Käßmann freut sich über Franziskus - Aber er wäre nie ihr Papst

Köln (dpa) - Margot Käßmann (55), EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017, freut sich über Papst Franziskus, würde ihn aber nie als ihr Kirchenoberhaupt anerkennen. Sie habe sich mit vielen Katholiken am «überraschend Neuen» gefreut, sagte die frühere Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland in einem Interview für das Buch «Wie kurieren wir die Kirche?» von Joachim Frank und Alfred Neven DuMont. «Was sind die Katholiken jetzt stolz, dass sie einen Papst haben, der ins Gefängnis geht und den Gefangenen - sogar Frauen, sogar Muslimen - die Füße wäscht!» Jahrelang hätten viele Katholiken eine Art Verteidigungshaltung eingenommen, sagte Käßmann. «Jetzt endlich können sie sich wieder unbefangen mit ihrer Kirche identifizieren.»

Sie habe aber nie den Gedanken durchgespielt, wie es wäre, katholisch zu sein. «Den Papst als Oberhaupt meiner Kirche anzuerkennen, das werde ich nie und nimmer schaffen.» Das Papsttum erzeuge zwar ein Zugehörigkeitsgefühl, das Grenzen und Nationalitäten überwinde. «Allerdings bin ich so durch und durch lutherisch, dass mir das Prinzip der Repräsentation aller durch einen Einzigen trotzdem fremd bleibt.» Der Freiheitsgedanke, dass das Gewissen höher stehe als Dogmen, Kirche, Papst und Bischof, sei faszinierend, aber auch anspruchsvoll: «Leiten heißt also gewinnen, mitnehmen, beteiligen und wertschätzen. Das ist lebensnah - auch dann, wenn es manchmal anstrengend ist.»

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