Terrorprozess gegen Abu Walaa zieht sich weiter in die Länge
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Abu Walaa, mutmaßlicher Anführer des Islamischen Staates (IS) in Deutschland, steht in einem Gerichtssaal. Foto: Holger Hollemann/Archiv
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Celle (dpa/lni) - Der Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, zieht sich weiter in die Länge. Die Verhandlungstermine seien inzwischen bis zum August festgesetzt und ein Prozessende nach dann fast zwei Jahren sei noch nicht absehbar, teilte das Oberlandesgericht Celle am Montag mit. Der Iraker und vier Mitangeklagte müssen sich wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben. Die Angeklagten haben bislang zu den Vorwürfen geschwiegen.

Maßgeblich im Prozess war bislang die Aussage eines Kronzeugen, der als Jugendlicher in islamistische Kreise geriet und nach eigener Schilderung mit Hilfe von Abu Walaas Netzwerk nach Syrien ausreiste. Später wandte er sich vom IS ab und kooperierte mit den Behörden. Darüber hinaus stützte sich der Prozess auf einen V-Mann des Landeskriminalamtes, der seit langem in der islamistischen Szene im Einsatz ist und Abu Walaa lange auf den Fersen war.

Viele Angaben der beiden untermauerten zwar die Anschuldigungen der Anklage. Etliche aber erwiesen sich als wackelig oder ließen sich nicht gerichtsfest nachweisen, zumal der V-Mann nicht selber befragt werden konnte, sondern nur die LKA-Beamtin, die ihn anleitet.

Inzwischen wird seit Anfang Dezember und voraussichtlich noch den gesamten Januar ein weiterer wichtiger Zeuge gehört, der sich während des laufenden Prozesses aus der Haft heraus bei den Behörden meldete. Es handelt sich um einen 19-Jährigen, der für seine Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag auf einen Sikh-Tempel in Essen im Jahr 2016 verurteilt wurde. Nach seiner Aussage befürwortete Abu Walaa Anschläge und die Ausreise junger Leute zum Islamischen Staat.

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