Heidenheim heiß: Schmidt will «Lebenschance» nutzen
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Heidenheims Trainer Frank Schmidt will die Aufstiegschance ergreifen. Foto: Tom Weller/dpa
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Heidenheim (dpa) - Frank Schmidt ist voll fokussiert. Und fest entschlossen, die historische Chance des 1. FC Heidenheim auf den erstmaligen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga zu nutzen.

«Für die meisten ist es eine Lebenschance. Manche Dinge passieren im Leben häufig, manche bekommt man nie oder ganz selten. Wir haben jetzt die Situation, etwas ganz Außergewöhnliches machen zu dürfen», sagt der Trainer des schwäbischen Zweitligisten mit Blick auf das Relegations-Hinspiel beim SV Werder Bremen am Donnerstag (20.30 Uhr/DAZN und Amazon Prime).

Der FCH gilt gegen den Drittletzten der abgelaufenen Bundesliga-Saison als klarer Außenseiter. Sollte er den Aufstieg packen, wäre es eine echte Sensation. Und für Schmidt die vorläufige Krönung einer langen Erfolgsgeschichte.

Seit 13 Jahren trainiert er die Heidenheimer mittlerweile schon, ist damit der dienstälteste Coach im deutschen Profi-Fußball. Er führte sie von der Oberliga bis in die 2. Liga und dort nun zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren ins obere Drittel. «Es ist jetzt schon schier unglaublich, was wir alle zusammen erreicht haben. Wenn man bedenkt, dass es theoretisch noch zwei Spiele bis zur Bundesliga sind, wäre es der absolute Wahnsinn», sagt er.

Der 46-Jährige ist eine der drei prägenden Figuren des Vereins. Neben Geschäftsführer Holger Sanwald, bei dessen Einstieg vor 26 Jahren die Heidenheimer sogar noch in der Landesliga spielten. Und neben Kapitän Marc Schnatterer, der nun auch schon seit zwölf Jahren für sie auf Torejagd geht. «Es ist vorbildlich, was er hier geleistet hat», sagt Schmidt über Schnatterer - und den möglichen Aufstieg: «Bevor ich es mir wünsche, wünsche ich es ihm. Es wäre die Krönung einer unglaublichen Karriere.»

Dieser Zusammenhalt und diese Kontinuität sind es, die den FCH auszeichnen. In aller Ruhe mauserte sich der Club in den vergangenen Jahren im Schatten des rund 80 Kilometer entfernt beheimateten fünfmaligen deutschen Meisters VfB Stuttgart zu einem Topclub der 2. Liga. «Freiburg hat es vorgemacht. Das ist der Reiz der Provinz», sagt der Heidenheimer Oberbürgermeister Bernhard Ilg (CDU). Er wird angesichts dieser außergewöhnlichen Chance mit nach Bremen reisen.

Auch auf dem Platz stand das Team aus dem 50.000-Einwohner-Städtchen in dieser Saison nicht gerade für Spektakel. Lediglich 45 Tore hat der FCH geschossen, nur Sandhausen, St. Pauli und Dresden haben noch weniger. Mit 36 Gegentreffern hat der Club nach Meister Arminia Bielefeld aber eben auch nur die zweitwenigsten kassiert.

Da auswärts zuletzt aber recht wenig zusammenlief, gehe es im Hinspiel in Bremen in erster Linie um «ein Ergebnis, das uns im Rückspiel noch an die Sensation glauben lässt», sagt Schmidt. Der Coach erwartet offensivfreudige Hanseaten und wünscht sich daher mehr Stabilität in der eigenen Verteidigung.

Für seinen Bremer Kollegen Florian Kohfeldt hat Schmidt viel Lob übrig. «Natürlich steht er dieses Jahr unter Druck, aber davor hat er hervorragende Leistungen gezeigt», sagt Schmidt. Die Variabilität im Spiel der Werderaner sei Kohfeldts Verdienst. Und an schwierigen Situationen könne man auch wachsen, sagt Schmidt: «Das weiß ich aus eigener Erfahrung im 13. Jahr.» Das kaum besser hätte laufen können. Und das er jetzt veredeln will.

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