Nach Krawallen: Vietnams Regierungschef schickt SMS an alle

Hanoi (dpa) - Nach den schweren anti-chinesischen Krawallen in Vietnam hat Regierungschef Nguyen Tan Dung seine Landsleute per SMS zur Zurückhaltung aufgerufen.

An alle Mobiltelefonbesitzer ging am Donnerstagabend die Botschaft, sie sollten sich nicht zu «extremen Taten hinreißen lassen, die die Interessen und den Ruf des Landes verletzten». Aus Wut über eine chinesische Ölplattform vor der Küste Vietnams hatten Demonstranten diese Woche Hunderte chinesische und auch taiwanesische Fabriken angegriffen. Ein Chinese kam ums Leben.

Die Plattform liegt nahe den Paracel-Inseln im Südchinesischen Meer, die sowohl Vietnam als auch China beanspruchen. Die Region gilt als rohstoffreich. Vietnam hat scharf gegen die Plattform protestiert.

Der Chef der kommunistischen Partei, Nguyen Phu Trong, habe nach China reisen wollen, um den Disput zu erörtern, doch seien seine Vorstöße blockiert worden, sagte ein Beamter in Hanoi. Die Außenminister beider Länder telefonierten lediglich.

Beim Besuch des chinesischen Generalstabschefs Fang Fenghui im Weißen Haus äußerte Vizepräsident Joe Biden «ernste Sorge über die einseitigen Aktionen Chinas in Gewässern, die auch Vietnam beansprucht», wie das Weiße Haus mitteilte. Kein Land sollte seine Ansprüche mit Provokationen geltend machen, die Frieden und Stabilität in der Region gefährdeten.

Die anti-chinesischen Proteste seien von der Regierung angestachelt worden, sagt Hans-Georg Jonek, Büroleiter der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, «Es geht der Regierung darum, das beträchtliche patriotische Potenzial zu nutzen, weil sie sonst wenig Möglichkeiten hat, ihren Ärger gegen China kundzutun», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. «Dass der Protest so eskaliert ist, war aber sicher nicht gewollt, deshalb auch die schnelle Verurteilung.» Die patriotischen Proteste könnten das Vertrauen von Investoren erschüttern und die wirtschaftliche Entwicklung empfindlich treffen.

Naumann-Kommentar zur aktuellen Lage

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