Laumann: Arztpraxen trotz Corona nicht meiden
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Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Fabian Strauch/dpa/Archivbild
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Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Gesundheitsminister und die Kassenärzte in Nordrhein-Westfalen haben eindringlich an die Bürger appelliert, keine notwendigen Behandlungen aus Angst vor Corona zu verschieben. «Niemand muss das medizinische System meiden, aus Sorge, infiziert zu werden», versicherte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag in Düsseldorf.

Spitzenvertreter der niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte berichteten von aufgeschobenen Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen. Selbst Patienten mit chronischen Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes oder neurologischen Problemen seien vielfach nicht mehr zu notwendigen Behandlungen in den Praxen erschienen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann.

«Schieben Sie keinen Vorsorgetermin auf», mahnte der Ärztefunktionär. Untersuchungen sollten nicht verschleppt werden. «Sie müssen in den Praxen keine Angst vor Infektionen haben.»

Ähnlich äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Holger Seib. Hygiene werde in Zahnarztpraxen ohnehin groß geschrieben. Auch in Zeiten der Pandemie gebe es keinerlei Beschränkungen für Eingriffe.

«Wir können gut vorbereitet zur Regelversorgung in unseren Praxen und Ambulanzen zurückkommen», versicherte Bergmann. «Unser Gesundheitssystem ist gut aufgestellt in Deutschland und hat diese Krise bislang gut bewältigt.» Die gute aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit der Krankenhäuser und Praxen habe dazu beigetragen, dass dramatische Verhältnisse wie in Spanien und Italien hier ausgeblieben seien.

«Sechs von sieben Corona-Patienten werden im ambulanten System behandelt», sagte Bergmann. So sei eine Überlastung der Krankenhäuser vermieden worden.

Laumann bilanzierte: «Wir haben nach wie vor eine sehr kommode Situation in unseren Krankenhäusern. 2637 Intensivbetten seien noch verfügbar - davon 1822 mit Beatmung.

Die Entwicklung der Corona-Kennziffern in NRW bewege sich «in der Gesamtheit unseres Landes auf einem niedrigen Niveau», sagte Laumann. Derzeit verdoppeln sich die Corona-Infektionszahlen hier nach rund 38 Tagen. Die Reproduktionszahl - die angibt, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt - liege nach Maßstäben des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 1,14.

Bundesweit schätzte das RKI die Reproduktionszahl (R) am Montag auf 1,13. Liegt R über 1, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an - die Zahl der täglichen Neuinfektionen wird größer.

Die Gesamtzahl der Corona-Infizierten lag am Montag in NRW insgesamt bei 35 114 bestätigten Fällen. 28 700 von ihnen seien bereits genesen, 1436 seien gestorben, berichtete Laumann.

Lockerungen der coronabedingten Einschränkungen seien unter strengen Hygiene-Auflagen vertretbar, bekräftigte der Minister. «Ich glaube, das wir nicht alles über Monate mit Verboten und Geboten sichern können.»

Die Menschen müssten weiterhin eine solidarische Grundstimmung bewahren, Kontakte auf das Nötigste reduzieren und sich fragen: «Muss ich mir das jetzt antun? Muss ich da hingehen?» Das Virus sei weiterhin «allgegenwärtig» und gefährlich. Auch Bergmann warnte, wer die Lockerungen der Corona-Einschränkungen so interpretiere, dass die Pandemie nun vorbei sei, befinde sich im Irrtum.

Für die niedergelassenen Ärzte hat die Pandemie empfindliche Einbußen mit sich gebracht. Allein im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung sei die zahl der zahnärztlichen Behandlungen zwischen Mitte März und Mitte April in einigen Bereichen um über 50 Prozent eingebrochen, berichtete Seib.

Außerhalb der gesetzlichen Versicherung müsse sogar mit noch höheren Einbußen gerechnet werden. Viele Patienten, die zuzahlen müssten, hätten in den vergangenen Wochen nur das Nötigste machen lassen, da sie durch die Corona-Krise selbst in finanzielle Engpässe geraten seien.

Laumann versicherte, weltweit werde das nötige Geld bereitgestellt, um die Forschung an Corona-Medikamenten und Impfstoffen zu unterstützen. Es liege aber nicht in der Hand der Politik, sondern beim Bundesamt für Arzneimittelsicherheit, ein Medikament zuzulassen. «Und das soll auch so bleiben.» Schließlich müsse der sehnsüchtig erwartete Stoff den Menschen am Ende mehr nützen als schaden.

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