NRW.Bank sieht Wirtschaft im Land vor schwerer Rezession
DPA
Auf einer Scheibe im Eingangsbereich ist der Schriftzug "NRW.Bank" zu lesen. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild
DPA

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalen droht nach Einschätzung der NRW.Bank als Folge der Corona-Pandemie eine schwere Wirtschaftskrise. Der Konjunkturindikator der Bank, das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima, ist im April auf ein neues Allzeittief gefallen. Mit minus 40,5 Punkten sei der bisherige Tiefstand von minus 25,8 Punkten aus der Finanz- und Eurokrise 2009 deutlich unterschritten worden, teilte die Bank am Mittwoch mit. Damit rutsche die nordrhein-westfälische Wirtschaft durch die Corona-Krise erstmals seit elf Jahren wieder in eine Rezession.

«Die Coronapandemie hat die Wirtschaft bis ins Mark getroffen», sagte Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der landeseigenen Förderbank. Bereits jetzt zeichne sich ein deutlicher Rückgang des Bruttoinlandprodukts in NRW ab. Die Rezession dürfte selbst bei einer weiteren Lockerungen der Schutzmaßnahmen «um einige Prozentpunkte stärker ausfallen als im Krisenjahr 2009, wo die regionale Wirtschaft bereits um 5,4 Prozent schrumpfte».

Besonders schlecht seien die Aussichten im Dienstleistungsbereich - vor allem im Gastgewerbe. Keine andere Branche in NRW steht noch schlechter da. Seit Februar sei das Geschäftsklima in der Gastronomie um mehr als 100 Punkte eingebrochen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW befürchtet, dass etwa einem Drittel der rund 51 000 Betriebe im Bundesland wegen Corona das Aus droht. Das Gastgewerbe brauche deshalb ein Rettungspaket mit direkten Hilfen, die auch nach den ersten Lockerungen wirkten, hat Dehoga NRW gefordert.

Auch in der Industrie ist das Geschäftsklima laut NRW.Bank dramatisch eingebrochen. Vor allem den Möbelherstellern gehe es schlecht. Aber auch die Metallbranche und der Kraftwagenbau blickten äußerst pessimistisch in die Zukunft. Lichtblicke gebe es hingegen in der Ernährungsindustrie sowie in der Chemie.

In vielen Wirtschaftsbereichen bereiteten die Personalabteilungen einen Stellenabbau vor. In der Industrie setze sich der Abwärtstrend, der bereits vor der Krise begonnen habe, verstärkt fort. Auch der bisher boomende Bausektor könne sich der negativen Beschäftigungsdynamik nicht entziehen, heißt es. Einzig das Grundstücks- und Wohnungswesen erwarte steigende Beschäftigtenzahlen.

Weil viele Unternehmen Kurzarbeit angemeldet hätten, sei ein heftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit in NRW zunächst aber nicht zu erwarten, berichtete die Bank. Im April war die Zahl der Arbeitslosen in NRW gegenüber dem Vormonat um fast 11 Prozent auf mehr als 718 000 Menschen gestiegen. Fast 152 000 Betriebe hatten nach Angaben der NRW-Direktion der Bundesagentur für Arbeit Pläne angemeldet, möglicherweise mehr als 2,1 Millionen Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. I

SOCIAL BOOKMARKS