Aktivistin springt im Kölner Dom halbnackt vor Meisner auf Altar

Köln (dpa/lnw) - Ausgerechnet an Meisners 80. Geburtstag: Kurz nach Beginn der Weihnachtsmesse im Kölner Dom stürmte eine Aktivistin der Frauengruppe Femen aus der ersten Reihe nach vorne und sprang halbnackt auf den Altar. Nach Angaben der Kölner Polizei hatte sich die 20-jährige die Worte «I am God» («Ich bin Gott») auf den Oberkörper gemalt. Vor den Augen von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner wurde die 20-jährige Frau von den Sicherheitskräften im Dom abgeführt.

Bis zum Beginn des feierlichen Hochamtes saß die Frau nach Polizeiangaben mit einem Ledermantel und Kopftuch bekleidet in der ersten Reihe. Es sollte ein Protest sein gegen die katholische Kirche und deren Machtstrukturen, begründete die Femen-Aktivistin Josephine Witt ihre spektakuläre Aktion in einem Gespräche mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die Polizei setzte die Frau bis zum Ende des Gottesdienstes fest und erstattete Anzeige wegen Störung der Religionsausübung und Hausfriedensbruchs. Witt erklärte, von den Sicherheitskräften und einem Kirchgänger geschlagen worden zu sein.

«Es war ein geplanter Monoprotest, es passte so einfach besser, als wenn mehrere Frauen eingebunden gewesen wären», sagte Witt. Mit der Aktion wolle Femen International gegen das Machtmonopol und die Ausgrenzung bestimmter Gruppen durch die katholischen Kirche protestieren. «Gerade Köln gilt als Hochburg der Katholiken in Deutschland und Meisner steht für eine sehr konservative Ausrichtung», sagt die aus Hamburg kommende Witt zur Wahl des Protestorts Köln.

Beteiligt war die Frauenrechtlerin auch an einer Aktion gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Hannover Messe im April dieses Jahres gewesen. Die Aktivistinnen waren damals bei einem Messerundgang von Leibwächtern des Präsidenten gestoppt worden. Nach einem Protest für die Freilassung einer inhaftierten Aktivistin in Tunesien saß Witt dort 29 Tage in einem Gefängnis. Bei einer Talkshow von Markus Lanz Anfang Dezember protestierte sie gemeinsam mit einer Femen-Aktivistin gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Katar, wo 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird.

Das Bistum wollte den Protest der Frauenrechtlerin im Kölner Dom nicht überbewerten. Es sei eine «indiskutable Aktion» gewesen, um die man aber «kein übergroßes Bohei» machen wolle, sagte Weihbischof Dominikus Schwaderlapp dem «Kölner Stadtanzeiger». Er lobte die gelassene Reaktion des Erzbischofs, der sich nicht aus der Ruhe habe bringen lassen.

Der Generalvikar des Erzbistums, Stefan Heße, geht laut der Zeitung davon aus, dass der Hausherr der Kathedrale, Dompropst Norbert Feldhoff, Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstatten wird. So sei es in der Vergangenheit bei Störungen und Provokationen im Dom gewesen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin vom Donnerstag lag eine solche Anzeige und eine weitere wegen Störung der Religionsausübung bereits vor. Wer sie gestellt hat, konnte die Sprecherin aber nicht sagen.

Wie Heße dem «Kölner Stadtanzeiger» weiter sagte, komme strafrechtlich am Ende meistens nicht viel heraus. «Aber Gott sei Dank sind wir ja auch nicht in Rußland», meinte er in Anspielung auf die Anti-Putin-Aktion der Band Pussy Riot in der Moskauer Erlöserkriche. Die Bandmitglieder wurden dafür zu Lagerhaft verurteilt und erst vor wenigen Tagen von Putin begnadigt.

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