Islam-Plattform kritisiert NRW-Pläne für Islam-Unterricht

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) hat die Reformpläne für islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen kritisiert. «Die Kommissionslösung ist keine wirkliche Lösung, sondern eine Veränderung des Übergangsmodells», sagte Akademie-Geschäftsführer Jan Felix Engelhardt der «Rheinischen Post» (Dienstag). Die Lösung schaffe «keinen echten Religionsunterricht, weil weiterhin ein Ansprechpartner als Religionsgemeinschaft fehlt.»

Die Zusammenarbeit der Landesregierung mit Muslimen konzentrierte sich bisher auf den Dialog mit großen Verbänden. Mit einer «Koordinierungsstelle Muslimisches Engagement in NRW» will die nordrhein-westfälische Landesregierung ab dem 1. Juli den Dialog mit muslimischen Verbänden auf eine breitere Basis stellen.

Unter ihrem Dach sollen Moscheevereine, aber auch nicht religiös ausgerichtete islamische Ärzte- oder Frauenverbände und Jugendorganisationen ihre Interessen vertreten können. Auch der umstrittene Moscheeverband Ditib ist zu Mitarbeit eingeladen. Insgesamt sollen mehr als 80 muslimische Organisationen in NRW angesprochen werden.

«Wenn die vier großen Verbände in der Kommission dieselbe Stimme haben wie kleine, unbekannte Vereine, ist das demokratietheoretisch bedenklich», gab Engelhardt zu Bedenken und warnte zudem davor, die Kommission als Mittel zu begreifen, «eine politisch gewünschte Liberalisierung des Islams» zu forcieren. In NRW leben etwa 1,3 bis 1,5 Millionen Muslime und bilden damit die größte religiöse Minderheit.

Die an der Frankfurter Goethe-Universität angesiedelte Universitätsplattform AIWG wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und von der Stiftung Mercator gefördert.

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