„Öffnung liegt nicht in unserer Hand“
Bild: Frenz
Die Vorgaben der Regierung halten die Sozialpädagogen im Jugendhaus Südtorschule in Rietberg (v.l.) Patrick Walkenfort, Thomas Müller und Jennifer Gläßer ein. Sie hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung mit Maskenpflicht und Abstandsregeln.
Bild: Frenz

 Gespenstisch wirkt das Jugendcafé in der Südtorschule. Ein leerer Billiardtisch steht im Raum, die Stühle sind hochgestellt. Wo sich bis Mitte März Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 19 Jahren getroffen haben, ist es nun leer.

„Döner essen und im Jugendhaus chillen“

„Nach der Schule mit den Kumpels Döner essen, dann im Jugendhaus chillen“, das sei der Alltag vieler Jugendlicher in Rietberg gewesen, sagt Sozialpädagoge Patrick Walkenfort. „Das fehlt ihnen jetzt natürlich“, fügt er hinzu.

Die Hoffnung, dass es bald wieder losgehen kann, sei aber am Dienstag von der Stadt befeuert worden, erläutert Walkenforts Kollege Thomas Müller. „Es könnte sein, dass wir mit Sicherheitsauflagen schon in den nächsten Wochen wieder öffnen dürfen“, sagt der Pädagoge. Deshalb laufen jetzt die Planungen, wie die Vorgaben zu Hygiene und Abstand in der Einrichtung befolgt werden können.

Eine Person auf fünf Quadratmetern

Pro fünf Quadratmetern Fläche dürfe eine Person eingelassen werden. Im 100 Quadratmeter großen Jugendcafé dürften demnach wieder 20 Menschen zusammenkommen – inklusive Personal. „Das ist ganz ordentlich“, sagt Müller.

Hintergrund

Das Jugendhaus Südtorschule ist ein altes Schulgebäude aus dem Jahr 1907, gelegen am südlichen Ende der historischen Rietberger Altstadt. Trägerin ist die Stadt Rietberg. Zentrum der Einrichtung ist das Jugendcafé. Kinder und Jugendliche kommen dort zusammen, um gemeinsam zu spielen, zu lernen, Probleme zu besprechen oder einfach zu entspannen. Es stehen Sitzecken, Cafétische und Medien zur Unterhaltung bereit. An der Theke werden Snacks und Getränke zum Selbstkostenpreis angeboten, zudem gibt es dort für jeden Gast ein offenes Ohr. Zu den regelmäßigen Besuchern der Einrichtung gehören Kinder und Jugendliche zwischen sechs und maximal 19 Jahren, das Haus sei aber generell auch für Gäste bis etwa 27 Jahren geöffnet, sagt Patrick Walkenfort. Für die jüngeren Gäste bis elf Jahren gibt es am frühen Nachmittag ein Kindercafé mit Bastel- und Spielangeboten. In den Ferien kommen für Kinder bis zwölf  Jahren mehrwöchige Freizeit-Angebote hinzu. Das Programm für die Osterferien war coronabedingt bereits ausgefallen. Jetzt hoffen die Sozialarbeiter Patrick Walkenfort, Thomas Müller und Jennifer Gläßer, dass das bereits ausgebuchte Sommerferien-Programm normal stattfinden kann.

Etwa 20 Jugendliche hätten sich auch vor der Schließung zeitgleich im Café aufgehalten, schätzt er. Zusätzlich könne bei schönem Wetter der Außenbereich genutzt werden. Bei der Stadtverwaltung seien zudem Schutzwände für den Thekenbereich angefordert worden, das Team ist vorbereitet.

„Man findet Wege“

„Wir wollen unbedingt wieder öffnen, da findet man Wege, alle Vorgaben umzusetzen“, berichtet Walkenfort. „Ob wir tatsächlich bald öffnen dürfen, liegt aber nicht in unserer Hand“, schlussfolgert Müller.

Der Kontakt zwischen Pädagogen und Jugendlichen müsste sich dann nicht mehr nur auf Telefonate und den Austausch in Sozialen Medien beschränken. „Wir kommunizieren momentan hauptsächlich über Facebook und Instagram“, sagt Jennifer Gläßer, die mit ihren Kollegen täglich neue Inhalte für die Sozialen Netzwerke produziert.

Interaktive Inhalte besonders beliebt

Dazu zählen etwa Rezepte oder Umfragen. „Interaktive Inhalte sind besonders beliebt“, betont die Sozialpädagogin. Täglich von 12 bis 16 Uhr ist das Team dort und über Whatsapp zu erreichen.

Nach Absprache mit den Jugendlichen bot Patrick Walkenfort am Mittwoch Nachmittag zwei Stunden lang Online-Fifa-Duelle auf der Playstation an.

„Fifa ist eines der beliebtesten Konsolenspiele der Jugendlichen“, sagt er – und da der Spielbetrieb an der Playstation auch online möglich sei, hätten sich Duelle aus der Ferne angeboten. Wer spontan Lust hatte, gegen Walkenfort zu spielen, meldete sich kurz über Whatsapp an und es konnte losgehen.

Beim Spielen ins Gespräch kommen

Über Headset konnten sich die Spieler zudem austauschen. „Dabei geht es nicht immer nur um das Spiel, es kommen auch andere Dinge zur Sprache“, sagt Walkenfort. Das Spiel ermutige zur Kommunikation.

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