Wegen Boykott: Aachen zieht sich aus Kunstpreis zurück
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„Scratching on Things I Could Disavow. A History of Arab Art (Walls), Letters tot he Reader“ von Walid Raad. Foto: Uli Deck/Archivbild
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Aachen (dpa/lnw) - Die Stadt Aachen will ihren Kunstpreis wegen Antisemitismus-Vorwürfen nicht wie geplant an den libanesisch-amerikanischen Künstler Walid Raad überreichen. Man ziehe sich aus der Verleihung, die traditionell gemeinsam mit dem Kunstfreundeverein des Ludwig Forums sowie der Aachener Wirtschaft vergeben werde, in diesem Jahr zurück, hieß es in einer Mitteilung von Montag.

«Wir müssen nach entsprechenden Recherchen davon ausgehen, dass der designierte Preisträger Anhänger der BDS-Bewegung ist und mehrfach an Maßnahmen zum kulturellen Boykott Israels beteiligt war», sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) in der Begründung. Darauf angesprochen, habe sich Raad auch nicht ausreichend von der vom Landtag als antisemitisch eingestuften Bewegung distanziert.

Mit dem Preis sollte Raad im Oktober für sein 15 Jahre dauerndes Projekt «The Atlas Group» gewürdigt werden, in dem sich der 1967 geborene Künstler mit der gewaltsamen Geschichte des Libanon auseinandersetzt.

Im Ruhrgebiet gab es zuletzt einen ähnlichen Fall: Die Stadt Dortmund vergibt ihren Nelly-Sachs-Preis nun doch nicht an die Autorin Kamila Shamsie, die sich an Boykottaufrufen gegen Israel beteiligte. Auch Shamsie setzt sich für die BDS-Bewegung («Boycott, Divestment and Sanctions») ein, die Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will.

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