Tempo 30: Münster stimmt über Lärmaktionsplan ab
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Autos fahren an einem Verkehrsschild vorbei, das Tempo 30 anzeigt. Foto: J. Stratenschulte/Archiv
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Münster (dpa/lnw) - Am Mittwoch ist es nun voraussichtlich so weit: Der Rat der Stadt Münster stimmt nach jahrelanger Diskussion über den Lärmaktionsplan ab. Der Plan sieht - neben anderen Maßnahmen - die Einführung von Tempo 30 auf neun Straßen in der Innenstadt vor. So soll der Straßenlärm gesenkt und die Gesundheit der Anwohner geschützt werden.

Lärmschutz ist nicht nur in Metropolen wie Düsseldorf ein Thema - eben auch in kleineren Kommunen wie im grünen Münster wird es manchem Anwohner zu laut. Und das hat für die Betroffenen Folgen: Wer direkt an einer sehr lauten Straßen wohnt, kämpft laut Umweltbundesamt häufig nicht nur mit Schlafproblemen. Die Betroffenen sind immer wieder auch in ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Denn Lärm bedeutet für den Körper Stress.

Vor Jahren hat die EU die Umgebungslärmrichtlinie verabschiedet - darin gibt sie den Mitgliedstaaten auf, in Ballungsorten den Umgebungslärm zu messen und ihn dann in einem zweiten Schritt zu bekämpfen. Seitdem werden in Deutschland in den Kommunen die sogenannten Lärmkarten erstellt und Lärmaktionspläne verabschiedet.

NRW ist in diesem Prozess weiter als viele andere Bundesländer: Nach den aktuellsten Zahlen zum Stichtag 1.1.2015 haben in NRW laut dem Umweltbundesamt von 396 Gemeinden 374 eine Lärmkartierung durchgeführt. 292 Gemeinden haben eine Meldung zur Lärmaktionsplanung abgegeben. Und in 159 Gemeinden wurden infolge des Aktionsplans Maßnahmen getroffen. Das ist laut Umweltbundesamt ein Wert von 54 Prozent. Im Durchschnitt der Bundesländer sind es 39 Prozent.

«Die Einführung von Tempo 30 ist für die Stadt eine sehr kostengünstige Möglichkeit», sagt Münsters Nachhaltigkeitsdezernent Matthias Peck (Grüne). Aber es wird auch andere Maßnahmen geben. Ein Beispiel: So soll zum Beispiel bei Straßen die Oberfläche ausgetauscht und ein lärmmindernder Asphalt eingesetzt werden.

Nicht nur Münster reduziert das Tempo: «NRW-weit haben sich 44 Kommunen im Rahmen eines Lärmaktionsplans für die Senkung von Tempo 50 auf Tempo 30 innerorts entschieden», sagt René Usath vom Verkehrsministerium NRW. Möglicherweise sind es sogar mehr.

Die Maßnahme ist durchaus umstritten. Viele Autofahrer sind nicht erfreut. «Tempo 30 ist aber sehr gut geeignet, um den Lärm zu reduzieren», sagt Thomas Myck vom Umweltbundesamt. Laut deren Erhebungen bringt die Reduzierung innerorts im Mittel eine Lärmminderung von 2 bis 3 Dezibel. Der richtige Untergrund bringt allerdings deutlich mehr. Ein Beispiel: Verkehr bei Tempo 30 ist auf Pflaster im Schnitt 2 bis 3 Dezibel lauter als auf Asphalt.

Der ADAC hält dagegen Tempo 30 nicht für eine wirksame Maßnahme, um Lärm zu reduzieren. Für das menschliche Gehör sei eine Lärmreduzierung erst ab 3 Dezibel wahrnehmbar, argumentiert Roman Suthold vom ADAC NRW.

Tempo 30 innerorts ist jedoch nicht nur in Sachen Lärmminderung in der Diskussion: Die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, hatte im Frühjahr 2017 gefordert, auf allen Straßen innerorts generell statt Tempo 50 Tempo 30 einzuführen. «Das erhöht die Verkehrssicherheit und verbessert die Luftqualität», argumentiert Detlev Lipphard vom Verkehrssicherheitsrat. Die Gegner wie Suthold vom ADAC ziehen das in Zweifel. Mehrere Länder und Kommunen experimentieren inzwischen mit Tempo 30 innerorts. Einen Modellversuch gibt es seit kurzem in Niedersachsen, aber auch etwa in Berlin und Hessen gibt es ähnliche Überlegungen.

In Münster ist von einer generellen Einführung von Tempo 30 auf Hauptverkehrswegen innerorts nicht die Rede. «Die Verabschiedung des Lärmaktionsplans ist nicht der Versuch, generell Tempo 30 in der Innenstadt einzuführen», stellt Peck klar. Durch die Verringerung sollen 3090 Einwohner um 2 Dezibel beim Lärm entlastet werden, heißt es in der Beschlussvorlage für den Rat. Insgesamt sollen rund 10 000 Menschen von den Maßnahmen des Lärmaktionsplans direkt profitieren. Käme der Plan im Rat durch, ginge es in Münster voraussichtlich im Frühjahr 2019 auf einigen Strecken los.

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