Städte müssen «Fundkatzen» versorgen

Ascheberg (dpa/lnw) - Wer muss sich um aufgegriffene Katzen kümmern? Eine Gerichtsentscheidung in einem Streit um «Fundkatzen» zwischen einem Jäger und der Gemeinde Ascheberg im Münsterland sorgt für Wirbel. Das Verwaltungsgericht Münster hatte am Donnerstag angeordnet, dass sich das Fundbüro der Kommune im Münsterland um zwei Katzen kümmern muss, die dem Jäger in eine Lebendfalle gegangen waren. Er war vor Gericht gezogen, als das örtliche Fundbüro die erste Katze nicht aufnehmen wollte.

Die Kommune sei sehr wohl zuständig für die Versorgung des Tieres, befand jedoch der Richter. Katzen seien Haustiere, heißt es in dem Gerichtsbeschluss. Daran ändere sich nichts, wenn sie herumstreunten oder gar verwilderten. Es könne nicht einfach unterstellt werden, dass es keinen Besitzer mehr gebe oder dass dieser das Tier verbotenerweise ausgesetzt habe.

Im Gegenteil: Die betreffende Katze mache einen «überaus gepflegten und wohlgenährten Eindruck» und sei nicht scheu. Auch im Sinne des Tierschutzes sei das Tier daher als Fundsache und nicht als herrenloser Gegenstand zu bewerten. Damit ist das Fundbüro zuständig. «Hier ist ein Einzelfall entschieden worden», betonte der Gerichtssprecher.

Anders sieht das der Landesjagdverband, der das Urteil als musterhaften Erfolg verbucht: Die Entscheidung schaffe Rechtssicherheit und spiele die Verantwortung für das «Katzenproblem» zurück an die Kommunen. Die Hauskatzen in den Fallen der Jäger stellten «unerwünschten Beifang dar, um den sich künftig die Gemeinden kümmern müssen», wie der Verband in einer Mitteilung klarstellte.

Streunende Katzen, die Bodenbrüter und Singvögel reißen könnten, sind den Jägern ein Dorn im Auge - erst recht, seit ihr Abschuss verboten ist. «Das Katzenproblem hat sich verschärft, seit Jäger die wildernden Katzen nicht mehr dem Naturkreislauf entnehmen dürfen», sagte ein Verbandssprecher am Freitag. Andere Maßnahmen wie Registrierungs- oder Kastrationsprogramme seien bislang nicht getroffen worden. Das müssten nun Natur und die Kommunen ausbaden.

Eine Welle von «Fundkatzen» befürchtet man in Ascheberg - auch über die Gemeindegrenzen hinaus, wie der Vize-Bürgermeister Alexander Ruhe am Freitag sagte. Im ländlichen Raum gebe es viele streunende Katzen, ihre Versorgung in einem Tierheim koste die Stadt pro Tier mindestens 200 Euro.

Sofern es es nun Schule mache, dass verwilderte Katzen als Fundtiere zu den Ordnungsbehörden gebracht werden, seien zudem die Kapazitäten in den Tierheimen schnell erschöpft, fürchtet er. «Das werden spannende Wochen für ländliche Kommunen», so Ruhe. Allein um Ascheberg seien 50 bis 100 Streuner unterwegs, schätzt er. Derzeit prüfe die Gemeinde gemeinsam mit dem Städte- und Gemeindebund und dem Kreis, ob man gegen den Gerichtsbeschluss vorgehen will.

PM zur Verabschiedung des Landesjagdgesetzes

PM Landesjagdverband

Broschüre zum Landesjagdgesetz

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