Rot-Grün: Berlin trägt Verantwortung für Castortransporte

Jülich/Ahaus (dpa/lnw) - Im Streit über den Jülicher Atommüll macht die rot-grüne Regierung in Nordrhein-Westfalen die Bundesregierung für die geplanten Castortransporte quer durchs Land verantwortlich. Derartige Transporte seien nicht hinnehmbar, sagte Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) am Donnerstag im Sender WDR 2. Der Bund hatte als Mehrheitsgesellschafter des Forschungszentrums in einer Aufsichtsratssitzung den Transport der hochstrahlenden Abfälle ins Zwischenlager Ahaus durchgesetzt.

Die Entscheidung zum Abtransport bedeute, dass über eineinhalb Jahre hinweg Castor-Behälter unter hohem Aufwand über die Straße nach Ahaus gebracht werden müssten, sagte Remmel. Das Land müsse allein für die Sicherung durch die Polizei 50 bis 60 Millionen Euro kalkulieren.

Der Jülicher Atommüll besteht aus 300 000 Brennelementkugeln aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR). Die tennisballgroßen Kugeln haben eine hohe Strahlung und sind daher sehr gefährlich. Sie werden in 152 Castor-Behältern auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich gelagert. Die Genehmigung dafür läuft im Juni 2013 aus.

Atomgegner sehen in der Lagerung in Ahaus auch keinen Sicherheitsgewinn. «Der sicheren Endlagerung kommt man damit keinen Schritt näher», sagte Matthias Eickhoff von der Initiative Sofortiger Atomausstieg Münster. In Jülich seien die Behälter besser aufgehoben. Dort gebe es im Gegensatz zu Ahaus eine Vorrichtung, um beschädigte Behälter zu öffnen und zu reparieren.

Dagegen versicherte das Bundesforschungsministerium, ein Höchstmaß an Sicherheit könne nur durch die Aufbewahrung im Zwischenlager Ahaus gewährleistet werden, Ahaus entspreche schon jetzt dem Stand von Wissenschaft und Technik. Der für eine Fortsetzung der Lagerung in Julich notwendige Neubau sei kurzfristig nicht möglich. Die NRW-Landesregierung nehme mit ihrer Forderung erhebliche Sicherheitsrisiken billigend in Kauf. Beim Bau eines neuen Zwischenlagers würde der strahlende Abfall weitere 50 Jahre in Jülich lagern.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa, die offiziell nicht bestätigt wurden, müssten für eine weitere Lagerung in Jülich rund 40 Millionen Euro investiert werden. Die Betriebskosten für die nächsten 30 Jahre werden mit über 140 Millionen Euro kalkuliert.

Alle weiteren Informationen seien sicherheitsrelevant, teilte das Forschungszentrum (FZJ) mit und machte auch keine Angaben zur räumlichen Größe des jetzigen Lagers. Das Forschungszentrum verfügt über einen eigenen Bahnanschluss. Die Behälter sind nach Angaben des Zentrums grundsätzlich für den Transport auf der Schiene oder Straße geeignet.

Forschungszentrum zum Transport

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