Nach Wochen endlich wieder Besuch: Heime öffnen behutsam
DPA
Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild
DPA

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nach rund sechs Wochen Besuchsverbot können die rund 170 000 Menschen in NRW-Alten- und Pflegeheimen aufatmen: Das strikte Besuchsverbot wegen der Corona-Krise wird ausgerechnet zum Muttertag (10. Mai) aufgehoben. Vor allem die Angehörigen hätten enorm auf eine Lockerung der Kontaktsperren gedrungen, berichten Praktiker. NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat aber strenge Schutzauflagen erlassen.

Heime testen schon seit Tagen kreative Lösungen etwa mit «Besucherfenstern» mit Plexiglas und «Gesprächscontainern», um Bewohnern kurze Besuche ohne Risiko nach der bisherigen Rechtslage zu ermöglichen. Jetzt bereiten sich Altenheime auf die Öffnungen nach der neuen Richtlinie vor. In den Einrichtungen werden Tische verschoben, Flatterbänder gespannt und Desinfektionsstationen eingerichtet. Einige Beispiele aus der Praxis:

BESUCHERFENSTER

Im St. Johannes-Altenheim in Balve im Sauerland können sich Bewohner seit einer Woche in der Cafeteria im Erdgeschoss durch ein «Besucherfenster» mit ihren Verwandten unterhalten. Ein Fenster wird geöffnet und zum Schutz eine Plexiglasscheibe installiert. Die Besucher sitzen draußen geschützt unter einem Windfang. Der Abstand ist gewahrt, beide tragen Mundschutz. Umarmen bleibt natürlich weiter unmöglich - dennoch: «Die Angehörigen sind total begeistert, sich endlich wieder zu sehen», sagt Heimleiter Franz-Josef Rademacher. Praktisch alle 30-minütigen Gesprächstermine zwischen 9 und 18 Uhr würden genutzt. Besucher dürfen sogar Tiere mitbringen - für viele alte Menschen ein wichtiger Trost.

GESPRÄCHSCONTAINER

In einer «Vertellbud» können sich in Mönchengladbach Bewohner von Altenheimen und ihre Besucher virensicher treffen. Die Besuchscontainer stehen seit gut einer Woche vor jedem der sieben kommunalen Altenheime. Zwischen 9 und 18 Uhr sind Begegnungen im Halbstundentakt möglich. «Das läuft super», sagt Helmut Wallrafen, der Geschäftsführer der städtischen Sozial-Holding. Das Angebot sei zu 90 Prozent ausgebucht. Es sei eine rechtlich zulässige und sichere Möglichkeit zur Begegnung zwischen Bewohnern und Angehörigen.

Vor jedem Heim stehen die Container mit einigen Metern Abstand. Es gibt zwei Eingänge, innen trennt eine Kunststoffscheibe beide Seiten. Damit man miteinander sprechen kann, ist ein Mikrofon eingebaut. Vor schmalen Fenstern hängen Gardinen. 20 Minuten haben Bewohner und ihre Gäste Zeit. Dann wird der Raum desinfiziert. Das übernehmen die Helfer des Freiwilligen Sozialen Jahres. Wallrafen betont, es sei eine Behelfslösung, bis wieder normale Besuchskontakte möglich sind.

GESPERRTE KANTINE WIRD GESPRÄCHSRAUM

Das Malteserstift St. Bonifatius in Essen baut gerade seine wegen der Corona-Krise gesperrte Kantine zu einem Begegnungsraum um. Maximal zwei Besucher pro Bewohner bekommen am Eingang eine von Mitarbeitern selbst genähte Maske, tragen sich in eine Liste ein und werden zu einem Begegnungsplatz geführt - mehrere Tische voreinander, die den Abstand sichern, Flatterband entlang des Weges und Abtrennungen zwischen den nur drei Plätzen in der ganzen Kantine. Plexiglasscheiben sollen noch installiert werden. Dann gibt es 20 Minuten für schmerzlich vermisste Unterhaltungen, 10 Minuten lang wird danach desinfiziert.

Auch die Essener Einrichtung rechnet mit erheblichem Andrang. «Viele Außenstehende können es nachvollziehbarerweise kaum erwarten, ihre pflegebedürftigen Angehörigen wiederzusehen», sagt die Malteser-Sprecherin Olga Jabs. Wer nicht schnell genug einen Termin bekommt: Das Altenheim nimmt für den Muttertag auch Präsente entgegen und gibt sie an die Bewohner weiter, sagt Jabs.

SOCIAL BOOKMARKS