Getriebeproblem kostet Vettel Sieg - Webber gewinnt

Sao Paulo (dpa) - Der erste echte technische Defekt brachte Sebastian Vettel beim Formel-1-Finale um den zwölften Saisonerfolg. So konnte sich sein Red-Bull-Teamkollege über den Erfolg in Sao Paulo freuen.

Ein Getriebedefekt kostete Sebastian Vettel den scheinbar sicheren Sieg beim Saisonfinale. Aber der Doppel-Weltmeister nahm die Technik-Tücke schließlich souverän und gelassen: «Es wäre nicht angemessen, wenn ich mich ärgern würde», sagte Vettel nach seinem zweiten Platz Großen Preis von Brasilien hinter Red-Bull-Teamkollege Mark Webber in Sao Paulo. «Wir können nach einem fantastischen Jahr stolz auf uns sein. Der Doppelerfolg ist ein tolles Ende des Jahres.» Er freue sich jetzt auf die Winterpause in der Formel 1.

Vettel musste beim wegen Problemen mit der Schaltung seinen Stallgefährten Webber schon in der 30. Runde kampflos passieren lassen. «Es wurde immer schlimmer und ich musste immer früher hochschalten», schilderte der Heppenheimer seinen aussichtslosen Versuch, die Führung dennoch zu verteidigen. «Ich habe Mark dann vorbei gelassen, um ihm die besten Chancen auf den Sieg zu geben.»

Statt das Dutzend voll zu machen, musste sich Vettel mit Rang zwei begnügen. Webber freute sich über seinen ersten Erfolg zum Abschluss eines langen Formel-1-Jahres. «Für mich persönlich war das ein sehr wichtiger Sieg», betonte der Australier. «Es wäre mir aber lieber gewesen, das mit Sebastian auf der Strecke auszufechten.» McLaren-Pilot Jenson Button sicherte sich durch Platz drei den Vize-Titel.

Red-Bull-Berater Helmut Marko erklärte, zu niedriger Öldruck im Getriebe von Vettels RB7 sei die Ursache für das Schaltproblem gewesen. «Nach 15 Runden war die Überlegung, ob wir ihn stoppen oder weiterfahren lassen. Aber umso weniger er mit den kleinen Gängen durch die Kurven gefahren ist, umso schneller war er», sagte der Österreicher voller Hochachtung.

Vettel blieb am Ersten Advent zwar ein Blitz-K.o. wie vor zwei Wochen in Abu Dhabi erspart, als ein Hinterreifen schon in der ersten Runde geplatzt war, aber der Traum vom zweiten Sieg im Autodromo José Carlos Pace platzte ebenfalls früh. Da der Überflieger seinen zweiten WM-Titel schon in Japan perfekt gemacht hatte, blieben die beiden technischen Defekte zum Saisonabschluss ohne gravierende Auswirkung. «Von Pech würde ich nicht sprechen», sagte Vettel bei der Abschlusspressekonferenz.

Für Webber war der erste Erfolg seit Ungarn am 1. August 2010 eine Befreiung. Es war sein insgesamt siebter Sieg im 176. Grand Prix. Der Australier gewann nach 71 Runden (305,909 Kilometer) in 1:32:17,464 Stunden. Vettel wies 16,983 Sekunden Rückstand auf. Der Spanier Fernando Alonso belegte im Ferrari den vierten Rang. Champion Vettel schloss die Saison mit 392 Punkten souverän vor den Verfolgern ab. Der WM-Zweite Button (270) hielt Webber (258) und Alonso (257) auf Distanz.

Der neue Pole-Rekordhalter Vettel nutzte seine 15. Bestzeit dieser Saison perfekt und setzte sich gleich von seinem Stallgefährten Webber ab. Die Konkurrenten der anderen Teams fuhren auf dem 4,309 Kilometer langer Berg-und-Tal-Kurs schon früh chancenlos hinterher. Alles sah nach dem zwölften Sieg des 24-Jährigen aus, aber dann machten ihm die Getriebeprobleme einen dicken Strich durch die Rechnung.

«Ich fühle mich wie Ayrton Senna 1991», klagte Vettel während des Grand Prix per Boxenfunk. Der 1994 tödlich verunglückte dreifache Champion aus Brasilien hatte damals bei seinem Heimrennen ein vergleichbares Problem. Allerdings gewann Senna und wurde nach der Zieldurchfahrt ohnmächtig.

Nach 14 Umläufen wurde Vettel um ein paar Zehntelsekunden langsamer. Bis zur 30. Runde konnte sich der Weltmeister trotz dieses technischen Problems noch an der Spitze halten, dann musste er Webber kampflos passieren lassen. Red Bull hatte Vettel per Boxenfunk immer wieder darauf hingewiesen, beim Schalten aufzupassen. «Wenn ich jede Runde den Schaltmodus ändere, werde ich hinter ihn zurückfallen», wehrte sich Vettel da noch auch verbal gegen den Verlust der Führung.

Aber der Zeitverlust war auf Distanz gesehen einfach zu groß: Der Australier kam schließlich locker vorbei. Vettel fuhr danach weiter volles Tempo, so dass die Teamstrategen ihn erneut aufforderten: «Sebastian, wir haben ein echtes Getriebeproblem. Sei vorsichtig.». Schließlich ging es um die Absicherung des dritten Doppelerfolges in 2011. Und nach der Zieldurchfahrt sah auch Vettel die Sache locker.

Für Michael Schumacher (Kerpen) war das Rennen im Prinzip schon nach zehn Runden gelaufen. Beim Überholen des auf Rang neun vor ihm liegenden Bruno Senna schlitzte sich der Rekord-Weltmeister am Flügel des Lotus-Renault einen Hinterreifen an seinem Silberpfeil auf. Der Mercedes-Pilot musste unplanmäßig früh zum Wechseln an die Box zurückschleichen. Dass der Brasilianer für sein zu frühes Einscheren ein Durchfahrtsstrafe erhielt, nutzte Schumacher nichts. Am Schluss wurde er nur 15. «Sehr ärgerlich», schimpfte er.

Nico Rosberg hatte erneut die Nase vor seinem Teamkollegen. Der Wiesbadener belegte den siebten Platz. Er blieb damit auch in der Gesamtwertung als WM-Siebter vor Schumacher (Achter). Zweitbester Deutscher in Brasilien war allerdings Adrian Sutil (Gräfelfing). Der Force-India-Fahrer überzeugte auf Rang sechs. Der als Letzter gestartete Timo Glock (Wersau) schied in der 24. Runde aus. Die Mechaniker hatten ein Hinterrad nicht richtig festgeschraubt, so dass er seinen Marussia-Virgin abstellen musste.

SOCIAL BOOKMARKS