NRW nach der Spahn-Empfehlung: Was geht noch?

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Corona-Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn hat am Montag in NRW erste Wirkung gezeigt. So stellte die Deutsche Telekom ihre bevorstehende Hauptversammlung am 26. März auf den Prüfstand. «Stand jetzt wird die Hauptversammlung wie geplant stattfinden», hieß es am Montag von einem Telekom-Sprecher. «Das kann morgen aber schon wieder anders sein.» An der jährlichen Versammlung nehmen üblicherweise zwischen 2000 und 3000 Aktionäre teil. Es sei auch möglich, die Veranstaltung per Livestream im Internet zu verfolgen. Auch ihre Stimmrechte könnten die Aktionäre online wahrnehmen, sagte der Sprecher.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Wochenende empfohlen, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern wegen der schnellen Ausbreitung des neuen Coronavirus offensiver abzusagen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin»: «Großveranstaltungen haben natürlich die Neigung, dass da viel übertragen wird. Deshalb werden wir diesen Rat jetzt auch in den Ländern, bei uns in Nordrhein-Westfalen und anderswo, umzusetzen.»

Dagegen halten Event-Veranstalter vorerst an ihren Konzert-Plänen fest. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur verwiesen mehrere Großveranstalter auf das Gesundheitsamt. «Solange das Gesundheitsamt nichts absagt, sagen wir auch nichts ab. Wir können das Risiko nicht fachlich einschätzen, die Behörden schon», sagte etwa eine Sprecherin des Veranstalters Prime Entertainment, der in den kommenden Wochen mehrere Konzerte in Nordrhein-Westfalen ausrichtet. «Die Entscheidung muss vom Gesundheitsamt kommen», sagte auch eine Sprecherin des Düsseldorfer Veranstalters Concertteam.

Der nordrhein-westfälische Landtag soll in dieser Woche wie vorgesehen tagen. Eine Absage der beiden Plenartage am Mittwoch und Donnerstag sei nicht geplant, sagte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Der Landtag hat 199 Abgeordnete und rund 300 Mitarbeiter in der Verwaltung. Hinzu kommen allerdings zahlreiche Mitarbeiter der Abgeordneten sowie weitere Beschäftigte. Außerdem bewegten sich an Plenartagen bis zu 1000 Besucher über mehrere Stunden verteilt im Haus.

Der Kölner Dom darf vorerst ohne Einschränkungen offen bleiben. «Aktuell halten sich im Dom sowohl zu touristischen Zeiten als auch zu den Gottesdienstzeiten weit unter 1000 Menschen auf», teilte Domsprecher Markus Frädrich am Montag mit. Für kommende Großveranstaltungen und Gottesdienste werde man die weitere Entwicklung abwarten.

Die Entscheidung über Absagen oder Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga wegen des Coronavirus wird in Nordrhein-Westfalen wohl nicht vor Dienstag fallen. Die Stadt Mönchengladbach wollte sich am Dienstag zum Nachholspiel von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln am Mittwochabend äußern.

Unterdessen wurden am Montagnachmittag die ersten beiden Todesfälle im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit bekannt. Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen in NRW stieg am Montag (Stand: 10.00 Uhr) auf 515. Das sind 31 mehr als am Vortag, wie aus den Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums hervorging. Die Zahl aus dem am stärksten betroffenen Kreis Heinsberg betrug am Montagmorgen 292. Bundesweit gab es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Montag (Stand: 08.00 Uhr) 1112 nachgewiesene Corona-Infektionen.

SOCIAL BOOKMARKS