Neues Handyvideo im Fall des erschossenen Esseners

Essen (dpa/lnw) - Im Fall des Mitte Juni in Essen von einem Polizisten erschossenen 32-Jährigen ist ein Handyvideo aufgetaucht, das die Vermutung, der Beamte habe in Notwehr gehandelt, anders darstellen soll. Auf dem Video ist zu sehen, wie Polizisten auf die Tür des Mehrfamilienhauses zulaufen und dagegen treten. Kurz darauf fällt ein Schuss - ein Mann schreit mehrmals auf. «Messer weg» schreit ein Polizist. Zuvor hatte die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» (WAZ) berichtet.

Der 32-Jährige habe am 18. Juni zunächst gedroht, sich umzubringen, erklärte die Polizei damals. Laut Staatsanwaltschaft versuchte er zudem, in die Wohnung seiner Familie einzudringen, woran ihn die Beamten vor Ort hindern wollten. Bevor der Schuss abgegeben wurde, habe ein Polizist einen Fuß in der Haustür gehabt. Der Mann war demnach im Hausflur gestanden und hatte versucht, den Beamten am Eindringen zu hindern. Er hatte außerdem ein Messer bei sich.

«Die Notwehr ist nicht vom Tisch», sagte Staatsanwältin Anette Milk am Mittwoch. «Aus dem Video ist nicht zwingend der Schluss zu ziehen, dass es keine Notwehrlage gewesen wäre», erklärte Milk weiter. Das nun aufgetauchte Handyvideo lag der Polizei nach eigenen Angaben schon länger vor. Aus der Aktenlage gehe aber nicht hervor, dass die Polizei es gelöscht hatte. Milk zufolge sollen die Beamten die Datei per Kabel übertragen und dann mitgenommen haben.

Unterdessen fordern SPD und Grüne im Düsseldorfer Landtag die Aufklärung des Vorfalls. «Die Vorwürfe, die hier im Raum stehen, sind ungeheuerlich», sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hartmut Ganzke, der «Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung» (NRZ/Donnerstag).

Laut Staatsanwaltschaft steht eine abschließende Bewertung des Falls noch aus. Darin soll geklärt werden, ob der Polizist in Notwehr handelte oder es eine Nothilfe etwa für die in der Wohnung befindliche Familie war. Bis dahin soll unter anderem durch ein toxikologisches Gutachten geklärt werden, ob das Opfer etwa unter Drogen gestanden hatte und wie berechenbar es damals gewesen war, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

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