Fall Lügde: GdP-Landeschef Mertens warnt vor Vorverurteilung

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nach dem Verschwinden von Beweismitteln im Fall Lügde hat der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Michael Mertens, vor einer Vorverurteilung von Polizisten gewarnt. «Das Krisenmanagement des Innenministers sollte nicht nur darin bestehen, Polizisten an den Pranger zu stellen», sagte Mertens am Freitag auf Anfrage. «Missstände müssen benannt werden, aber viele Beamte machen einen guten Job und die fühlen sich nun angegriffen.» Wichtig sei, dass zunächst aufgeklärt werde: «Erst die Fakten, dann das Fazit.»

Dass ein Polizeianwärter mit der Sichtung des Materials betraut worden sei, müsse nicht zwangsläufig falsch sein. «Wenn es um eine erste Sichtung geht, ob überhaupt etwas zu sehen ist, kann das ein Anwärter machen. Die Bewertung, ob es sich bei Aufnahmen von Kindern um Straftaten handelt, sollte dann aber später ein Profi vornehmen», sagte Mertens.

Die Beauftragung des Anwärters sei möglicherweise dem Personalmangel geschuldet. «Die Behörde in Lippe hatte mal 447 Polizisten, heute sind es 359, davon sind 60 Kriminalbeamte.» Dies sei das Resultat jahrzehntelanger Versäumnisse.

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