Bischöfe: Kommunion für Wiederverheiratete «unter Bedingungen»

Bonn (dpa) - Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat sich in der strittigen Frage der wiederverheirateten Geschiedenen für einen vorsichtigen Reformkurs entschieden. Sie plädiert dafür, Wiederverheiratete nach Prüfung des jeweiligen Einzelfalls «unter bestimmten Bedingungen» zur Kommunion zuzulassen.

«Aus Sicht der deutschen Bischöfe wäre es nicht richtig, unterschiedslos alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, zu den Sakramenten zuzulassen», sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nach einer Mitteilung vom Montag. Vielmehr plädierten die Bischöfe «für differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden und unter bestimmten Bedingungen eine Zulassung zu den Sakramenten ermöglichen».

In dem dazu veröffentlichten Papier der Bischofskonferenz heißt es: «Es ist ein großer Unterschied, ob ein Partner schuldlos verlassen wurde oder ob er bewusst die Ehe brach, ob die Ehe zerbricht, weil ein Partner sich als notorischer Ehebrecher erweist oder weil beide Partner sich über einen längeren Zeitraum auseinandergelebt haben.» Auf keinen Fall dürfe man alle über einen Kamm scheren.

Zurzeit dürfen Katholiken, die geschieden sind und dann wieder geheiratet haben, nicht zur Kommunion gehen. Umfragen haben ergeben, dass eine große Mehrheit der Gläubigen dies für realitätsfern und unbarmherzig hält. Gerade auch engagierte Katholiken fordern, dass die Kirche ihre Haltung in diesem Punkt ändert. Während der ersten Familiensynode im Vatikan im Oktober hatte sich unter den Bischöfen jedoch noch keine ausreichend breite Mehrheit gefunden, um das Verbot zu lockern. Nächstes Jahr folgt eine zweite Synode.

Das am Montag veröffentlichte Papier der Deutschen Bischofskonferenz war bereits im Juni von ihr «mit großer Mehrheit» verabschiedet worden. Die Bischöfe orientieren sich darin an dem reformorientierten deutschen Kurienkardinal Walter Kasper. Er hatte infrage gestellt, dass die Kirche wiederverheirateten Geschiedenen wirklich in allen Fällen das Sakrament der Kommunion verweigern darf.

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