Aufatmen in der Corona-Krise: Friseure, Zoos, Museen öffnen
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Menschen laufen mit Mundschutz. Foto: Marcel Kusch/dpa
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Düsseldorf (dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalen setzt in der Corona-Krise die Reihe der vorsichtiger Lockerungen fort. Seit dieser Woche dürfen erstmals wieder Friseure öffnen. Auch Zoos, Museen und Galerien dürfen jetzt unter Hygieneauflagen wieder Besucher einlassen. Ein paar Tage dauert es noch bis zu der von vielen ersehnten Spielplatzöffnung: Das soll am Donnerstag (7. Mai) der Fall sein. Jeglicher Sportbetrieb bleibt dagegen untersagt, auch in Fitnessstudios.

Auf einen großen Andrang am Dienstag bereitet sich der Allwetterzoo in Münster vor, bestätigt ein Sprecher. Dort dürfen maximal 2700 Personen gleichzeitig rein. Tierhäuser, Spielplätze und der Zooshop bleiben aber vorerst geschlossen, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Auf der Internet-Seite des Zoos wird die Besucherzahl stündlich bekannt gemacht, um die Wartezeit «daheim besser abschätzen zu können», heißt es in einer Mitteilung des Zoos.

Auch viele Museen in Nordrhein-Westfalen öffnen am Dienstag wieder für Besucher - allerdings unter Hygiene- und Abstandsauflagen. Führungen oder andere Gruppenveranstaltungen fallen weiterhin aus. Um Abstand zu wahren, sind die Besucherzahlen je nach Fläche begrenzt und es gilt meist eine Maskenpflicht. Außerdem werden die Besucher vielfach mit Bodenmarkierungen oder Absperrbändern durch die Ausstellungen gelenkt, um Begegnungsverkehr zu verhindern.

In Nordrhein-Westfalen sind 133 weitere Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Das NRW-Gesundheitsministerium zählte am Montag insgesamt 33 545 bestätigte Infektionen (Sonntag: 33 412). Die Zahl der Todesfälle stieg im bevölkerungsreichsten Bundesland von Sonntag auf Montag um drei auf 1290.

Viertklässler sollen ab diesem Donnerstag definitiv wieder in die Grundschulen zurückkehren. Das stellte das nordrhein-westfälische Schulministerium am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur klar. In NRW gibt es aktuell rund 160 000 Grundschüler in der vierten Jahrgangsstufe. Auch für einige Viertklässler der Förderschulen läuft der Präsenzunterricht am 7. Mai wieder an. Rechtsgrundlage für diesen Schritt ab Donnerstag sei die «Corona-Betreuungsverordnung» des Gesundheitsministeriums, die «rechtzeitig angepasst und veröffentlicht» werde.

Zuvor hatten nach der Verwirrung um die Öffnung der Grundschulen in NRW Bildungsgewerkschaften und politische Opposition schnelle Klarheit verlangt. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW forderte einen nachvollziehbaren Plan für die weitere Wiedereröffnung der Schulen im Land. «Die Zeit der Unklarheiten, der Eitelkeiten, der kurzfristigen Information und der Alleingänge muss ein Ende finden», hieß es in einem offenen Brief des VBE an Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Die «chaotische Kommunikation der letzten Tage» hat laut VBE für Unruhe und Empörung unter Schulleitungen und Lehrern gesorgt. Auch die Gewerkschaft GEW verlangte mehr Verlässlichkeit und bessere Planung. Die Grünen im Düsseldorfer Landtag mahnten einen sofortigen Runden Tisch mit allen Akteuren an, um ein tragfähges Konzept zu erarbeiten.

Nach den ersten Gottesdiensten in der katholischen Kirche am Wochenende hat auch der Koordinationsrat der Muslime (KRM) einen «16-Maßnahmen-Plan» für eine vorsichtige Öffnung der Moscheen vorlegt. Dieser sei nach enger Abstimmung etwa mit Moscheegemeinden, Ministerien und Gesundheitsbehörden erarbeitet worden und solle Leitfaden für Gemeinden und Moscheebesucher sein, teilte der KRM am Montag mit. Gemeinschaftsgebete sollen demnach in den Moscheen erst einmal nur zu weniger frequentierten Gebetszeiten - morgens, mittags und nachmittags - unter Auflagen stattfinden. Die sonst stark besuchten Nachtgebete im Fastenmonat Ramadan sowie die Freitags- und Festtagsgebete bleiben vorerst ausgesetzt.

In Deutschland könnten sich nach Ergebnissen der sogenannten Heinsberg-Studie mittlerweile möglicherweise 1,8 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben. Dies ergebe eine Schätzung auf der Grundlage einer Modellrechnung, teilte die Universität Bonn am Montag mit. Ein führender Epidemiologe äußerte sich zurückhaltend.

Die Forscher um den Virologen Hendrik Streeck zogen für ihre Schätzung die Dunkelziffer der Infizierten in der untersuchten Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg und die dort errechnete Sterblichkeitsrate bei einer Corona-Infektion heran. Die Forscher gehen davon aus, dass in Gangelt 0,37 Prozent der Infizierten gestorben sind. Allerdings flossen in die Berechnung der Sterblichkeitsrate nur sieben Todesfälle ein.

«Das muss man natürlich immer ein bisschen mit Vorsicht genießen, es ist eine Schätzung», sagte Streeck dazu der Deutschen Presse-Agentur. Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, warnte in einer Videokonferenz mit Journalisten davor, die Zahlen aus Gangelt auf ganz Deutschland zu übertragen. «Ich bin da doch eher zurückhaltend», sagte er.

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