Bob-Weltmeister Machata: Der Gejagte ist gelassen

Innsbruck (dpa) - Ob intern Thomas Florschütz oder international die Amerikaner oder Russen: Bob-Weltmeister Manuel Machata wird von allen gejagt. Dem coolen Bayern ist das völlig egal. Er will bei der Titeljagd durch den Eiskanal, die am Wochenende in Innsbruck beginnt, nur Spaß haben.

Seine Gelassenheit ist schon fast provozierend. Manuel Machata, im vergangenen Winter auch branchenübergreifend der Shootingstar in Deutschland, lässt das Gerede über seine Favoritenstellung eiskalt abblitzen. «Den Rucksack trage ich nicht. Ich weiß, was die anderen können und ich weiß vor allem, was ich kann. Aber wenn ich mir die Startzeiten der nationalen und internationalen Konkurrenz anschaue, dann wird es eine enge Kiste», meinte der 27-Jährige aus Ramsau, der in der vergangenen Saison bei seiner Premiere gleich Welt- und Europameister sowie Weltcup-Gesamtsieger im Viererbob geworden ist.

«Er ist der Gejagte und muss nun umso härter kämpfen. Mit dieser Situation muss so ein junger Sportler erst einmal fertig werden. Bei der starken Konkurrenz im eigenen Lager mit Thomas Florschütz und Maximilian Arndt ist es selbst für einen Weltmeister schwer, sich durchzusetzen», sagte Cheftrainer Christoph Langen. Da spielen frühere Erfolge nur eine untergeordnete Rolle. Das weiß auch Machata, der weiter für den SC Potsdam startet: «Im deutschen System ist es ja so, dass nach dem Wettkampf gleich vor dem Wettkampf ist. Und dieses Jahr ist wieder eine WM und da muss die Leistung ja auch wieder einigermaßen passen. Wir wollen ja nicht unbedingt Letzter werden.»

In den internen Selektions-Rennen deutete sich schon an, dass der Riesaer Florschütz im Zweierbob mit Kevin Kuske in einer anderen Liga fährt, auch im großen Schlitten überzeugte die Crew aus Sachsen. «Für uns ist das eine gute Motivation, es muss für unser Team jetzt Jahr für Jahr ein Stück nach vorne gehen, damit wir an die Schnellstarter der Szene herankommen. Dann haben wir es auch leichter auf der Bahn und nur dort wird abgerechnet», betonte Machata, der nach seinen Erfolgen auch medial im Blickpunkt steht: «Das Medieninteresse ist enorm gestiegen, aber im Endeffekt verändert sich nicht viel, ich bin so wie ich bin. Und ich habe einfach Spaß an dem, was ich mache. Und Spaß ist bei mir ganz wichtig.»

So erlebte er einen abwechslungsreichen Sommer. Mal saß er mit Playmate Doreen Seidel beim Motorsport-Debüt im ADAC Cruze-Cup am Steuer eines Chevrolet oder er alberte abseits des harten Grundlagen-Trainings mit seinem Team vor der Fotokamera herum.

Ein neuer Hauptsponsor (Berner) für ihn und den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) organisierte ein professionelles Fotoshooting am Königssee und lichtete die Weltmeister teilweise entblättert für einen Kalender ab. Nur das Hobby Motorradfahren vernachlässigte er etwas, «weil das Verletzungsrisiko bei meiner rasanten Fahrweise einfach zu hoch ist».

Im Eiskanal setzt Machata, der nach seinen unerwarteten Erfolgen gleich den Spitznamen «Machete» erhielt, wieder ganz aufs Gefühl. «Da kommen mir die Erfahrungen aus dem Automobilsport zugute. Vom Arschgefühl her oder vom Popometer - wie wir immer sagen - ist es schon gut, wenn man auch im Sommer in dieser Richtung etwas macht.»

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