Dritter Toter nach Rachefeldzug gegen Anwaltskanzleien und Pizzeria

Düsseldorf (dpa) - Der mutmaßliche Rachefeldzug eines früheren Kochs gegen zwei Anwaltskanzleien und eine Pizzeria in Nordrhein-Westfalen hat einen dritten Menschen das Leben gekostet. Ein 51 Jahre Düsseldorfer Anwalt erlag seinen Stichverletzungen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Der 48 Jahre alte Täter hatte früher als Koch in der Pizzeria in Goch gearbeitet und vor drei Jahren seine Chefin geohrfeigt, dafür war er verurteilt worden. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Familienvater sich nun an seiner Ex-Chefin sowie an den Kanzleien in Düsseldorf und Erkrath rächen wollte, die ihn aus seiner Sicht nicht gut genug vertreten hatten.

Der Mann hatte am Freitag eine Anwältin in Düsseldorf und eine Anwaltsgehilfin im benachbarten Erkrath durch Messerstiche und Schüsse getötet und weitere Menschen verletzt. In beiden Kanzleien legte er außerdem Feuer. In Goch wurde er von der Tochter seiner Ex-Chefin und einem Passanten überwältigt. Er gestand er die Taten und sitzt in Untersuchungshaft. Ihm werden Mord und Mordversuch vorgeworfen. Zum Motiv schweigt er. Polizei und Staatsanwaltschaft haben aber nach der Befragung von Zeugen keine Zweifel, dass es ein Rachefeldzug war.

Klar ist nach Darstellung der Ermittler vom Sonntag, dass der Mann 2011 in Goch die Besitzerin der Pizzeria, in der er arbeitete, geohrfeigt hatte. Sie zeigte ihn an, was eine Geldstrafe und Schmerzensgeld zur Folge hatte. Der Täter machte dafür seinen Anwalt in Düsseldorf verantwortlich und versuchte, die Kanzlei zu wechseln. In Erkrath erläutere man ihm, dass ein Berufungsverfahren keine Aussicht auf Erfolg habe. Seitdem überzog er die Erkrather Kanzlei mit Telefonterror und tauchte mehrfach bei seinen früheren Anwälten in Düsseldorf auf, erschien ihnen aber nicht gefährlich, wie die Ermittler sagten.

Das änderte sich am Freitag. Nach bisherigen Ermittlungen brachte der Mann seine kleine Tochter noch in die Kita und verließ später das Haus - offenbar mit einer scharfen Pistole, einer Reizgaspistole, einem Küchenmesser und einem Klappmesser. Seine Frau telefonierte noch mit ihm und bemerkte nach eigener Aussage nichts Besonderes.

Kurz vor Mittag stürmte er dann die Anwaltspraxis in Düsseldorf und stritt lautstark mit einer 54 Jahre alten Anwältin. Als deren Kollege dazukam und den Mann zum Gehen aufforderte, zog der eine Pistole aus einer Plastiktüte und zielte auf seine Opfer. Da die Waffe nicht losging, schlug er auf den Mann ein, erstach die Frau und verletzte einen weiteren Anwalt ebenfalls durch Messerstiche, an denen dieser am Samstag starb. Dann legte der Täter Feuer und floh.

Mit dem Auto seiner Frau fuhr er nach Erkrath und drang dort wenig später in die zweite Kanzlei ein. Er erschoss eine 50 Jahre alte Anwaltsgehilfin und verletzte einen 33 Jahre alten Anwalt, der im Rollstuhl saß, mit einem Bauchschuss lebensgefährlich. Dieser Mann wurde durch eine Operation gerettet und war am Sonntag ansprechbar. Auch in Erkrath steckte der Täter das Büro in Brand.

Von dort fuhr er weiter nach Goch und bedrohte die 52 Jahre alte Pizzeriabesitzerin und deren 22 Jahre alten Zwillingstöchter. Wieder versagte seine Schusswaffe, so dass er zum Messer griff. Einer der Töchter gelang es, durch die Ladentür um Hilfe zu rufen. Ein 22 Jahre alter Mann stürmte sofort in die Pizzeria und konnte den Täter gemeinsam mit den Töchtern überwältigen, bis die Polizei kam. Alle vier wurden verletzt.

Obwohl der Mann in der Düsseldorfer Kanzlei bekannt war, gab es nach dem ersten Verbrechen keine Warnung an das Anwaltsbüro in Erkrath oder die Pizzeria. Die Polizei machte dafür die Bestürzung über die Bluttat und das Chaos nach dem Feuer verantwortlich. Die Fahnder gingen, nachdem auch der Überfall in Erkrath bekannt wurde, mehreren Spuren nach. «Sie müssen einen roten Faden finden, um zu wissen, nach wem Sie - auch aufgrund der Gefahrenlage - suchen müssen», sagte Polizeieinsatzleiter Jürgen Schneider.

Staatsanwalt Christoph Kumpa sagte, ob die Impulskontrolle des Mannes gestört sei, werde möglicherweise ein psychiatrisches Gutachten klären müssen. Am Freitag habe er jedenfalls kontrolliert und zielgerichtet gehandelt. «Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass von einer Schuldfähigkeit des Beschuldigten bei allen drei Taten auszugehen ist», sagte Kumpa.

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