EM-Wettlauf für Mertesacker - Löw: Lahm bleibt links

München (dpa) - Neue Probleme für Joachim Löw knapp 80 Tage vor dem EM-Start: Der drohende Ausfall von Abwehrchef Per Mertesacker beim FC Arsenal bis zum Saisonende in England erschwert die Planungen des Bundestrainers für die Fußball-Europameisterschaft auf einer Schlüsselposition.

An einer anderen Konstante in seiner Abwehrreihe will Löw dagegen mit Blick auf das Turnier vom 8. Juni bis 1. Juli nicht rütteln: Trotz des erneuten Seitenwechsels von Philipp Lahm beim FC Bayern München plant der Bundestrainer seinen Kapitän für die Titelmission in Polen und der Ukraine weiter links ein.

Die Genesung von Mertesacker nach der Operation am rechten Sprunggelenk wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Der 27 Jahre alte Innenverteidiger muss nach dem Eingriff im Februar wohl ohne Spielpraxis in die EM-Vorbereitung einsteigen, die am 11. Mai mit einem Trainingslager der Nationalelf in Sardinien beginnt. «Ich glaube, dass Per bis zum Saisonende ausfällt», sagte Arsenal-Coach Arsène Wenger nach englischen Medienberichten.

«Es sind nur noch rund sechs Wochen bis zum Ende, also glaube ich, dass er noch nicht spritzig genug sein wird, um zurückzukommen und zu spielen. Er müsste trainieren und erst einmal seine volle Fitness zurückerlangen», erläuterte Wenger die Problematik. Löw hatte bislang die Hoffnung geäußert, dass es Mertesacker schaffen werde, für die EM rechtzeitig «wieder in Form zu sein». Man müsse aber die Entwicklung abwarten, hatte der Bundestrainer eingeschränkt: «Es ist immer schwierig, nach einer Operation eine Prognose zu geben.»

Löw weiß aus der Vergangenheit um das Risiko, bei einem Turnier auf einen langen verletzten Spieler zu setzen. Christoph Metzelder lief nach einer monatelangen Fußverletzung bei der EM 2008 an der Seite von Mertesacker nie zur Hochform auf. Mertesacker steht beim Bundestrainer allerdings nach wie vor hoch im Kurs: Bei der WM 2006, der EM 2008 und der WM 2010 war er jeweils Stammspieler.

Mertesacker hatte noch in der vergangenen Woche gesagt, dass er hoffe, Arsenal im Saisonendspurt noch helfen zu können. Löw will seinen EM-Kader Anfang Mai nominieren und wird dabei wohl zunächst mehr als 23 Spieler berufen. Mertesacker wird dann um seinen Platz im Abwehrzentrum kämpfen müssen. Die Konkurrenz ist groß - neben Mertesacker streiten Holger Badstuber, Jérôme Boateng (beide Bayern), Mats Hummels (Dortmund) und Benedikt Höwedes (Schalke) um die zwei Plätze in der Innenverteidigung.

Nach dem 1:2 vor zwei Wochen im Testspiel gegen Frankreich hatte Löw die Abwehr als aktuell größte Problemzone bezeichnet: «Ich denke, dass wir gerade in der Defensive einiges tun müssen Richtung EM.» Das Hin und Her von Außenverteidiger Lahm beim FC Bayern will der Bundestrainer dabei nicht schon wieder mitmachen. «Für die EM darf es uns erstmal nicht beeinflussen, was die Bayern planen. Da wird das keine Rolle spielen», sagte Löw der «Süddeutschen Zeitung».

In der jüngeren Vergangenheit hatte der Bundestrainer die Seitenwechsel von Lahm im Verein stets auf das DFB-Team übertragen. Doch knapp drei Monate vor dem EM-Beginn ist zumindest in München plötzlich wieder alles anders: Bei den letzten zwei Siegen in der Bundesliga gegen Hoffenheim (7:1) und in der Champions League gegen Basel (7:0) verteidigte Lahm wieder rechts. «So, wie es aussieht, wird das nun länger so bleiben», erklärte der Kapitän.

Löw ist skeptischer: «Ob das bei Bayern eine Dauerlösung ist mit Lahm rechts und Alaba links, muss man ja erstmal abwarten.» Der Chefcoach sieht «zunächst keine Veranlassung, etwas zu ändern». Bei großen Turnieren hat der 85-malige Nationalspieler Lahm schon auf beiden Seiten gespielt. Bei der EM 2008 begann Lahm sogar rechts und wechselte im Turnier zurück nach links. Löws Problem für die aktuelle EM: Für die rechte Seite fehlt noch eine überzeugende Lösung.

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