Zentralrat der Juden verurteilt antisemitische Vorfälle bei Demo

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nach antisemitischen Vorfällen bei einer Demonstration in Essen gegen den Gaza-Krieg hat sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland in die Diskussion eingeschaltet. Präsident Dieter Graumann wies die Ereignisse einer neuen Dimension des Antisemitismus zu, die viel zu wenig beachtet werde. «Wir erleben hierzulande gerade eine Explosion an bösem und gewaltbereitem Judenhass, die uns alle schockiert und bestürzt», sagte Graumann laut einer Mitteilung. Er frage sich, wo «in diesen Stunden die klaren und lauten Verurteilungen aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft» blieben.

Am Freitag hatten in Essen etwa 1000 Menschen nach einem Aufruf der Jugendorganisation der Partei Die Linke zunächst friedlich gegen die Bombardierung des Gazastreifens durch Israel demonstriert. Nach der Kundgebung waren etwa 200 Teilnehmer zu einem Platz gezogen, auf dem rund 100 Menschen gegen Antisemitismus protestierten. Vereinzelt seien Flaschen und andere Gegenstände geworfen worden, teilte die Polizei mit. Sie nahm acht Menschen fest. Außerdem sollen 14 Personen geplant haben, die Kundgebung zu einer Aktion gegen die Alte Synagoge in Essen zu missbrauchen. Sie waren zwischenzeitlich festgenommen worden.

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn, hatte die Vorgänge beschämend genannt. Der Vorsitzende der NRW-Grünen Sven Lehmann, warf der Linken vor, mit dem Aufruf zur Demonstration «massiv gezündelt» zu haben. Die nordrhein-westfälische SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese nannte es «unerträglich», dass Linksparteiabgeordnete und Linksparteijugend zusammen mit Antisemiten und Rechtsextremen demonstriert hätten.

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