Hauptstrecken der Bahn im Norden weiterhin gesperrt
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Schlaf auf dem Hauptbahnhof: In Berlin sind tausende Bahnreisende gestrandet. Foto: Maurizio Gambarini
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Berlin (dpa) -  Das große Aufräumen nach dem verheerenden Sturmtief «Xavier» dauert in den betroffenen Regionen Deutschlands an. Vor allem der Bahnverkehr war auch am Freitag noch erheblich eingeschränkt.

Es werde mit Hochdruck geräumt, sagte Bahnsprecher Achim Stauß dem Fernsehsender Phoenix. «Die Schäden sind doch recht groß.»

Auf einigen Routen sei am Freitag kein Zugverkehr mehr möglich, teilte die Deutsche Bahn am Nachmittag mit. Das betreffe die Strecken von Berlin nach Hannover, von Berlin nach Hamburg und von Hamburg in das Ruhrgebiet. Der Flugverkehr an den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel hatte sich im Laufe des Tages weitgehend normalisiert.

«Xavier» war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) einer der schlimmsten Stürme der vergangenen Jahrzehnte. Er war am Donnerstag vor allem über den Norden und Osten Deutschlands hinweggefegt. In Brandenburg stürmte er mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 122 Stundenkilometern am heftigsten. Besonders schwer betroffen waren auch Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sieben Menschen starben, darunter auch die Journalistin und Politik-Expertin Sylke Tempel.

Trotz der schweren Verwüstungen sei «Xavier» kein besonders außergewöhnlicher Sturm gewesen. «Sturm- und Orkantiefs gehören zum Herbst dazu und es muss immer wieder mit ihnen gerechnet werden», erklärte DWD-Meteorologin Tanja Dressel. Bemerkenswert sei in diesem Fall, dass der Sturm ein «Schnellläufer» war, der sich sehr rasch innerhalb weniger Stunden weiterbewegt hat, vom Nordwesten bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im Osten.

Für die nächsten Tage rechnen die Meteorologen mit anhaltend ungemütlichem Wetter mit viel Regen. In der Nähe der Küsten und auf den Bergen kann der Wind in Böen wieder Sturmstärke erreichen. Am Sonntag erwarten die Fachleute vor allem im Süden bedeckten Himmel und immer wieder Regen.

Die Bundesregierung würdigte den großen Einsatz der Rettungskräfte. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer dankte allen, «die in den Stunden des Orkans hart daran gearbeitet haben, die Verkehrsverbindungen aufrecht zu erhalten und Menschen zu helfen, die in Not geraten sind».

Betroffen äußerte sie sich über die hohe Zahl der Todesopfer: «Natürlich denken wir in diesen Stunden an die sieben Menschen, die auf tragische Weise in dem Orkan ihr Leben verloren haben, und an die Angehörigen, denen wir unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen.»

Besonders schwer kämpfte die Bahn am Freitag mit den Folgen des Sturms. Umgestürzte Bäume und zerstörte Oberleitungen sorgten vor allem in Fernverkehr den ganzen Tag für Zugausfälle und massive Verspätungen. Tausende Reisende strandeten an den Bahnhöfen.

Die Bahngesellschaft Metronom, die in Niedersachsen, Hamburg und Bremen auf zahlreichen Regionalstrecken unterwegs ist, forderte Fahrgäste auf, am Freitag und am Wochenende auf Bahnreisen zu verzichten. Es sei nicht absehbar, wann die Strecken wieder zuverlässig befahren werden können.

In Mecklenburg-Vorpommern waren am Freitagnachmittag noch rund 4000 Kunden ohne Strom. Unmittelbar nach dem Sturm waren 35 000 Kunden von dem Stromausfall betroffen gewesen. Es seien mehrere, zum Teil sehr große Bäume in die Leitungen gefallen, sagte eine Sprecherin des Energieversorgers Wemag. Die Reparaturarbeiten gestalteten sich schwierig. Voraussichtlich seien auch am Abend noch 1000 Kunden ohne Strom.

In Mecklenburg-Vorpommern blieb der größte Landschaftspark, der Schlosspark Ludwigslust, gesperrt. «Xavier» habe zahlreiche Bäume entwurzelt, sagte eine Sprecherin des Landesbetriebs für Bau und Liegenschaften am Freitag. In Sachsen warnte die staatliche Forstverwaltung vor dem Betreten der Wälder. «Der Aufenthalt kann lebensgefährlich sein», sagte ein Sprecher.

Als Reaktion auf die Zugausfälle hat die Deutsche Bahn die Gültigkeit ihrer Fahrscheine verlängert. Alle Tickets für die betroffenen Verbindungen können nun bis 15. Oktober genutzt werden. Das gelte auch für Fahrkarten mit Zugbindung, teilte die Bahn mit.

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Taxi-Gutschein im Hauptbahnhof Hamburg: Die Bahn bot Fernreisenden Taxifahrten nach Berlin, Bremen, Hannover oder Schwerin an. Foto: Thomas Müller
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Drangvolle Enge und keine Fahrgelegenheit: Fahrgäste vor dem Reisezentrum der Bahn im Hamburger Hauptbahnhof. Foto: Thomas Müller
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Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik", kam in Berlin durch den Sturm ums Leben. Foto: Karlheinz Schindler
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"Zug fällt aus" - vom Berliner Hauptbahnhof ging auch am Morgen nach dem Sturm immer noch nicht viel. Foto: Maurizio Gambarini
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Die Umfaller: Drei von Sturm "Xavier" entwurzelte Bäume liegen an einer Straße bei Rautenberg in Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte
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Ein Fahrgast schläft in einem von der Bahn zur Übernachtung bereitgestellten «Hotelzug» am Hauptbahnhof in Berlin. Foto: Gregor Fischer
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Warteschlange im Berliner Hauptbahnhof: Die Verbindungen im Norden und Nordosten sind weiterhin massiv beeinträchtigt. Foto: Maurizio Gambarini
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Anflug im Sturm: Eine Lufthansa-Maschine landet in Schräglage auf dem Flughafen Hannover. Foto: Julian Stratenschulte
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Umgestürzte Bäume waren für einen Großteil der Zugausfälle verantwortlich. Foto: Ralf Hirschberger
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Ein Feuerwehrmann räumt in Hannover Äste eines umgestürzten Baums von einer Straße. Foto: Silas Stein
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Absperrband der Feuerwehr in Berlin. In der Hauptstadt hatte die Feuerwehr den Ausnahmezustand ausgerufen. Foto: Paul Zinken
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«Xavier» war da: Auf dem Ludwig-Kirch-Platz in Berlin ist ein Baum auf mehrere Autos gestürzt. Foto: Kay Nietfeld
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Fahrgäste stehen auf dem Hauptbahnhof in Berlin an einem Informationsschalter der Deutschen Bahn an. Foto: Gregor Fischer
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Weltuntergangsstimmung: Regen prasselt auf die Windschutzscheibe eines Autos in der Nähe von Paderborn. Foto: Friso Gentsch
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Mit voller Wucht: In Kleinmachnow in Brandenburg wehte das Sturmtief ein etwa 250 Kilo schweres Motorrad um. Foto: Ralf Hirschberger
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Ein Arbeiter sägt auf dem Messeschnellweg bei Hannover einen Baum auseinander. Foto: Silas Stein
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