Arzt angeklagt: Tochter nach Suizidversuch nicht geholfen

Bonn (dpa/lnw) - Eine 15-jährige Arzt-Tochter wollte sich umbringen - und der Vater soll nichts zu ihrer Rettung unternommen haben: Die Bonner Staatsanwaltschaft hat den Mediziner jetzt wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Das Mädchen hatte rund 100 Tabletten eines Schmerzmittels eingenommen. Doch der 57-Jährige habe seine Tochter weder ins Krankenhaus gebracht noch den Notarzt verständigt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Jugendliche überlebte, weil ihr zehnjähriger Bruder einen Freund der Familie um Hilfe bat. Ein Rettungswagen brachte sie ins Krankenhaus.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Mediziner den Zustand seiner Tochter nicht ernst genommen. Der Vater habe ausgesagt, dass sie keine Anzeichen einer Vergiftung gezeigt habe, als er in ihrem Zimmer nach ihr gesehen habe. Er habe gedacht, die Schülerin wolle sich vor dem Sportunterricht drücken.

Die 15-Jährige lebt seit dem Vorfall bei einer Tante. Wann der Prozess vor dem Bonner Amtsgericht beginnt, steht noch nicht fest.

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