Briten befragen Libyens Außenminister
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Der libysche Außenminister Mussa Kussa hat Diktator Muammar al-Gaddafi den Rücken gekehrt und sich nach London abgesetzt.
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Das britische Außenministerium hatte am späten Mittwochabend offiziell bestätigt, dass Mussa Kussa am Flughafen Farnborough bei London eingetroffen war. Er habe Libyen „aus freiem Willen“ verlassen. Kussa habe dem Ministerium mitgeteilt, er trete von seinem Posten im Gaddafi-Regime zurück. Er wolle dem Regime in Tripolis nicht länger dienen. Weitere Details würden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

Gaddafi-Truppen halten Küstenstadt Brega

Die libyschen Aufständischen haben unterdessen am Donnerstag vergeblich versucht, die Küstenstadt Brega einzunehmen, aus der sie am Vortag von den Regimetruppen vertrieben worden waren. Der Vorstoß mit mehreren Dutzend Fahrzeugen geriet in heftiges Artilleriefeuer der Verbände des Machthabers Muammar al-Gaddafi und musste abgebrochen werden, berichtete ein BBC-Reporter aus dem Kampfgebiet. Der Wagen, der die Attacke anführte, sei von einer Granate getroffen worden. Die Milizen der Regimegegner stünden nun unverändert etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Adschdabija, sagte der Reporter.

Offiziere laufen zu Aufständischen über

Oppositionelle erklärten, in der Oasen-Stadt Kufra im Süden Libyens seien etliche Offiziere der Chamies-Brigade zu den Aufständischen übergelaufen. Die Brigade, die zu den am besten ausgerüsteten Einheiten der libyschen Streitkräfte zählt, ist nach Chamies, einem Sohn von Staatschef Gaddafi, benannt. Chamies soll vor einigen Tagen getötet worden sein. Die Staatsführung bestreitet dies jedoch.

Nato hat Kommando übernommen

Die Nato hat derweil am Donnerstag offiziell das Kommando über den internationalen Militäreinsatz in Libyen übernommen. Dies teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel mit. „Das Bündnis verfügt jetzt über die Kräfte, um seinen Aufgaben in der Operation Vereinigter Beschützer (Unified Protector) nachzukommen - dem Waffenembargo, der Flugverbotszone und Handeln zum Schutz von Zivilisten und Orten“, heißt es in einer Erklärung Rasmussens.

Die Nato hatte bereits am Mittwoch mit der Übernahme des Militäreinsatzes begonnen, doch waren zunächst noch nicht sämtliche militärischen Kräfte - vor allem Flugzeuge - dem Bündnis von den Staaten der Koalition offiziell überstellt worden. Dieser Vorgang wurde am Donnerstagmorgen abgeschlossen, teilte Rasmussen mit.

Streit um militärische Unterstützung der Rebellen

Der Generalsekretär wiederholte, gemäß der UN-Resolution liege der Schwerpunkt des Einsatzes der Nato auf dem Schutz von Zivilisten und Orten. Für diesen Schutz erlaubt die Resolution „alle notwendigen Maßnahmen“. Innerhalb des Bündnisses ist jedoch umstritten, ob dies auch - wie vor allem die USA meinen - eine militärische Unterstützung der Rebellen erlaubt. Die Leitung des Nato-Einsatz liegt im Streikräftekommando in Neapel beim kanadischen Generalleutnant Charles Bouchard.

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