Hunderttausende gegen Atomkraft
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Zahllose Menschen haben in Deutschland für den Ausstieg aus der Atomkraft demonstriert.
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Angesichts des drohenden Super-GAUs in Japan haben mehr als 200000 Menschen bei den bislang größten Massenprotesten gegen Atomkraft in Deutschland demonstriert. In den vier größten Städten Berlin, Hamburg, München und Köln forderten jeweils zehntausende einen sofortigen Atomausstieg. Die Veranstalter sprachen von 250000 Teilnehmern - mehr, als sie erwartet hatten. In der Koalition wächst unterdessen der Unmut über das Atommoratorium von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

In Berlin zogen die Demonstranten wie in den anderen Orten unter dem Motto "Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten" durch die Innenstadt. Die Polizei sprach von rund 100000 Teilnehmern, die Veranstalter von 120000. Sie schwenkten Transparente mit Aufschriften wie "Atomkraft zerstört Leben" oder "Fukushima ist überall". Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer in allen Städten der Opfer von Erdbeben und Tsunami in Japan.

Reedereien meiden Häfen von Tokio und Yokohama

Internationale Reedereien vermeiden es aus Angst vor Strahlenbelastungen, die Häfen von Tokio und Yokohama anzulaufen. Wie die Zeitung "New York Times" am Samstag berichtete, hätten mehrere große Reedereien den Frachtverkehr gestoppt oder eingeschränkt. Dagegen würden die von Fukushima weiter entfernten Häfen wie Osaka und Kobe weiterhin angelaufen.

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd bedient die Häfen Tokio, Yokohama und Nagoya seit zehn Tagen nicht mehr, sondern leitet den Verkehr nach Kobe um. Bis jetzt betrifft das rund ein Dutzend Schiffe. Bei den meisten ist das bereits so geschehen, bei anderen geplant. Das Unternehmen beobachtet nach eigenen Angaben die Situation in Japan kontinuierlich und entscheidet von Tag zu Tag, welche Häfen angelaufen werden.

Hamburg Süd fährt Japan weiterhin an

Anders hat sich die Reederei Hamburg Süd, die zum Bielefelder Oetker-Konzern gehört, entschieden. Sie läuft weiterhin Tokio an, das nächste Mal planmäßig am 1. April. Die japanische Containerreederei NYK stellt fest, dass alle Dienste nach den gewohnten Fahrplänen abgewickelt werden. Daran werde sich erst etwas ändern, wenn offizielle Messwerte etwas anderes nahelegen.

Chinesische Häfen verlangen Strahlentests

Die "NYT" berichtete weiter, chinesische Häfen würden Strahlentests für Schiffe aus Japan verlangen. Zuvor seien an einem Schiff, das in weniger als 120 Kilometer Entfernung Fukushima passiert habe, eine erhöhte Strahlenbelastungen gemessen worden. Das Schiff sei unter Quarantäne gestellt worden. Auch im kalifornischen Hafen von Long Beach habe die US-Küstenwache ein erstes Schiff aus Japan überprüft.

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