Berliner Raser bleiben nach Mordurteil in U-Haft
DPA
Die Angeklagten Hamdi H. (2.v.r) und Marvin N. (5.v.r, halb verdeckt) werden vorläufig in Untersuchungshaft bleiben. Foto: Gregor Fischer
DPA

Berlin (dpa) - Trotz angekündigter Revision bleiben die beiden verurteilten Berliner Autoraser weiter in Untersuchungshaft. Die 28 und 25 Jahre alten Männer kommen bis zur Prüfung durch den Bundesgerichtshof (BGH) nicht auf freien Fuß.

Das sagte die Sprecherin des Landgerichts für Strafsachen, Lisa Jani, am Dienstag. Sie sitzen demnach in der Justizvollzugsanstalt Moabit ein.

Die beiden Männer waren am Montag für ihr Rennen am Ku'damm, bei dem ein Unbeteiligter zu Tode gekommen war, vom Berliner Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Es war bundesweit der erste Fall, in dem Raser des Mordes schuldig gesprochen wurden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Verteidiger hatten Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für den einen Fahrer und wegen Gefährdung des Straßenverkehrs für den anderen gefordert. Nach ihrer Argumentation ist der Vorsatz zur Teilnahme an einem Rennen nicht mit einem Tötungsvorsatz gleichzusetzen.

Manche Experten hoffen, dass das Urteil in der Szene abschreckende Wirkung zeigt und sich weniger Leute auf Rennen einlassen. Das Signal, dass im Falle eines schweren Unfalls auch lebenslange Freiheitsstrafen folgen können, sei entscheidend, sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, der Deutschen Presse-Agentur. «Ich glaube, das muss Auswirkungen haben.» Dass der Rechtsstaat derart Flagge zeige, sei überfällig gewesen, betonte Brockmann.

Etwas skeptischer zeigte sich die Schweizer Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Biétry im Deutschlandfunk. Sie hatte auch im Prozess zum Thema Raser ausgesagt. Strafandrohungen verhinderten in der Regel keine Straftaten, sagte sie. Sie könne sich aber vorstellen, dass das Urteil in Verbindung mit mehr Kontrollen ein Zeichen setze.

Bächli-Biétry schlug vor, in Deutschland über Tempo-Limits auch auf Autobahnen sowie Hürden beim Zugang zu hochmotorisierten Autos nachzudenken. Es sei Teil des Problems, dass junge Leute mit wenig Geld solche Autos zum Beispiel leasen könnten, sagte Bächli-Biétry. 

- Kamen Teilnehmer und Organisatoren illegaler Rennen bislang mit vergleichsweise milden Sanktionen davon, beschloss der Bundesrat 2016 einen Gesetzentwurf für härtere Strafen. Der Bundestag müsste allerdings noch zustimmen, damit der Entwurf Gesetz wird. Das Bundesverkehrsministerium hat Skepsis erkennen lassen und angedeutet, die bestehende Gesetzeslage sei ausreichend.

- Laut dem Entwurf soll aus einer Ordnungswidrigkeit ein Straftatbestand werden. Bisher drohen Teilnehmern 400 Euro Bußgeld und ein Monat Fahrverbot.

- Nach dem Entwurf sollen Menschen, die an unerlaubten Autorennen teilnehmen, mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und einem Entzug des Führerscheins rechnen müssen.

- Werden Unbeteiligte in Gefahr gebracht, sollen Teilnehmer bis zu fünf Jahre in Haft kommen können. Wird bei einem Rennen ein Mensch schwer verletzt oder getötet, drohen bis zu zehn Jahre.

DPA
Nach den lebenslangen Gefängnisstrafen für die beiden Kudamm-Raser wird bundesweit über das Urteil diskutiert. Foto: Paul Zinken
DPA
DPA
Der Unfallort sah aus wie ein Trümmerfeld. Beging der Todesfahrer einen Mord? Foto: Britta Pedersen
DPA
DPA
Nach dem illegalen Autorennen liegen Fahrzeugteile weit verstreut auf der Tauentzienstraße. Foto: Britta Pedersen
DPA
DPA
Richter Willi Thoms (l.) und der Vorsitzende Richter Ralph Ehestädt im Prozess um das tödliche Autorennen. Foto: Gregor Fischer
DPA
DPA
Die gesperrte Tauentzienstraße nach einem illegalen Autorennen. Foto: Britta Pedersen/Archiv
DPA
DPA
Beschädigte Ampel nach dem illegalen Autorennen auf der Tauentzienstraße in Berlin: Die beiden Raser sind wegen Mordes verurteilt worden. oto: Britta Pedersen Foto: Britta Pedersen
DPA
DPA
Ein Mitarbeiter der Stadtreinigung säubert nach dem tödlichen Autorennen die Tauentzienstraße in Berlin. Foto: Britta Pedersen/Archiv
DPA
SOCIAL BOOKMARKS