Silbe: „Pie-le-wüörm-pann-ko-ken!“ „Pielewüörmpannkoken?“ flaug et Georg rut. „Doch wull nich met richtige Pielewüörm?“ „Bis du unwies? Georg, wat denkst du von us? Natürlick nich! Wi häfft doch kine Tied to’t Pielewüörm utgraben! Ne, ne. Ick niehm Schinkenstriepen, de brao ick in’e Panne an, un dann kümp de Pannkokendeeg drüöwer. Wenn ick den Pannkoken dann ümdreih, süht dat ut, äs wenn Pielewüörm drin sind. Usse Blagen sind ganz wild dodrup.“ Georg konn sick ’n Lachen nich verkniepen: „Wat et alle giff!“ Wildeß kaimen Helmut un Bella trügge. „Un“, wull Georg wietten. „Wu was’t?” „Oh, biätter äs ick dach. Dat was gar nich so dumm, wat de Käl vertall!“ antwaortede Helmut. „Dat magg alle wull sien“, unnerbrack Marianne, „owwer us löpp de Tied wäg, wi mött’t noch inkaupen! Gutt gaohen, Georg!“ „Auk so!” Gieggen Aobend an den sölwigen Dag klingelde dat Telefon. Marianne namm af: „Brinkhus.” „Hallo, Marianne, hier is Georg.” „Ach, kick an, Georg! Dat is jä all dat twede Maol, dat wi vandage metenanner küert! Wat giff et?” „Ick wull naomaol up dine Pielewüörmpannkoken trüggkummen. Is dat din egen Rezept?”, frogg Georg. „Nä, mine Moer mok de all ümmer för us, äs wi noch Blagen wören. Dat is jä auk ’n ganz enfach Rezept: säß Eier, dreihunnertfiftig Gramm witt Miäll, ’n bittken Saolt un ’n halwen Liter Miälk tesammen röhren“, tall Marianne up. „Waochte“, reip Georg, „dat kann m’ jä gar nich so gau verstaohen!“ „Aha“, dach Marianne, „he schriff dat Rezept all met.“ „Statt Schinken kann m’ auk jüst so gutt Schinkenwuorststriepen niehmen. Dat smäck auk heel gutt.“ „Mähr wull ick gar nich wietten. Schönen Aobend noch.“ Un domet lagg Georg up.

Lektion 8

Dunnerkiel un Dämlack

Ringring – dat Telefon!

M: Maria Hechelmann.
C: Hallo, Maria. Hier is Christa. Wu häss du’t?
M: Sowiet ganz gutt. Owwer min Manni, den geiht’t gar nich gutt.
C: Wieso, wat hät he dann?
M: Ach, he hät et vanmuorgen nich mähr in’t Hus uthaollen. Dagelang hät et nix äs riänget. Vanmuorgen is et endlick äs drüge west, un he is faots met Hark un Schüppe in’n Gaoren gaohen un is anfangen, den Gaoren ümtegraben. Owwer wiet kummen is he nich, dao is’t all wier anfangen te riängen. Wat is he dull west, wat hät he schimpet, wat hät he spiktakelt: ‘Sagebuck no Maol! So’n Schietwiähr! Sowat hät et fröher nich giebben, dat dat ganze Fröhjaohr verriänget is!
C: Dat kann’k wull verstaohen. Min Markus sitt auk all dagelang in’n Huse. Den kanns auk met de Knieptange nich anpacken. Et wät Tied, dat dat Wiähr biätter wät un de Käls nao buten kummt.
M: Un wat dat leigste is, usen Naohber, wees ja wull – den aollen Knaupmaker un Kniepebül – de hät den Gaoren all leste Wiäcke bi Wind un Wiähr ümgrafft un de Katuffeln puott’t.
C: Wat? Dat giff’t doch wull nich! De aolle Twiärsbrake hät sinen Gaoren all swatt un de Katuffeln in’e Riege?
M: Un of et dat giff! Dao kanns du di ja denken, wat Manni doruphen verdreiht was.
C: So’n Dämelack von Naohber owwer auk! Well gräff sinen Gaoren dann bi Riägen üm? Waochte äs, dao fällt mi wat in. Häss du nich vertellt, dat sine Frau so’n aollen Bässem is?
M: Jau, un wat för enen! Wenn ick mi dat so üöwerlegge, dat is so’n richtigen Fiägert! De aolle Gaffeltange, de hät em waohrschienlick nao buten hen jagt to’t Arbeiden.
C: Dao seggs du auk wat, dat päss to iähr!
M: Un quatern kann de! Häss du de all maol beliäwet? Wenn de anfänk ... Dat is vlicht ’ne Quaterstine!
C: Jau, de hät ick doch lest Jaohr up’t Schützenfest druoppen. Dat is ja würklick ’ne richtige Kliätterbüss!
M: Üm Guotts Willen, Christa! Et fänk all wier an te riängen! Dann sall Manni wull jeden Moment wier in’t Hus kummen.
C: O Guott, dann geiht dat Geschimpe all wier laoß! Wees du wat, Maria, waorüm mäcks du dat nich jüst so äs dine Naohberske?
M: Wu meins du dat dann?
C: Jag dinen Manni doch enfach wier trügg nao buten hen. De sall seihen, dat he den Gaoren swatt krigg. Of dao ’n paar Drüppens runnerfallt of nich, dat mäck doch nix ut.
M: Dunnerkiel – dao seggs du wat. Owwer dat giff Spiktakel. Du, Christa, dao kümp he all!
C: Is gutt, Maria. Un haoll dinen End fast!

Lektion 9

In‘e Disco
Karikatur: Gehrmann

Gute Stimmung garantiert: Ob in der Disco oder auf einer anderen Party – zur Lieblingsmusik tanzen, sich unterhalten und schon die nächste- Fete planen macht Spaß.

Karikatur: Gehrmann

Normalerwiese geiht Tina nich in’e Disco, wieldat iähr dat dao te lut is. Owwer iähre Fröndin Birgit wull partuh äs maol laoß in ‘ne Disco. So kamm dat, dat lesten Saoterdag gieggen Aobend de beiden ächter iähre Gliäser met Caipirinha sätten un derbe an’t quatern wören – so wiet äs dat bi den Krach müglick was. Tina raip Birgit to: „Bi den Krach mott m’ jä Schreck häbben, dat m’ ‘nen Tinnitus krigg.“ „Jau“, bölkede Birgit trügge. „Tinnitös is dat.“ Un doför betahlt m’ auk noch Intritt!“

Tina wull sick jüst noch mähr doto utlaoten, dao stönnen up maol twee Käls vör iähren Disk. De ene von de beiden mok enen ardigen Diener un frogg üöwerdriebben fröndlick: „Draff ick üm düssen Danz bidden?“ Tina keek den Käl ganz verwünnert an un sagg: „Bis du dat, Ralf? Wi häfft us jä lange nich seihen, aolle Naoberjunge! Wat mäcks du dann hier?“ Ralf: „Wat wull? Danzen! Laot us äs maol ‘ne Runde up’t Parkett gaohen. Ächternao gaoht wi in’e ruhigere Ecke un küert ‘n bittken. Ji sitt’t jä in de luteste Ecke von’e ganze Disco!“

Teihn Minuten later sätten Ralf un Tina, Wolfgang un Birgit in’e ruhigere Ecke bineen un drünken „Bloody Marys“ (Cocktails mit Tomatensaft).

T: Du, Ralf, ick wär naichst Jaohr an’n diättigsten April fiefuntwintig. Ick wull di sowieso noch doto inladen.

R: Oh, besten Dank för de Inladung. Wo wuss du dann fiern?

T: Bi us in’n Partykeller.

W: Un wann wuss du fiern?

T: Waohrschienlick sall ick wull an’n Maidag fiern.

R: Du wees jä, dat ick naichst Jaohr auk fiefuntwintig wär – an’n siebbenteihnsten April?

B: Worüm makt ji nich tesammen ‘ne graute Geburtsdagsfier?

R: Jau, bi us up de Diälle.

W: Dao seggs du auk wat! worüm egentlick nich? Ene graute Fier is biätter äs twee kleine.

T: Un so graut is usse Partykeller auk nich!

R: Bi us up de Diälle is Platz nog. Dat Kohveh is to de Tied all buten up de Wieske. Dann häfft wi Platz för ‘ne richtig graute Fier met richtige Live-Musik.

B: Stell di äs vör: ‘ne graute Fier up’n Schultenhoff – dat is doch wat!

T: Dat stell ick mi richtig gutt vör. Met ‘ne Live-Band up ‘ne Bühn.

W: Un äs besonneren Partygag makt wi en Kohroulette tieggenan up de Wieske. Wi deelt de Wieske in Quadraote in, un jede Gast krigg en Quadraot todellt.

R: Un dat Feld, wo usse Koh Berta henschitt, dat gewinnt.

B: Dat könnt wi nich maken! En Kohroulette is ‘n Glückspiell! Dat is verbuoden!

W: Dat könnt wi wull maken! Et mott jä nicheen wat betahlen för dat Metmaken. Bi us kann m’ bloß winnen un nich verleisen.

R: Jau, un wat m’ winnt, üöwerleggt wi us noch.

T: Dat wät gutt. Mine Clique hät mi all ankünnigt, dat ick ‘nen Schachtelkranz kriegen sall, wieldat ick bes dohen wull noch nich verhieraot’t sin un ick dann ‘ne aolle Schachtel sin.

R: So mott dat auk! Un de Jungs von mine Clique häfft mi all ankünnigt, dat se mi ‘nen Söckenkranz brengen willt.

W: Dat wät ‘ne fiene Party! Sass seihen, dovon küert se üöwer Beate owwer siebben Kiärspels!

Lektion 10

Wi willt hieraoden!
Karikatur: Uwe Gehrmann
Sie dürfen die Braut jetzt küssen: Sommerzeit ist Hochzeitszeit. Dazu gehört selbstverständlich ein Polterabend und ein Junggesellen- beziehungsweise Junggesellinnenabschied.  
Karikatur: Uwe Gehrmann

De unwiese Karnevalstied in Biäckem was lange vörbi. De Sunnenblomenkostüme von Sarah (S) un Julia (J) höngen all lange wier in’n Klederschapp un – Rumskedi! – et blaiheden üöwerall richtige Sunnenblomen. Sarahs Karnevalsbüll – Sarah was von en Bömsken an’n Kopp druopen woren – was vullstännig afheelt, un äs de Hiärfst in’t Land trock, dao was egentlick von den Karneval bloß eens bliebben: Lars (L), de Karnevalsbuer. Wu dat so is: Sarah un Lars wören sick naiger kummen un wanners enig woren. Se hadden iähre Pludden bineen smietten un wören in ene Wuhnunk in Üöle tesammen trocken. Kuott vör Wiehnachten wören Thomas (T) un Sarahs Twiesse Julia up Besök.

L: Sitt’t ji alle? T: Wat is dat dann för ‘ne dämlicke Fraoge? Du sühst doch, dat wi sitt’t!

S: Lars wull doch bloß siecker sien, dat ji nich vör Schreck lang henslaohen künnt. Wi willt ju doch wat vertellen. Julia reet de Augen laoß: „Is bi ju wat Lüttket unnerwäggens?“

L: Nä, dat nich! Viell leiger!

S: Wi willt hieraoden!

T: Hieraoden?!? Dat kann enen ja würklick von’e Beene hauen!

J: Ja, dat sind doch äs gutte Nieigkeiten! De iärste Hochtied in usse Clique!

T: Wat hadden ji dann dacht, wann de Hochtied sien sall?

S: Naichst Jaohr Anfank Oktober. L: Dann sind kine Ferien, kine Schützenfeste, kine Kiärmissen…

T: … kin Karneval …

S: … un et is nich so heet, un mehrstied is auk noch schön Wiähr.

L: Wi willt ‘ne richtige Hochtied maken met allem drüm un dran: met Polteraobend ...

J: Kin Junggesellenafschied in Mönster met dine Kumpels?

S: Nä! Wi häfft us dat anners üöwerleggt. Wi makt ‘n Polteraobend. Schäören brenget Glück. Ick häff nie haort, dat Unwies-Wiärks-Maken bi’n Junggesellenafschied Glück brengen sall, un Glück künnt wi gutt bruken.

T: Willt ji dann auk kiärklick hieraoden?

L: Natürlick! De Hochtied in’n Oktober i s de kiärklicke Hochtied. De standesamtlicke Hochtied makt wi ‘n paar Wiäcken fröher.

J: Wenn ick mi dat so vörstelle: mine Twiesse kümp äs Brut in Witt ut’e Kiärk, iähren Brühm tieggen sick, de beiden giefft sick ‘n Mülken, de Naoberblagen haollt ‘n Strick, üm von den Brühm ‘n bittken Geld te kriegen. Un aobends nao’t Iäten wät de Brut entführt, un de Brühm mott sine Brut söken …

T: … un midden in’e Nacht giff’t ‘nen Sleierdanz, un för ‘n Daler draff jedereen met de Brut danzen, domet de Brut auk ‘n bittken Husholtsgeld för de iärste Wiäcke hät.

S: Un wenn ick dann den Brutstruk ächten üöwer den Kopp wegsmiet, dann mott Julia uppassen, dat se den Struk upfänk.

L: Ji sind doch wull de naichsten!

T: Nu äs wat anners! Wenn ji so traditionell hieraoden willt, wu süht dat met ‘ne Verlobunk ut?

S: Dao geiht’t doch vonaobend egentlick üm! De Verlobunk sall naichsten Rausenmaondag sien.

J: Dat is ‘n gutten Termin! Dann mött’t wi weinigstens nich nao’n Rausenmaondagszug hengaohen.

T: Un dann könnt us auk kine Bömskes an’n Kopp smietten wären.

L: Dat sall enfach bloß ‘ne schöne Familgenfier wären.

S: Bi us te Hus.

J: Wiett’t usse Öllern dat all?

S: Siecker doch. De häfft owwer noch nicks wiedervertellt.

T: Du Lars, aolle Frönd! Dat kümp mi alle so plötzlick. Jüst sind wi noch up’n Karneval west un – Rumskedi! – bis du all half verhieraot’t. Häss du di dat auk gutt üöwerleggt?

L: Du, Thomas, aolle Frönd! Denk du leiwer an di söwst un dat, wat di blaihet, wenn Julia dat Brutstrüksken von Sarah upfangen hät!

Lektion 11

Up dem Sportplatz
Karikatur: Uwe Gehrmann

Fußball fasziniert – auch Jahre nach dem entscheidenden Spiel schwelgt man gerne in Erinnerungen.

Karikatur: Uwe Gehrmann

Bernd (B) un Lena (L), en äöller Ehepaar, wat de Sülwerne Hochtiet all lange ächter sick hät, owwer von de Goldene Hochtiet noch wiet af is, gonk an enen schönen Sunndagnaomdag dör den Park von Schloss Loburg bi Ostbiärm spazen. Et was en warmen Sommerdag. De Spechte trummelden an de saoren Twiege von de haugen Böken, un de Gaitlinge süngen, dat et hallde äs in ene graute Kiärk. Dat Sloss Loburg was in de Naokriegstied to en Internat för Jungs utbauet woren met en Gymnasium derbi.

Domols sind in de Naigte von dat Sloss ene ganze Riege Schol- un Internatsgebiude nie bauet wuerden: de Sextanerbau, de Quartanerbau, de Kiärk, de Primanerbau, de Turnhalle un so wieder. Bernd was domols äs Internatschöler hier.

Vandage giff’t up de Loburg sogar een Hallenbad. Dao stonn domols – to Bernds Tied – noch’n uraolt Wirtschaftsgebuide.

Lena un Bernd wören mittlerwiele an de Gräfte vör dat Sloss vörbigaohen Richtung Sportplatz un, well hadde dat dacht, dao wor jüst Fußball spiellt. Bernd un Lena stellden sick derbi un kiecken sick dat Spiell ‘n bittken an.

L: Du, Bernd, laot us nich so lange staohen blieben. Ick daih leiwer noch ‘n bittken laupen.

B: Ja, waochte, faots. Ick kiek mi den Sportplatz noch ‘n bittken an. Et hät sick jä alles wat verännert, owwer …

L: To, kumm, dat kanns mi auk unnerwäggens vertellen.

B: Ja, häss rächt, Lena. Ick kann auk nich so lange up ene Stiähr staohen. Laot us äs wiedergaohen, hierhen Richtung „Biomasseheizwerk”, of wat dat dao is. Dat wull’ck mi all ümmer äs ankieken. Fröher is dao ‘n aollen Schaopstall west. Schade, dat’e wäg is.

L: Un wat wor nu met den Sportplatz?

B: Mi foll dat jüst so in. Up düssen Sportplatz häfft, dat is all lange hiär, usse Lährers gieggen usse Erziehers Fussball spiellt. Bi de Erziehers stonn de aolle Spiritual in’t Tor. Dat was ‘n fröndlicken, ‘n bittken kumpletten Mann. Von Fussball verstonn he nich viell, un he hadde sick bi düt Spiell bloß deswiägen in’t Tor stellen laoten, wieldat em alle fast verspruocken hadden, bloß ganz, ganz sachte up dat Tor to schaiten, domet he auk ‘ne gutte Chance hadde, den Ball to packen. Vör dat Spiell hadde he vörsichtshalwer ‘ne lange Ledder metbracht. He sagg, dat he vör de haugen Bälle to klein was. Üöwerdess hadde he sick auk noch ‘n Stohl metbracht, dat he nich de ganze Tied staohen moss.

L: Dat giff’t doch wull nich. Dao häfft ji doch wull mächtig üöwer lacht.

B: Dat kann man wull seggen. Düsse Pastörs un Päöterkes, de hädden richtig Humor!

L: Du bis doch auk fröher Torwart west?

B: Nä, bloß een Maol. Ick häff jä ümmer Angst hatt vör de Bälle.

L: Dat kann’ck mi gutt vörstellen. Wenn dao so’ne richtige Bombe ankümp … dat kann auk ganz schön weh dohen. Worüm bis du dann üöwerhaupt in’t Tor gaohen, wenn du doch Angst dovör häddst?

B: Ganz enfach. Ussen Torwart hadde sick acht Dage vördem de Hand bruocken.

L: Wat hett „acht Dage vördem“? Acht Dage vör wat?

B: Acht Dage vör dat wichtigste Fußballspiell üöwerhaupt: Untersekunda gieggen Obersekunda. Dao gonk et üm alles, dat was ümmer dat wichtigste Spiell von’t ganze Jaohr!

L: Un dann bräck sick juen Torwart de Hand, un ji hädden kinen Torwart mähr?

B: Dat was leige nog, owwer et kamm noch leiger. Wi mossen natürlick ‘n annern Torwart häbben. Wu de Tofall dat wull, wi hädden kinen. Nicheen von us hadde bes dohen in’t Tor staohen.

L: Aha. Un dann häfft se den Dümmsten utkiecken, un de moss dann in’t Tor. Un dat wörs du!

B: Jau – ick mein, nä. Jedenfalls ick stonn män domet – ick was de Ersatztorwart. De Obersekunda hät vör Lachen baol an’n Grunde liägen un meinde: Egentlick wör dat Spiell all so gutt äs wunnen.

L: Ick an dine Stiähr, ick hadde mi dao nich up inlaoten.

B: Du häss gutt küern, enen moss’t män dohen.

L: Un, wu is?’t dann laupen?

B: Wat sall ick seggen? Ganz an’n Anfank gaff’t ‘n Foulelfmeter. Ick stonn dao, un dat wor mi warm vör de Bücks. Owwer wat nicheen för müglick haollen hadde: Icke, ick häff den Elfmeter haollen! Donao wor’t ‘n richtig schön Spiell.

L: Un häfft ji wunnen?

B: Dat wee’ck gar nich mähr. Dat was ‘n richtig fein Spiell. Wi häfft viell Spass hat.

Lektion 12

De lebennige Holtvugel
Karikatur: Gehrmann
Wer schießt den Vogel ab? Darum geht es in dieser Lektion.
Karikatur: Gehrmann

Et was de erste Arbeitsdag in’n August. För den Lährjungen Leon Lüning (L) hedde dat, dat he von de Büroangestellten Geld insammeln moss, üm Pizzas te kaupen. Leon daih dat gähn, wieldat he dat Wesselgeld behaollen droff. So sätten Leon, sin Utbilder Alex Althoff (A) un de Büroangestellte Beate Bült (B) tesammen in iähr Büro un aiten Pizza.

B: Wat häfft wi düt Jaohr ‘n heeten Summer. Ick sin heel froh, dat wi all Friedag häfft un muo’n Wiäckenende is. Dann kann man’t doch ‘n bittken ruhiger angaohen laoten.

L: Dat maggs’e wull lut seggen. Et geiht doch nicks üöwer ‘n Wiäckenende. B: Wat is, Alex, du seggs jä gar nicks?

A: So leige is dat met de Hitze auk nich. Un üöwerhaupt: Düt Wiäckenende is Schützenfest.

B: Aaaja – un dat bedütt för ‘nen richtigen Schützenbroer, äs du enen bis, soviell äs Pinksten un Wiehnachten up enen Dag.

A: Ja nu, Schützenfest is Schützenfest. Dat is wu’t is.

L: Dann wät muo’n auk de Künink schuotten? A: Owwer wisse doch, met’n Gewiähr up’n Holtvugel.

B: Bis du all maol Künink west, Alex?

A: Nä, dat nich, owwer leste Nacht häff ick dovon dromt. Ick wull partuh Künink wären. Ick was an’t Schaiten, Schuss up Schuss. Un een Schuss nao den annern dertieggen. Ick konn den dämlicken Vugel nich driäppen. Dann wor de Vugel up Maol lebennig! Ick was ümmer noch an’t Schaiten un konn em ümmer noch nich driäppen. Un de anneren Schützenbröers stönnen dao un kiecken. Jeder hadde sine egene Flinte in’e Hand. In Würklichkeit is dat bi’t Schaiten natürlick nich so, owwer in minen Draum hadde jeder sine egene Flinte von tehus metbracht. Owwer de enzigste, well schaut, was ick. Ick hadde all ‘ne ganze Kiste Munition lierig schuotten, un de aolle Vugel flaug ümmer noch dör de Lucht, un de ganze Tied mok ‘ne Blaoskapell Mussik doto.

L: Dunnerslag, Alex, wu normal is dann sowat?

B: Owwer würklick, dat lött ja deip blicken. Du kanns jä froh sien, dat Sigmund Freud dinen Draum nich in’e Finger krieggen hät. De giff jä nog hiär, dat’n Psychologiestudent sine Doktorarbeit dovon schrieben kann.

A: Laot gutt sien, dat reeket. Verapen kann’ck mi söwst.

L: Wenn ick äs Lährjunge dat richtig verstaoh met dinen Draum, dann wuss du egentlick doch ganz gähn Schützenkünink wären. A: Worüm dann nich? So’nen stäödigen, gutt utseihenden Schützenbroer äs icke enen sin, de gaff doch wull ‘nen gutten Künink af?

B: Ja wull, owwer in dinen Draum konns du den Vugel nich driäppen. Dat kann doch bloß heeten, dat et een Problem met dat Künink-wären giff.

A: Ja, wu dat so is. L: Du kanns also nich schaiten?

A: Dumm Tüg. Natürlick kann ick schaiten, dat is kine Kunst.

L: Also, schaiten kanns du. Dann wuss du also nich Künink wären?

A: Doch, worüm nich? L: Ick glaif, ick verstaoh. Du häss kine Künigin?

A: Jedenfalls – ohne Künigin geiht’t nich.

B: Mann, is dat heet vandage. A: Man meint baoll, et wät ümmer hetter.

L: Dat geiht mi egentlick nicks an, Beate, owwer bis du all maol Schützenkünigin west?

B: Nö, natürlick nich.

L: Wat sall ick seggen? Wör dat nich vlicht de Geliägenheit för di?

A: Wat dügg di dovon, Beate? Wenn du seggen daihs, dat du Tied de Naut mine Künigin würs, dann daih ick muorgen alles dran setten, dat ick den Vugel afschait.

L: Dat wör doch wat! Dann kaim usse Firma noch ganz graut rut in den Schützenverein.

B: Dat kümp mi alle ‘n bittken plötzlick.

L: Häss du’t haort, Alex? Direkt aflehnt hät se’t nich!