KHL: Vereine wollen Spieler an Lokomotive abgeben

Moskau (dpa) - Nach dem tödlichen Flugzeugabsturz der russischen Eishockey-Mannschaft Lokomotive Jaroslawl sollen Spieler aus anderen Vereinen das Team neu aufbauen.

«Viele Jungs haben in den ersten Stunden nach der Tragödie ihren Wunsch erklärt, für Lokomotive zu spielen», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Kontinentalen Eishockey-Liga (KHL), Wjatscheslaw Fetissow, dem TV-Sender Rossija 24. Bereits in zwei bis drei Tagen könne eine neue Mannschaft aufgestellt werden, die sofort in der KHL mitspielt.

«Dies sagt eine Menge über die Verbundenheit der Spieler und die Tradition unseres Eishockeys», meinte Fetissow. Auch Fans anderer Vereine unterstützen die Idee. Anhänger von Spartak Moskau schlugen vor, dass vor allem ehemalige Jugendspieler von Lokomotive zu ihrem Ausbildungsverein zurückkehren sollten. Cheftrainer der neuen Mannschaft soll nach Angaben von Fetissow der Coach der Lokomotive-Nachwuchsmannschaft, Pjotr Worobjow, werden.

Es wäre nicht das erste Mal, dass nach einem Unglück eine Sportmannschaft mit Spielern anderer Vereine weiterspielt. Nachdem 1979 die Fußballmannschaft des damaligen sowjetischen Spitzenteams Pachtakor Taschkent bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, gaben die übrigen Vereine Akteure ab. Zudem wurde beschlossen, dass Pachtakor drei Jahre lang nicht absteigen konnte.

Zuvor hatte die KHL alle Partien des ersten Spieltags abgesagt. Darauf hätten sich Fetissow, KHL-Präsident Alexander Medwedew und der Vorsitzende der Spielervereinigung, Andrej Kowalenko, geeinigt, teilte die KHL auf ihrer Internetseite mit.

Bei dem Unglück am Mittwoch war fast das gesamte Team von Lokomotive ums Leben gekommen, darunter der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich. Insgesamt wurden 43 der insgesamt 45 Menschen an Bord getötet, als die Maschine vom Typ Jak-42 kurz nach dem Start vom Flughafen Jaroslawl abstürzte. Nur der russische Spieler Alexander Galimow und ein Bordingenieur überlebten schwer verletzt. Die Unglücksursache ist noch unklar.

Die Spielervereinigung rief zu Spenden für die Angehörigen der Opfer auf. Ob andere Mannschaften Akteure abstellen, um die Mannschaft von Lokomotive neu aufzubauen, war zunächst unklar. In Jaroslawl erinnerten in der Nacht etwa 3000 Eishockey-Fans mit Kerzen und Blumen an die Opfer. Kirchenglocken schlugen. «Vielen Dank, Jungs», stand auf einem Plakat. Die Region Jaroslawl gedenkt von diesem Freitag an mit drei Trauertagen der Opfer.

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