Präses mahnt zu Dominanzverzicht: «Diasporafähig werden»
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Präses Manfred Rekowski. Foto: Thomas Frey/dpa/Archiv
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Düsseldorf (dpa) - Dominanzverzicht und Kooperationen mit anderen Institutionen: Das sind Aufgaben der Evangelischen Kirche im Rheinland angesichts sinkender Mitgliederzahlen, wie ihr scheidender Präses Manfred Rekowski am Montag in Düsseldorf in seinem letzten Jahresbericht in dieser Funktion betont hat. «Wir müssen lernen, unseren Auftrag als Kirche unabhängig von unserer Größe - unserem Mitgliederbestand - und unserer Finanzkraft wahrzunehmen», unterstrich er beim Auftakt der Synode der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland.

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt deutschlandweit seit Jahren. Beispielsweise waren 2019 aus der rheinischen Landeskirche - die sich auch auf Teile von Rheinland-Pfalz, Hessen und des Saarlands erstreckt - rund 28 500 Menschen ausgetreten. Die Landeskirche hat rund 2,45 Millionen Mitglieder.

Die Kirche habe in ihrer langen Geschichte sehr unterschiedliche Phasen durchlaufen, so Rekowski. «Wir bewegen uns in unserer Zeit von dem einen zum anderen, wir müssen lernen, diasporafähig zu werden.» Dies schmälere nicht den Auftrag der Kirche. Bei dem Prozess könne auch über die Struktur der Landeskirche nachgedacht werden. Es dürfe keine Tabus geben.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hält ihre Synode bis Freitag ab - wegen der Corona-Pandemie komplett digital. Der 62-jährige Wuppertaler Theologe Rekowski geht nach achtjähriger Amtszeit in den Ruhestand, am Donnerstag wählt das Kirchenparlament eine Nachfolge. Zur Wahl stehen drei Kandidaten - zwei Männer und eine Frau. Kürzlich hatte Rekowski bekanntgegeben, dass er seit zwei Jahren an einer chronischen Leukämie erkrankt sei, die er aber dank Medikamenten im Griff habe.

In seinem letzten Rechenschaftsbericht als Präses äußerte er sich wie üblich zu mehreren aktuellen Themen: Das zum Jahresbeginn zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in Kraft getretene Kirchengesetz bedeute eine «neue Phase der Verbindlichkeit», wobei sich die rheinische Landeskirche schon seit 2003 für einen möglichst wirkungsvollen Schutz einsetze. Konzepte müssten von allen Ebenen entwickelt und mögliche Lücken in der Nachverfolgung von begründeten Verdachtsfällen geschlossen werden. Bei der Zahlung von Schmerzensgeldern orientiere man sich an den gerichtlichen Vorgaben, im Einzelfall könnten dies derzeit bis zu rund 50 000 Euro sein.

Mit Blick auf die Corona-Regeln sprach sich Rekowski grundsätzlich bei Hygienekonzepten gegen ein Verbot von Präsenzgottesdiensten aus. Gleichzeitig könne es bei konkreten Gefährdungssituationen «eine verantwortliche lokale und regionale Entscheidung sein, freiwillig auf präsente Gottesdienstangebote zu verzichten».

Auch rief der Präses dazu auf, sich gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise für die Schwächsten einzusetzen. Sie würden von der Pandemie besonders getroffen, sagte er. Dies gelte für Deutschland, «aber noch viel mehr für die ganze Welt». So fehlten in ärmeren Ländern vielen Menschen wichtige Einnahmen, da Handelswege und Touristenströme unterbrochen worden seien. Zudem müssten derzeit Flüchtlinge am Rande der EU «unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen». Dies sei nicht zu dulden. Die Pandemie treffe alle, aber in sehr unterschiedlicher Weise. «Wir dürfen nicht die Menschen aus dem Auge verlieren, die schon alles verloren haben», mahnte Rekowski.

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