Meunier nimmt mit BVB Titel ins Visier
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Thomas Meunier, Neuzugang von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund. Foto: Alexandre Simoes/BVB/Borussia Dortmund/dpa
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Dortmund (dpa) - Schlechte Erinnerungen an Paris, große Vorfreude auf Dortmund. Nach langer Corona-Pause und seinem von juristischen Scharmützeln begleiteten Abschied aus der französischen Hauptstadt nimmt Thomas Meunier beim Fußball-Bundesligisten einen neuen Anlauf. Der bisherige BVB-Königstransfer des Corona-Sommers beweist in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur mehr Mut als die Vereinsspitze, die künftig auf die Ausgabe eines offiziellen Saisonziels verzichten will. «Wenn man sich die Qualität in unserem Kader ansieht, dann muss der Club in den kommenden Jahren einfach mal wieder was gewinnen. Und das wird uns auch gelingen», sagte Meunier.

Liebend gern hätte Meunier vor seinem Wechsel zum BVB noch mit Paris Saint-Germain um den Champions-League-Titel gekämpft, wurde von seinem ehemaligen Verein nach eigenem Bekunden aber daran gehindert. Trotz der Bereitschaft der Dortmunder Vereinsspitze, den Spieler unter Auflagen bis August abzutreten, kam es zu keiner Einigung. Dafür macht der 28 Jahre alte Außenverteidiger PSG-Sportdirektor Leonardo verantwortlich: «Leonardo hat sich zu keinem Zeitpunkt um ein Agreement mit dem BVB, geschweige denn mit mir bemüht! Er wollte, dass ich praktisch gratis für PSG auflaufe.»

Stattdessen sei ihm in einem anwaltlichen Schreiben mitgeteilt worden, dem Clubgelände fernzubleiben. Auch sein mit Hilfe eines Juristen gestarteter Versuch, nach «vier Monaten erzwungener Wettkampfpause» trainieren zu dürfen, stieß auf Ablehnung. «Daraufhin wurde mir telefonisch mitgeteilt, ich solle bloß nicht den Weg von wem auch immer kreuzen, weil ich verstörende Geschichten erzählen könnte. Typischer Fall von Realitätsverlust», klagte Meunier. «Leonardo hat der Presse in Frankreich erzählt, dass ich eine Vertragsverlängerung abgelehnt hätte. Das stimmt so aber nicht, das will ich ganz deutlich sagen.»

Ähnlich kritisch bewertete Meunier die Entscheidung, die Spielzeiten in Frankreich und Belgien wegen der Corona-Krise abzubrechen und nicht - wie in andere großen europäischen Ligen - unter Einhaltung strenger Corona-Regeln fortzusetzen. «Die Verbände haben auf diese Weise eine komplette Saison harter Arbeit und des Willens zu Gewinnen ruiniert», urteilte der belgische Nationalspieler. «Anders als der Rest der Big Five-Ligen hat Frankreich den Pragmatismus über die Organisationen der Clubs und ihr sportliches und wirtschaftliches Wohl gestellt. Für mich ein Beleg dafür, dass der Fußball in Frankreich noch immer nicht denselben kulturellen Bedeutungsgrad hat wie in anderen Ländern.»

Vor seinem Wechsel zum BVB verzichtete er wohlweislich auf die Ratschläge des aktuellen PSG- und ehemaligen BVB-Trainers Thomas Tuchel. «Wenn ich eine Entscheidung treffe, versuche ich immer in erster Linie meinem eigenen Gefühl zu vertrauen», kommentierte Meunier, der in Dortmund den zu Inter Mailand gewechselten Achraf Hakimi ersetzen soll.

Die Zusammenarbeit mit Tuchel bezeichnete Meunier als «professionell gut». Gleichwohl habe der Coach auf ihn immer so gewirkt, «als wäre er nicht komplett frei», sagte der Belgier. «Wenn du nicht Guardiola, Mourinho oder Ancelotti bist, also ein Trainer, der selbst schon alles gewonnen hat, dann musst du dich mit deinem Staff verdammt gut und schnell anpassen und kapieren, wie die Dinge laufen mit Spielern um dich herum, die auch schon alles im Fußball gewonnen haben und die jederzeit über dich und deinen Verbleib beim Club richten können.»

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