Jetzt noch ein Corona-Fall: Auf Schalke läuft vieles schief
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Das Logo vom FC Schalke 04. Foto: Fabian Strauch/dpa/Archivbild
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Längenfeld/Österreich (dpa/lnw) - Die Alpen-Idylle trügt. Ein Corona-Fall hat den Trainingsbetrieb des FC Schalke 04 mitten in der wichtigsten Phase der ohnehin schwierigen Saisonvorbereitung empfindlich gestört. Rot-weißes Flatterband riegelte den rund 500 Meter von noblen Quartier «Hotel Aqua Dome» gelegenen Trainingsplatz im österreichischen Wintersportörtchen Längenfeld bis Dienstagmorgen ab, ehe es nach einer zusätzlichen Testreihe leichte Entwarnung gab. Weitere Covid-19-Infektionen sind beim Fußball-Bundesligisten nicht mehr nachgewiesen worden.

Gegen 10.15 Uhr durfte die um den weiter nicht namentlich genannten Betroffenen und die sogenannte Kontaktgruppe 1 dezimierte Mannschaft von Chefcoach David Wagner am Dienstag unter verschärften Sicherheitsbestimmungen und Corona-Schutzmaßnahmen wieder auf den Rasen. Immerhin wurden die Spieler von einem blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein empfangen.

Bei der Übungseinheit am Morgen fehlte der Österreicher Alessandro Schöpf, der auch in dem am Dienstag von ÖFB-Teamchef Franco Foda benannten Kader für die anstehenden Länderspiele gegen Norwegen und Rumänien fehlte. «Schöpfi hat mich angerufen und gesagt, dass er für die Länderspiele nicht zur Verfügung steht», sagte Foda ohne nähere Angabe von Gründen.

Auch Schöpfs Landsmann Guido Burgstaller, die Torhüter Markus Schubert und Michael Langer, Benito Raman sowie Weston McKennie (Belastungssteuerung) waren nicht beim Schalker Training dabei. Von den beiden Langzeitverletzten Omar Mascarell und Salif Sané, die bisher ohnehin nur individuell trainierten, war nur der senegalesische Abwehrspieler zu sehen.

Zuschauer wie in den ersten Tagen, als rund 50 bis 70 Kiebitze auf dem idyllischen Trainingsplatz im Tiroler Ötztal die Einheiten verfolgten, waren nicht mehr zugelassen. Die Medienvertreter durften das Training nur mit einer Mund-Nase-Bedeckung verfolgen, mussten Abstand halten und von einer kleinen Tribüne aus zuschauen. Kontakte zu Spielern oder Delegationsmitgliedern waren zunächst untersagt.

Bis Dienstagmorgen hatten die Bundesliga-Profis des seit Monaten gebeutelten Revierclubs isoliert von den übrigen Gästen der Tiroler Wellness-Therme in ihren Vier-Sterne-Suiten festgesessen. Das Essen wurde ihnen auf die Zimmer gebracht. Bis die Nachricht, dass in einer ersten von mehreren geplanten zusätzlichen Testreihen weder bei der Delegation noch den in Frage gekommenen Hotel-Angestellten eine weitere Covid-19-Infektion festgestellt wurde, die Lage etwas entspannte.

Als am Montag bekannt wurde, dass «im Umfeld der Lizenzspielerabteilung» eine Person positiv auf das Coronavirus getestet worden war, befand sich die namentlich weiter nicht genannte Person bereits in Quarantäne. Erste Symptome der Erkrankung soll es schon Sonntag gegeben haben. Das für Montagabend geplante Testspiel gegen die Würzburger Kickers wurde sofort gecancelt, ein Training als Ersatz gab es nicht mehr.

Um jegliches weiteres Risiko auszuschließen, liefen da längst alle Maßnahmen zur Nachverfolgung der Kontakte, die zuständigen Ämter in Österreich waren eingeschaltet worden. «Wir werden selbstverständlich alle Vorgaben der Behörden umsetzen. Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten stehen an erster Stelle», ließ Sportvorstand Jochen Schneider via Pressemitteilung verbreiten. Alle Medienaktivitäten wurden zunächst abgesagt.

Auch ohne den Infektionsfall ist die Lage bei den Königsblauen, die in der abgelaufenen Rückrunde 16 Spiele nacheinander nicht gewannen, seit dem Trainingsstart vor Wochen mehr als unerquicklich. Nach zwei Testspiel-Pleiten gegen die Drittligisten SC Verl (4:5) und KFC Uerdingen (1:3) rumort es im Umfeld schon wieder. Ein Neuzugang und damit eine potenzielle Verstärkung für den unausgewogenen Kader ist nicht in Sicht. Ob an den Spekulationen über eine geplante Rückholaktion des vor Jahren zum FC Arsenal abgewanderten Sead Kolasinac etwas dran ist, wird sich erweisen. Medienberichten zufolge soll der 27 Jahre alte Linksverteidiger ausgeliehen werden.

Angesichts der katastrophalen Finanzlage sind Kaderplaner Michael Reschke und Sportvorstand Schneider allerdings die Hände gebunden. Das Team besteht vorerst aus einer unheilvollen Mischung von zuvor aussortierten und verliehenen Profis wie Sebastian Rudy und Mark Uth, die eigentlich lieber bei ihren früheren Clubs geblieben wären, den Rückkehrern Ralf Fährmann und Nabil Bentaleb, der abgegeben werden soll, aber bisher keinen Abnehmer findet, sowie dem wechselwilligen Weston McKennie. Der US-Boy sieht seine Zukunft nach dem nicht zustande gekommenen Transfer zu Hertha BSC in England und würde Schalke zumindest eine erkleckliche Ablöse bringen. Doch bevor nicht der erste Dominostein fällt, bleibt die Lage auf dem Transfermarkt auch wegen der selbst auferlegten Gehaltsobergrenze verzwickt.

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