Ferrari hofft auf Heimsieg: Trost für Titelverlust

Monza (dpa) - In der WM ist für Ferrari der Vettel-Express längst davongefahren. Ein Triumph beim Heimrennen soll die Scuderia über den so gut wie feststehenden Titelverlust wenigstens etwas hinwegtrösten.

«Natürlich wäre ein Sieg in Monza das Schönste. Aber auch ein Podestplatz wäre toll», sagte Teamchef Stefano Domenicali vor dem Großen Preis von Italien an diesem Formel-1-Wochenende. «Es ist etwas ganz Spezielles, hier zu gewinnen», betonte Vorjahressieger Fernando Alonso am Donnerstag.

Aber selbst mit einem Prestigeerfolg im Königlichen Park ist die verkorkste Saison für Ferrari nicht mehr zu retten: Das «cavallino rampante» trabt den «Roten Bullen» mit Weltmeister Sebastian Vettel weit hinterher. Vor dem 13. Saisonlauf an diesem Sonntag (Start: 14.00 Uhr/RTL und Sky) liegt Alonso mit 157 Punkten praktisch unaufholbare 102 Zähler hinter dem souveränen Spitzenreiter Sebastian Vettel (259).

«Wir werden kämpfen bis zum Schluss, aber man muss realistisch sein», räumte Alonso illusionslos ein, dass das WM-Rennen gelaufen ist. Dem Spanier glückte in Silverstone der bislang einzige Ferrari-Sieg in diesem Jahr. Teamkollege Felipe Massa (WM-Sechster/74 Punkte) kam noch kein einziges Mal aufs Podest. Dabei wollte das «springende Pferd» in diesem Jahr vorneweg galoppieren. Nachdem Alonso 2010 im letzten Rennen durch einen Strategiepatzer unglücklich und völlig unerwartet noch den Titel verloren hatte, wollten Ferrari und er Vettel und Red Bull nun klar einbremsen.

Doch alles kam völlig anders: Zu Saisonbeginn war der F150 Italia wesentlich langsamer als die Konkurrenz. Ferrari tauschte die technisch Verantwortlichen aus und kam mit der Zeit besser auf Touren, aber ernsthaft gefährden konnten die Italiener Vettel nicht. Speziell bei kühlen Bedingungen wie zuletzt in Spa bringt Ferrari die Reifen nicht auf die richtigen Temperaturen.

Die für den Rennsonntag prognostizierten 30 Grad verbessern die Chancen, den Vorjahreserfolg zu wiederholen. Damals gewann der von der Pole-Position gestartete Alonso und Massa belegte den dritten Platz. Ein vergleichbares Resultat würde für etwas Ruhe im Ferrari-Lager sorgen. «Unser Ziel ist, hier wieder gut abzuschneiden», sagte Alonso. «Das ist eine besondere Strecke, hier herrscht eine besondere Atmosphäre, hier strengt sich jeder im Team extra an.»

Klar ist, ohne mittelfristige Erfolge gerät auch Domenicali immer stärker in die Schusslinie. «Ferrari ist zum Siegen verdammt. Wir können uns bei unserer Geschichte kein Lächeln über einen zweiten Platz erlauben», sagte der Teamchef der italienischen Zeitung «La Repubblica.» Domenicali strahlte vor dem Heim-Grand-Prix aber generelle Zuversicht aus: «Wir sind davon überzeugt, dass dies unsere letzte enttäuschende Saison ist.» Ferrari habe die Struktur für eine erfolgreiche Zukunft geschaffen.

Ein Pfeiler und Garant ist laut Domenicali der Doppel-Champion. «Fernando glaubt an unser Projekt. Er hat bis 2016 unterschrieben und er ist mitten in seiner Karriere. Ein Siegertyp wie er würde die Zeit nicht verschwenden, wenn er nicht vom Projekt überzeugt wäre», sagte er. Es sei nicht Alonsos Schuld, wenn Vettel die WM «gekillt» habe: «Wir haben Fehler gemacht, aber er ist phänomenal.»

Alonso beurteilte Domenicalis Optimismus zurückhaltend: «Wir arbeiten hart daran, im nächsten Jahr von Beginn an voll konkurrenzfähig zu sein. Wir haben das Potenzial und die richtigen Leute. Aber man kann in der Formel 1 niemals sicher sein.»

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