Für Wirtz weicht Bosz sogar von seinen Grundsätzen ab
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Bremens Milot Rashica (r) spielt gegen Leverkusens Florian Wirtz. Foto: Stuart Franklin/Getty-Pool/dpa
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Bremen (dpa/lnw) - Wenn Peter Bosz nur einen seiner Spieler lobend erwähnt, muss etwas Außergewöhnliches passiert sein. Das Bundesliga-Debüt des gerade 17 Jahre alt gewordenen Talents Florian Wirtz war eine solche Besonderheit. Normalerweise ist es dem Trainer von Bayer Leverkusen ein Gräuel, Fragen zu einzelnen Spielern beantworten zu müssen. Nach dem 4:1 (2:1) bei Werder Bremen am Montagabend war der Niederländer aber naturgemäß bestens gelaunt.

«Es ist immer etwas Besonderes, wenn man sein Debüt macht. Erst recht, wenn man erst 17 Jahre alt ist», sagte Bosz über Wirtz, dem er zu seinem ersten Einsatz in der Bundesliga verholfen hatte. Mit offensichtlich überragenden Trainingsleistungen in der Corona-Pause hatte der junge Offensivspieler, der formal zu Bayers U19 gehört, nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Möglicherweise erschien Bosz auch das Umfeld des Neubeginns ohne Zuschauer genau richtig für das Debüt des Youngsters zu sein. Ohne die übliche Atmosphäre im Weser-Stadion, noch dazu gegen einen schwachen Gegner konnte sich Wirtz auf das Wesentliche konzentrieren: Fußball spielen.

«Es war alles in allem eine gute Leistung von ihm, er war nicht nervös, das hat mir gefallen. Er hat bis zu seiner Auswechslung auch gut nach hinten gearbeitet», lobte Bosz seinen Zögling, dem er herausragende Fähigkeiten bescheinigt. Wirtz, der am 3. Mai 17 Jahre alt geworden war, ist nun der jüngste Debütant in Bayers Bundesliga-Historie und löste damit Kai Havertz ab.

Was für ein junges Ausnahmetalent in Leverkusen alles möglich ist, erlebte Wirtz am Montag hautnah. Havertz, selbst gerade einmal 20 Jahre alt, ist inzwischen auch international der begehrteste deutsche Spieler. Der Nationalspieler war gegen die allerdings auch in Teilen nicht existente Bremer Abwehr Matchwinner der Rheinländer.

Mit seinen Kopfball-Toren zum 1:0 (28. Minute) und 2:1 (33.) ebnete er den Weg zum ungefährdeten Sieg. «Er hat heute nicht einmal sein bestes Spiel gemacht, aber jeder weiß, wie wichtig er für uns ist. Das hat er mit seinen beiden Treffern wieder gezeigt», lobte Bosz auch Havertz. Problemlos füllte dieser die Rolle des nach wie vor verletzten Kevin Volland im Angriff aus. Möglicherweise reift hinter Havertz bereits sein Nachfolger heran, sollte er den Werksclub alsbald für eine hohe Ablösesumme verlassen.

Im Mannschaftskreis wurde Wirtz bereits bestens aufgenommen. «Da haben wir uns ein Riesen-Talent geangelt», jubelte Abwehrchef Sven Bender am Dienstag. «Er ist unfassbar weit fußballerisch. Das ist sensationell.»

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