WDR: Bedingungen für Protagonisten von Komparsen-Website

Köln (dpa) - WDR-Journalisten dürfen sich nach den Worten von Chefredakteurin Ellen Ehni nur unter strengen Bedingungen Protagonisten von einer Komparsen-Website suchen. Denkbar sei, dass eine Redaktion für einen Magazinbeitrag einer Servicesendung eine Familie brauche, die bereit sei, eine Woche lang eine bestimmte Matratze zu testen, sagte Ehni am Freitag in Köln. Da sei es legitim, sich diese Familie über eine Komparsen-Website zu suchen. «Aber wenn der Kerninhalt dessen, worüber wir berichten, innerste, persönliche Geschichten sind, dann ist es für mich nicht zulässig zu sagen: Wir gehen über eine Seite, auf der auch fiktionale Geschichten angeboten werden.»

Im vergangenen Monat hatte der WDR bestätigt, dass zwei Mitwirkende aus Filmen der Doku-Reihe «Menschen hautnah» über eine Komparsenwebsite gewonnen worden waren. Für ein so besonderes dokumentarisches Format wie «Menschen hautnah» sei eine solche Art der Recherche für sie grundsätzlich ausgeschlossen, sagte Ehni dazu. Von der Autorin hatte sich der WDR nach Bekanntwerden der Vorwürfe getrennt. Dies wurde unter anderem damit begründet, dass die freie Journalistin die Redaktion über ihr Vorgehen nicht informiert habe. Außerdem habe sie Aussagen von Protagonisten in unzulässiger Weise zugespitzt. Die Autorin selbst betont, dass die Geschichten völlig authentisch gewesen seien, auch wenn sie die Protagonisten über die Website gewonnen habe. Über die Website werden nicht nur Statisten für Filme vermittelt, sondern auch Menschen, die - nach eigenen Angaben - authentische Geschichten zu erzählen haben.

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