WDR spart «Lokalzeit» am Samstag ein

Köln (dpa/lnw) - Der Westdeutsche Rundfunk will jedes Jahr 100 Millionen Euro einsparen, und das hat erste Folgen fürs Programm: Vom nächsten Jahr an entfällt die «Lokalzeit» am Samstag. Die beliebte Sendung im WDR Fernsehen mit aktuellen Berichten aus der jeweiligen Region werde dann nur noch von montags bis freitags laufen, kündigte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn am Dienstag in Köln an. «Wir könnten uns sonst die elf Lokalzeiten auf Dauer nicht leisten», sagte er. Einen Rückzug aus der Region wolle der WDR aber wenn irgend möglich verhindern.

WDR-Intendant Tom Buhrow hatte vor zwei Wochen die Streichung von 500 Stellen angekündigt, weil es im Etat des Senders von 2016 an eine jährliche Lücke von 100 Millionen Euro gebe. Bis zum Jahr 2020 soll jede zehnte Stelle in der größten ARD-Anstalt wegfallen. Man würde sich «in die Tasche lügen», wenn man glauben würde, dies könne ohne jede Auswirkung auf das Programm bleiben, sagte Buhrow am Dienstag.

Hörfunkdirektorin Valerie Weber betonte, die 500 Stellen machten noch nicht einmal die Hälfte des Sparvolumens von 100 Millionen Euro aus. Auf die Mehreinnahmen aus dem Rundfunkbeitrag darf der WDR ebenso wie die anderen öffentlich-rechtlichen Sender nicht zugreifen. «Wir verfügen nicht darüber», sagte Buhrow. «Deshalb müssen wir an unserem Sparkurs festhalten.»

Auf die Frage, ob noch mehr Stellenstreichungen drohten, sagte Buhrow: «Ich glaube, dass wir mit dem, was wir jetzt an Kraftanstrengung vor uns haben, weitestgehend sicherstellen, dass es nicht zu weiterem Stellenabbau kommt.» Voraussetzung dafür sei, dass es keinen unvorhergesehenen Einbruch bei den Einnahmen gebe.

Schönenborn verteidigte die hohen Ausgaben für die Übertragungsrechte von Sportereignissen wie jetzt von der Fußball-WM. Es sage auch etwas über den Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft aus, dass solche Spiele frei verfügbar seien und nicht nur im Pay TV liefen. Wichtige Fußballspiele verbänden so viele Menschen wie kein anderes Ereignis: «Das ist ein Erleben, das die Gesellschaft möchte und das sie auch prägt.» Dabei schaue man in der ARD sehr genau hin, für welche Spiele man wie hoch mitbiete.

Buhrow, der seit genau einem Jahr an der Spitze des WDR steht, sagte, es sei ihm wichtig, dass der Sender trotz aller Sparanstrengungen in Bewegung bleibe. «Wir sind keine Burg mit hochgezogenen Zugbrücken.» Beim WDR würden auch ungewöhnliche Formate erprobt - so verwies er auf eine neue Comedysendung mit Jan Böhmermann.

Als Buhrow vor gut einem Jahr zum Intendanten gewählt worden war, hatte er verkündet: «Ich bring die Liebe mit.» Dazu sagte der ehemalige «Tagesthemen»-Moderator nun, er habe damit eine «Verantwortungsliebe für den WDR» gemeint. Das bedeute nicht, nur immer lieb und nett zu sein, sondern das zu tun, was zum Besten des WDR sei. Schönenborn bestätigte: «Diese Liebe, die viele, wenn nicht alle im WDR verspüren, die finde ich geweckt.»

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