Radioaktives Jod in Deutschland messbar
Produkte aus Japan werden scharf kontrolliert.

„Es konnten geringste Spuren, ein fünftausendstel Becquerel Jod pro Kubikmeter Luft, nachgewiesen werden“, sagte die Sprecherin des Bundesumweltministeriums. „Die daraus resultierende Dosis ist mehr als eine Millionen Mal niedriger als die Dosis, die ein Mensch durch die natürliche Strahlung erhält.“ Die Spuren seien am Donnerstagabend wie erwartet an den höchstempfindlichen Messstellen des Deutschen Wetterdienstes, des Bundesamtes für Strahlenschutz sowie der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Potsdam, Offenbach, Braunschweig und Schauinsland gemessen worden.

Nahe Fukushima hohe Belastung

Die im weiten Umfeld der havarierten Nuklearanlage Fukushima-Daiichi gemessenen Strahlenwerte nehmen immer Besorgnis erregendere Ausmaße an. Nach Veröffentlichungen auf den Internetseiten der japanischen Atomaufsicht NISA wurde am 20. März in 40 Kilometer Entfernung zu den Reaktoren eine Caesium137-Belastung von 163.000 Bequerel je Kilogramm Erde gemessen. Dieser Wert ist nach Einschätzung des Münchener Strahlenbiologen Professor Edmund Lengfelder, des Leiters des Münchner Otto-Hug-Strahleninstituts, hoch. Er gebe aber vermutlich noch immer einen zu schwachen Eindruck von der tatsächlichen Belastung.

Kontrollen von Lebensmitteln verschärft

Deutschland verschärft nach dem Atomunglück die Kontrollen für Lebensmittel aus Japan. Dies kündigte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitag an. Die Europäische Union hatte zuvor Zwangskontrollen für Lebensmittel aus Japan angeordnet. In Japan war bei Produkten wie Milch und Brokkoli eine radioaktive Belastung festgestellt worden. „Zukünftig können aus Japan nur noch diejenigen Waren geliefert werden, die in Japan von den betroffenen Regionen zertifiziert geprüft sind (...)“, sagte Aigner. „Bereits vor der Verladung muss sichergestellt sein, dass die Waren keinerlei erhöhte Strahlenbelastung aufweisen.“ An den EU-Außenstellen würden alle Waren geprüft, die aus Japan kämen. Die Ministerin sieht weiter keine akute Gefahr. Sie machte deutlich, dass es sich bisher um eine Vorsorgemaßnahme handele.

Gesundheitszertifikat erforderlich

Die EU-Mitgliedstaaten hatten sich am Donnerstag auf Zwangskontrollen für Lebensmittel aus zwölf japanischen Präfekturen verständigt. Die Waren müssen in Japan auf Radioaktivität getestet werden. Über das Ergebnis wird ein Gesundheitszertifikat verlangt. Lebensmittel aus Japan dürfen bis auf weiteres nur über wenige Kontrollstellen in die EU kommen. Um lückenloses Tests zu gewährleisten und Wartezeiten zu vermeiden, müssen alle Lieferungen mindestens zwei Tage vor ihrer Ankunft an den EU-Außenkontrollstellen angemeldet werden. In Europa soll es stichprobenartig weitere Untersuchungen geben. Von Lebensmitteln aus den anderen 35 Präfekturen des Inselstaats wird ebenfalls ein Teil in den EU-Mitgliedstaaten kontrolliert. Produkte, die vor dem 11. März hergestellt wurden, sind nicht betroffen. Die neuen Regeln sollen an diesem Wochenende in Kraft treten.

SOCIAL BOOKMARKS