Laschet eröffnet NRW-Kontaktbüro in Israel
DPA
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Michael Kappeler/dpa
DPA

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) tritt am Samstag eine zweitägige Reise nach Israel an. Im Mittelpunkt des Besuchs steht die Eröffnung eines NRW-Kontaktbüros in Tel Aviv. Damit soll vor allem der Austausch in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Jugend und Kultur gefördert werden, wie die Düsseldorfer Staatskanzlei am Freitag ankündigte.

«Unser Büro in Israel wird die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern auf eine neue Stufe stellen», unterstrich Laschet. In keinem anderen Land habe NRW ein Büro mit einem so umfassenden Auftrag.

Die Grenzen dieser Konstruktion seien sogar mit dem Auswärtigen Amt abgesteckt worden, um jedem Anschein einer «Nebenaußenpolitik» vorzubeugen, hieß es aus der Staatskanzlei. Das Jahresbudget für die neue Anlaufstelle soll, inklusive Projektförderung, bei rund einer Million Euro liegen. Unter den anderen Bundesländern unterhält den Angaben zufolge nur Bayern ein ähnliches Büro in Tel Aviv.

Am Sonntag trifft Laschet, der sich derzeit um den Vorsitz der Bundes-CDU bewirbt, den israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin zu einem bilateralen Gespräch. Die Politiker wollen sich unter anderem über Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland austauschen und gemeinsam Zeichen dagegen setzen. Am Montag wird in Israel ein neues Parlament gewählt.

Bei seiner ersten Israel-Reise als NRW-Regierungschef im September 2018 hatte Laschet mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gesprochen. Wie damals, besucht Laschet auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Im Ben-Gurion-Haus ist zudem ein Zusammentreffen mit Enkeln des damaligen Staatsgründers geplant.

In Laschets rund 30-köpfiger Delegation mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Gesellschaft ist auch der Enkel des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Das Treffen mit den Enkeln von Adenauer und Ben Gurion soll an den Beitrag ihrer Großväter zur Aussöhnung Deutschlands mit Israel vor 60 Jahren erinnern.

Zur Delegation gehört unter anderem auch die Witwe der deutschen Fußballtrainer-Legende Hennes Weisweiler. Dessen Mannschaft Borussia Mönchengladbach hatte am 25. Februar 1970 gegen die israelische Nationalmannschaft das erste Fußballspiel nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf israelischem Boden bestritten.

Nach seiner Rückreise aus Israel fliegt Laschet am Montag direkt nach Berlin, um dort den Israel-Jacobsen-Preis 2020 der Union progressiver Juden in Deutschland entgegenzunehmen. In der Begründung heißt es, er erhalte die Auszeichnung «in Anerkennung seiner großen Verdienste für das liberale Judentum, für die Stärkung des jüdischen Lebens in Nordrhein-Westfalen in seiner ganzen Vielfalt sowie für seinen persönlichen Einsatz für Begegnung und Dialog zwischen den Religionen und Kulturen». Damit folge Laschet der Devise Israel Jacobsons: «Für den gemeinschaftlichen Fortschritt zum Besseren». Sein engagiertes Eintreten gegen Antisemitismus und Rassismus sei «Ansporn für uns alle».

NRW und Israel pflegen traditionell enge Beziehungen mit 28 Städte- sowie zahlreichen Schulpartnerschaften, Jugendbegegnungen und Stipendienprogrammen. In NRW sind nach Angaben der Staatskanzlei rund 120 israelische Unternehmen angesiedelt. Das Handelsvolumen zwischen Israel und Nordrhein-Westfalen betrug demnach zuletzt rund 800 Millionen Euro.

SOCIAL BOOKMARKS