Erdogan-Proteste: Polizei bereitet sich auf Großeinsatz vor

Bochum (dpa/lnw) - Wegen angekündigter Massenproteste gegen die Verleihung des Bochumer «Steiger Award» an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan bereitet sich die Polizei auf einen Großeinsatz vor. Um an diesem Samstag für die Menge an Demonstranten gewappnet zu sein, forderte die Bochumer Behörde unterstützende Hundertschaften aus anderen Städten an, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag mitteilte. Insgesamt seien sieben Kundgebungen angemeldet.

Armenier, Kurden und Aleviten rufen zu den Protesten auf. Sie sehen in dem Preis für Erdogan einen «Schlag ins Gesicht aller Minderheiten in der Türkei», wie es in einer Mitteilung der Alevitischen Gemeinde Deutschlands hieß. Erdogan verkörpere «staatlich organisierte Intoleranz und Unmenschlichkeit» gegenüber Minderheiten.

Allein der Dachverband der alevitischen Gemeinden kündigte 20 000 Protest-Teilnehmer an. In Bochum geht man inzwischen davon aus, dass diese Massen tatsächlich mobilisiert werden können. «Wenn wir etwas anderes erwarten würden, würden wir uns auch anders vorbereiten», sagte der Polizeisprecher. Die Demonstranten treffen sich nachmittags in der Innenstadt. Es gelte in erster Linie die Veranstaltung zu schützen, so der Sprecher. «Deswegen werden wir verhindern, dass die Leute in die Nähe der Jahrhunderthalle gelangen.» In der Stadt müsse mit massiven Verkehrsbehinderungen gerechnet werden.

Seit 2005 wird der undotierte Steiger Award jährlich vergeben. Nach dem Willen der Initiatoren sollen Personen ausgezeichnet werden, die sich für «Menschlichkeit und Toleranz» einsetzen. Erdogan erhält die Auszeichnung in der Kategorie «Europa». Den Preis bekomme der türkische Regierungschef als «demokratisch gewählter Vertreter stellvertretend für das türkische Volk» verliehen, hatte Initiator Sascha Hellen zur Begründung gesagt. Geehrt werde die deutsch-türkische Freundschaft, nicht Erdogan als Person und Politiker.

Die Laudatio auf Erdogan hält Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Auch das sorgt für Kritik. Der Publizist Ralph Giordano erklärte in einem Offenen Brief, der am Donnerstag in Köln veröffentlich wurde, Schröders Rede könne nur verlogen ausfallen. Erdogan leugne den Völkermord an den Armeniern 1915 und 1916 noch immer. Er personifiziere «diese türkische Lebenslüge wie kein zweiter in unserer Zeit».

Pressemitteilung der Aleviten

SOCIAL BOOKMARKS