«Starker Jahrgang»: Theatertage präsentieren acht Stücke
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Das Foto zeigt den Schriftzug vom Theater an der Ruhr. Foto: Roland Weihrauch/dpa/Archivbild
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Mülheim/Ruhr (dpa) - Wegen der hohen Qualität zahlreicher neuer deutschsprachiger Theaterstücke präsentieren die Mülheimer Theatertage in diesem Jahr acht anstatt wie üblich sieben Stücke. «Wir haben es mit einem hitverdächtig starken Jahrgang zu tun. Wir hätten von der Qualität her wirklich noch vier, fünf Stücke mehr einladen können», sagte die Sprecherin des Auswahlgremiums, Christine Dössel, am Dienstag in Mülheim. «Das Drama lebt und ist reger denn je», meinte sie. Die Theatertage dauern in diesem Jahr vom 16. Mai bis zum 6. Juni. Aufgeführt werden jeweils die Uraufführungs-Inszenierungen.

Eingeladen werden unter anderem die Aufführungen neuer Werke von Ewald Palmetshofer (Die Verlorenen), Kevin Rittberger (IKI. radikalmensch) und Felicia Zeller (Der Fiskus). Drei Autoren sind zum ersten Mal in Mülheim dabei. «Liebe - Eine argumentative Übung» der in Berlin lebenden Israelin Sivan Ben Yishai sei ein «Stück feministischer Selbsterkundung», in dem es um weiblichen Sex gehe, sagte Dössel. In «Bookpink» von Caren Jeß aus Schleswig-Holstein geht es in sieben Episoden über menschliche Irrungen und Wirrungen, festgemacht an 36 tierischen Protagonisten. Der als Sohn koreanischer Eltern in Berlin geborene Bonn Park ist mit der Horrorgroteske «Das Deutschland» vertreten, in dem es ums Deutschsein geht.

«Schwarzwasser» von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Stücke in Mülheim bereits 20 Mal dabei waren, wurde nicht eingeladen. «Nicht weil es ein schwaches Stück wäre», sagte Dössel. Man habe aber neuen, jungen Stimmen den Vorrang gegeben.

Hauptthemen der gesichteten Stücke seien Klimawandel, Künstliche Intelligenz, die Geschlechterbeziehung sowie «DerDieDasFremde», sagte Dössel. Viele Stücke befassten sich auch mit Themen wie Demokratiekrise, Neue Rechte oder der Kluft zwischen Arm und Reich. Dössel stellte ein «ungemein breites Spektrum» fest. Es zeige, «wie rege und nah am Puls der Zeit das zeitgenössische Drama ist».

Insgesamt nahm das aus fünf Kritikern bestehende Auswahlgremium 110 Theatertexte, die zwischen Februar 2019 und Februar 2020 uraufgeführt wurden, näher unter die Lupe. Am Ende der Theatertage bestimmt eine Jury in einer öffentlichen Debatte, welcher Autor den mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis erhält. Veranstalter des Festivals sind die Stadt Mülheim und das Kulturministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Festival-Etat 2020 beträgt nach Angaben von Festivalleiterin Stephanie Steinberg rund 800 000 Euro. Das Land NRW habe seinen Anteil in diesem Jahr um 100 000 auf 350 000 Euro erhöht. Der Bund gebe 130 000 Euro.

Bereits zum elften Mal gibt es in diesem Jahr parallel auch einen «KinderStücke»-Wettbewerb. Dazu werden fünf Theaterstücke eingeladen (25.-29. Mai). Der Gewinner erhält dort ebenfalls 15 000 Euro. Debütantin ist dort die in Wien lebende Anah Filou mit «Am Hafen mit Vogel» über die Ersterfahrung des Fliegens.

Mit welchem Stück die Theatertage eröffnen, steht noch nicht fest. Die Bühnen und die Autoren wurden wie üblich erst am Tag der Veröffentlichung über die Juryentscheidung informiert.

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