Wikileaks warnt vor Massen-Überwachung

London (dpa) - Hinterherschleichen oder Wanzen auslegen? Das haben Spione längst nicht mehr nötig. Laut Wikileaks sind Programme zur Überwachung von Handys oder E-Mails mittlerweile weit verbreitet, und werden vom Westen im großen Stil auch an Diktaturen verkauft.

«Haben sie ein Smartphone? Benutzen sie E-Mail? Ok, Sie haben ein Problem.» Wikileaks-Gründer Julian Assange sagt es deutlich: Wer ein modernes Handy hat oder seine Post über das Internet erledigt, der ist vor Spionage und Überwachung so gut wie nicht mehr sicher. Neuen Enthüllungen der Internet-Plattform zufolge hat der Handel mit solcher Spionage-Technik mittlerweile solche Ausmaße angenommen, dass sich die Welt einem globalen, «totalitären Überwachungsstaat» nähert.

Was vor einem Jahrzehnt noch im Kleinen vorgegangen sei, habe sich heute zu einer internationalen Industrie entwickelt, erklärte Assange am Donnerstag in London. Eine der vielen Probleme dabei: Firmen aus dem Westen verkaufen die Technik auch an Diktaturen. Diese wiederum nutzen sie, um Menschen zu verfolgen oder sogar zu morden. «Es klingt wie aus Hollywood, aber es stimmt», erklärte Assange.

Seit längerem hatte man den Namen Wikileaks vor allem im Zusammenhang mit Assange und dessen laufenden Auslieferungsverfahren von Großbritannien nach Schweden gehört. Dort soll der 40-Jährige wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs befragt werden.

Erstmals seit längerem veröffentlichten die Internetaktivisten nun wieder neue Dokumente. In diesen wird nach ihren eigenen Angaben bewiesen, dass sich Firmen im Westen eine goldene Nase mit Überwachungstechnik verdienen, die unter anderem von Diktatoren in arabischen Staaten missbraucht werden. Die Programme können laut Wikileaks Gespräche abhören, Zugang zu Daten und E-Mails verschaffen und sogar Handyfotos machen. Opfer würden gar nicht bemerken, dass die Software auf dem Handy installiert worden sei.

In einer Liste werden zum Teil große und bekannte Firmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Kanada und anderen Ländern genannt, die solche Systeme herstellen sollen. 160 Firmen aus 25 Ländern sind es, in den kommenden Monaten sollen weitere Details folgen. Bei der Präsentation in London stellten die Aktivisten eines von vielen Programmen vor: Ein großes, französisches Unternehmen hat Wikileaks zufolge vor wenigen Jahren Technik an Libyens mittlerweile getöteten Diktator Muammar al-Gaddafi verkauft. Eine Liste von E-Mail-Adressen, die den Computerexperten zufolge darin gespeichert war, zeige: Gaddafi überwachte sowohl Feinde als auch Verbündete im In- und Ausland.

«Der 11. September 2001 hat den USA oder Ländern in Europa eine Lizenz gegeben, Spionagesysteme zu entwickeln, die uns alle betreffen», sagte Assange. Häufig sei solche Technik oder Software in den Herkunftsländern verboten - der Verkauf ins Ausland aber sei nicht klar genug geregelt. «Profit ist oft wichtiger als Menschenleben», sagte Aktivist Jacob Appelbaum.

Doch mit rechtlichen Schritten alleine könne man der Massen-Spionage eh nicht mehr entgegentreten, erklärte Assange. «Ich glaube, diesen Krieg gewinnen wir nicht durch Gesetzgebung. Der globale totalitäre Überwachungsstaat kann nur durch eine Gegen-Software aufgehalten werden, die die Programme blockiert.»

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