Kunst als mentale Hängematte für Pilger
Bild: Ebert
Die Auseinandersetzung mit dem Heiligen Josef hat Ludger Wörtler zur Schaffung der Pilgerstäbe inspiriert. Diese „Holzordnung“ soll auch zur Rast animieren. Der Künstler macht es vor.
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Die Welttourismusorganisation geht aktuell von insgesamt 350 Millionen Pilgern aus. Durch die Ausrichtung der Sonderausstellung „Pilgerwelten“ hat das Museum für religiöse Kultur Religio in Telgte mit Spürsinn einen aktuellen Trend aufgegriffen. Bis zum 6. September ist die Exposition zu sehen.

Kunst widmet sich dem Pilgern

„Wer sich auf Spurensuche begibt, stößt im öffentlichen Raum auf Kunst, die sich dem Pilgern widmet“, gibt Silvia Fassel einen Hinweis, dass sie als Geschäftsführerin des Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf einen Kooperationspartner repräsentiert. Mit Ludger Wörtler, Peer Christian Stuwe und Manfred Brueckner haben drei ausgewählte Künstler Telgte ihren handwerklichen Stempel aufgedrückt. Damit kommen die Organisatoren ihrem Vorhaben nahe, das Pilgern in seinen unterschiedlichen Facetten beleuchten zu lassen, konstatiert Dr. Anja Schöne, stellvertretende Museumsleiterin im Religio.

Möglich wurden die ergänzenden, künstlerischen Hinweise durch das Engagement der Westfälischen Stiftung für sakrale Kunst. „Die Stiftung will so zur Auseinandersetzung sowohl mit dem Pilgern als auch mit religiöser Gegenwartskunst anregen“, sagt Museumsleiter Dr. Thomas Ostendorf, der auch die Stiftung vertritt. 8000 Euro habe die Einrichtung in die Installation der drei Kunstwerke investiert.

Drei Künstler hinterlassen Spuren

„Eigentlich hätten die Pilgerstäbe sich über die gesamte Herrenstraße ziehen sollen“, erklärt Ludger Wörtler die Entstehungsgeschichte seines Beitrags. Das gestapelte, bunt gestaltete Holzscheit schrumpfte allerdings seit Planungsanfang in seiner Dimension und scheint aktuell aus dem Kleihues-Gebäude herauszuragen.

„Zwischen Himmel und Erde“ hat der aus Ennigerloh stammende Peer Christian Stuwe ein Zeichen der Lässigkeit geschaffen. Lautlos schreien drei Hängematten aus luftiger Höhe in Nachbarschaft der St.-Marien-Kirche nach einer Auszeit. „Dreifaltigkeit? Hospiz? Meditation?“, sinniert Stuwe und überlässt dem Betrachter die Interpretation.

Einen Ort der Ruhe, an dem der Betrachter Frieden finden kann, wollte Manfred Brueckner schaffen. Der Ahlener hat mit Hilfe von vier Schülern zwischen Ems-Alt–arm und Rathaus „dem Frieden ein Denkmal gesetzt“. Ein mit Lavendel gestaltetes Beet gibt das Peace-Zeichen wieder. Er überlässt nach eigener Aussage dieses Werk den Pilgern und der Natur. Warum? „Als Zeichen, dass die Welt sich stets verändert“, stellt Brueckner fest.

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